
- Am Girls Day in Lennep - Kadereit
Jährlich findet am vierten Donnerstag im April der "Girls’ Day" statt. Schülerinnen zwischen zehn und fünfzehn Jahren haben an diesem Tag die Möglichkeit, einmal als Praktikantin in typische Männerberufe "rein zu schnuppern". Auch in Lennep hatten sich Betriebe bereit erklärt, jungen Mädels einen Schnuppertag zu ermöglichen. Das SonntagsBlatt besuchte das H2O in Hackenberg und den Steinmetzmeister Thomas Hundhausen im Schneppendahler Weg.
Arbeiten im Hallenbad
Von der Albert-Einstein-Gesamtschule hatten drei Mädchen gerade Besuch von ihrer Lehrerin Sylvia Baerends, die sich über den Ablauf des Tages informierte. Schon seit sieben Uhr in der Frühe wurden sie mit den verschiedenen Arbeiten eines Badebetriebes vertraut gemacht. "Reinigung, Wasserprobe, Wasserqualität, Sauna, Wasseraufsicht, aber auch Kasse und Technik gehören zum Informationsablauf", verriet das aufgeweckte Trio. Wer später einmal diese Tätigkeiten als Beruf ausüben möchte, muss vorher die Ausbildung zum Fachangestellten für Badebetriebe absolvieren.
Freundlich aufgenommen
"Wir wollen gar nicht mehr nach Hause", meinte Katharina de Groote und fügte hinzu: "Das sind Klasse-Leute, die hier arbeiten". Sie seien freundlich aufgenommen und sofort integriert worden. Eigentlich wäre um elf Uhr Schluss gewesen, aber nun durften sie bis 15 Uhr bleiben. Danach hätten sie noch bis zum Abend freien Eintritt ins Schwimmbad.
Achtstundentag macht Spaß
Die Begeisterung sah man ihnen an, und Alina Kristin Schröder meinte: "Das macht total Spaß", als sie am Beckenrand eine Wasseruntersuchung gemacht hatte. Juliane Molitor schloss sich dieser Meinung an, und es machte ihr überhaupt nichts aus, einen kompletten Achtstundentag mitzumachen. Weniger gesprächsbereit waren zwei Mädels einer anderen Gesamtschule, die statt eines Gesprächs lieber "draußen eine rauchen" wollten.
Beim Steinmetz schnuppern
Mit dem Spruch "Denk ich an Stein, denk ich an Steinmetz" und einer ganzen Reihe massiver Skulpturen wird der Besucher auf den Steinmetzbetrieb am Schneppendahler Weg eingestimmt. Hier geht es um schwere Brocken. Thomas Hundhausen hat mit den bei ihm schnuppernden Mädels gerade die Lektion "Pressluft" durchgenommen.
Umgang mit den Werkzeugen
Celina Bohle von der Sophie-Scholl-Gesamtschule kommentiert ihre bisherige Tätigkeit: "Ganz interessant, dieses Praktikum, aber man bekommt nur einen kleinen Einblick". Herr Hundhausen habe aber erzählt, wie man durch richtige Haltung bei der Arbeit drohende Rückenprobleme verhindert. Die beiden anderen Schülerinnen vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium schauen interessiert zu. Ob sie eines Tages den Umgang mit Steinen, Werkzeugen, Maschinen und Sackkarren zum Beruf machen wollen? Die Frage wird wohl erst in einigen Jahren endgültig zu beantworten sein. Derweil verteilt der Meister die Gehörschützer, denn gleich wird es laut.
Gesteinsbrocken teilen
Ein dicker Gesteinsblock muss als nächstes geteilt werden. Dazu werden Bohrlöcher getrieben, ehe mit Federkeilen gearbeitet wird, die den Block in übersichtliche Stücke verkleinern. Jetzt gilt es für Celina, auch anzupacken. Sie spürt das Gewicht des Werkzeugs, jene Kraft, die dahinter steckt und schaut auf die Spaltrichtung, immer wieder von Thomas Hundhausen leicht korrigiert und geführt. Frauen in der Werkstatt seien für ihn kein Novum, meint der Steinmetzmeister und seine Gesellin nickt zustimmend.
Girls' Day - ein Erfolg
In Deutschland wurde der Gedanke, Mädchen einen typischen Männerberuf schmackhaft zu machen, 2001 aufgegriffen. 39 Betriebe im gesamten Land machten mit und nahmen 1.800 Mädchen auf. Mittlerweile waren es 2009 schon 9.098 Betriebe, die insgesamt rund 127.000 Schülerinnen für einen Tag lang Einblicke gewährten. Der Girls‘ Day hat erfreuliche Eigendynamik entwickelt.
