
- Christel Wenzkowski - Helga Schubert
Immer wird der Gedanke an eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung, an das Sterben und schließlich an den Tod weit weg geschoben. Wer mitten im Leben steht, nimmt sich kaum die Zeit, um inne zu halten und an solche Dinge zu denken. Jugend, Schönheit und Gesundheit, Aktivität und Kraft sind die Attribute, die in unserer Gesellschaft zählen. Jeder glaubt, egal, wie alt er ist, noch alle Zeit der Welt zu haben, um sein Leben zu gestalten, seine Träume zu verwirklichen.
Begegnung mit dem Tod
Doch irgendwann trifft es einen Freund, einen Angehörigen. Spätestens dann beginnt man, über den Tod nachzudenken, auch über den eigenen. Wie geht man mit ihm um? Auf welche Weise begegnet der Einzelne dem Schwerkranken, gar einem Sterbenden? Wie wird die Trauer um einen geliebten Menschen, ein Elternteil, ein Kind verarbeitet? Wie schließt ein Hinterbliebener mit dem schweren seelischen Kummer ab, um das aktive Leben weiterführen zu können?
Ambulanter Hospizdienst in Dessau-Roßlau
Den Fragen um das Sterben und dem Tod stellt sich der Hospizdienst. Laut Infoblatt gibt es in Deutschland seit 1967 die Hospizbewegung. In der Großstadt Dessau-Roßlau kann man dieses Angebot seit 1997 nutzen. Neben einem stationären sorgt auch das ambulante Hospiz für eine umfassende Betreuung der Sterbenden. Es arbeitet mit anderen Einrichtungen wie Sozialstationen, Krankenhäusern und Beratungsstellen zusammen.
Christel Wenzkowski über die Aufgaben des ambulanten Hospizes
Die Leiterin der Dessauer Bahnhofsmission, Christel Wenzkowski, ist auch für die ambulante Hospizarbeit zuständig, die in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Dessau steht. Das Angebot ist kostenlos. Wie Frau Wenzkowski erklärt, beinhaltet die Tätigkeit des mobilen Hospizes nicht nur die Begleitung eines Sterbenden in seiner letzten, schweren Lebensphase, sondern auch Hilfe für die Angehörigen. Es spielt dabei keine Rolle, welcher Religion jemand angehört. Ebenso unwichtig ist die politische Gesinnung oder gar der soziale Status. Nur der Mensch zählt, mit seinen Sorgen und Ängsten.
Kurse für HospizmitarbeiterInnen
Neben der hauptamtlichen Mitarbeiterin, die unter anderem für die Organisation und die Koordinierung der Besuche zuständig ist, kümmern sich 26 ehrenamtliche HospizmitarbeiterInnen um die Betreuung schwerkranker Menschen. Diese Helfer werden regelmäßig geschult. Das beginnt zunächst mit dem Kurs "Einführung in die Sterbebegleitung“. Es folgen Vorträge, Weiterbildungen und monatlich stattfindende Supervisionen, die den Helfern außer fachlicher Anleitung auch Mut und Unterstützung bieten. Denn die Arbeit mit den Sterbenden und ihren Angehörigen fordert verständlicherweise allen HospizmitarbeiterInnen enorme emotionale Kräfte ab.
Zahlen und Fakten in der ambulanten Hospizarbeit
Die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes in Dessau-Roßlau wird von den Menschen angenommen. 2009 nutzten, laut Frau Wenzkowski, 70 Personen die Möglichkeit einer Sterbebegleitung. Über die Jahre verteilt gab der ambulante Hospizdienst insgesamt 537 Sterbenden die benötigte Hilfe. Dabei wurden allein im Jahr 2009 von den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen 1029 Stunden an Zeitaufwand investiert. Das ist gelebte Humanität, die es dem Sterbenden erlaubt, seine letzten Stunden in Frieden zu verbringen.
