Amerikas konservative Revolution

George Washington - O. Fischer/pixelio
George Washington - O. Fischer/pixelio
Die amerikanische Revolution im Unabhängigkeitskrieg zur Schaffung der USA hatte einen konservativen Charakter.

Die Amerikanische Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts gilt zu Recht als ein welthistorisches Ereignis, denn in dieser Zeit erkämpfte sich Amerika seine Unabhängigkeit vom konstitutionellen Königreich Großbritannien. Der Konflikt zwischen dem Mutterland und den Kolonien baute sich seit den 1760er Jahren auf und eskalierte schließlich in einem Unabhängigkeitskrieg. Trotz der immensen Bedeutung ist es berechtigt zu fragen, ob der Begriff Revolution für diese Zeit des Krieges sowie der Entstehung der Vereinigten Staaten angemessen ist. Wenn nämlich der Ablauf der Ereignisse und die Einstellung der dabei involvierten Personen berücksichtigt werden, stellt man den großen Unterschied zwischen der amerikanischen und der zeitnahen französischen Revolution in Europa fest. Zudem fällt der durchaus konservative Charakter im Hinblick auf die amerikanische Variante auf, obwohl sich die Kolonien auch hier von einer Monarchie trennten. Dieser Charakter wurde durch alte britische Traditionen geformt.

Der Weg in die Revolution

Am 4. Juli 1776 erklärten die britischen Kolonien Nordamerikas ihre Unabhängigkeit vom Mutterland. Die Auslöser für den Konflikt und die gereizte Stimmung in den anderen Kolonien Nordamerikas waren, neben anderen Maßnahmen, die ständige Erhebung von Steuern des Vereinigten Königreiches in den Kolonien seit den 1760er Jahren, hervorgerufen durch den Siebenjahreskrieg (1756-1763). Die Einführung dieser Steuern war in der größtenteils verärgerten Bevölkerung in den Kolonien der Grund für den Kampfruf "Keine Besteuerung ohne Vertretung" (engl. "No taxation without representation"), da die Kolonien im Parlament von London durch keinen Kolonisten repräsentiert waren. Das Recht auf Repräsentation war laut den kolonialen Vertretern jedem Engländer (d.h. auch in den Kolonien) seit langer Zeit rechtlich garantiert. Angesichts der Besteuerung und weiteren Maßnahme von London aus fürchteten die Kolonisten außerdem besonders den Verlust ihrer Autonomie oder Selbstbestimmung.

Die auch durch patriotische Journalisten und Pamphletschreibern aufgeheizte Stimmung gegen die britische Politik entlud sich im Jahr 1770 im so genannten Massaker von Boston. Obwohl es nach der Aufhebung der ziemlich unbeliebten Steuern zwischen den Jahren 1771-1773 bis auf wenige Ausnahmen relativ friedlich zuging, wurde der von der britischen Regierung beschlossene Tea Act (1773) zu einem weiteren Anlass des kolonialen Protestes. Indem der Tea Act den Exportzoll auf britischen Tee aufhob, war mit diesem Gesetz der zu diesem Zeitpunkt krisengeschüttelten East India Company eine Monopolstellung im nordamerikanischen Teehandel sicher. Sie konnte nun den Preis für in die Kolonien geschmuggelten Tee und der amerikanischen Kaufleute generell unterbieten. Darin erkannten viele Kolonisten eine weitere Bedrohung für die (amerikanische) Freiheit. Die Folgen waren Aufrufe zum Boykott von englischem Tee sowie Aufstände von amerikanischen Patrioten in den einzelnen Kolonien (Bestes Beispiel: Die Boston Tea Party (1773)).

"Freiheit oder Tod": Von den Versammlungen in den Krieg

Als Antwort darauf verabschiedete die britische Regierung die Coercive Acts (1774). Die Gesetze umfassten unter anderem die Schließung des Hafens von Boston (bis die East India Company finanziell entschädigt würde), die mehr oder weniger direkte Unterstellung der Regierung in Massachusetts unter das britische Parlament zur Schwächung der lokalen Stadtversammlungen und eine Erweiterung der schon vorher verabschiedeten Quartering Acts, d.h. das Recht für vom Königreich ernannte Gouverneure, Truppen, wo immer es ihnen beliebt, unterzubringen. Diese Maßnahmen waren für die Kolonisten untolerierbar (Deshalb sind sie auch Intolerable Acts genannt worden.). Anschließend wurden Forderungen nach einer geschlossenen Reaktion der Kolonien gegen Großbritannien laut und so versammelten sich über 50 Delegierte aus allen 13 Kolonien außer Georgia im September 1774 in Philadelphia zum ersten Kontinentalkongress. Hier attackierte die Versammlung der Delegierten alle britischen Handelsgesetzgebungen seit 1763 und verhängte Import- sowie Exportsperren gegenüber Großbritannien.

Der Kongress wandte sich außerdem letztlich erfolglos an König Georg III., um ihn zum Aufheben der vom Kongress aufgelisteten Beschwerden zu bewegen. Obwohl dieser Kontinentalkongress für die Kolonien Nordamerikas der erste Schritt auf dem Weg zu einer politischen Union war, darf der absolute Wille zur eigenen lokalen Autonomie in den Kolonien nicht außer Acht gelassen werden. Die größtenteils gegen die Kolonie Massachusetts gerichteten Intolerable Acts waren aus Sicht der anderen Kolonien Anlass zur Sorge, da sie befürchteten, dass das britische Parlament ebenso in anderen Kolonien ähnliche (einschränkende) Gesetze durchsetzen könnte. Deswegen kam den lokalen Versammlungen in den Kolonien eine große Bedeutung zu. Eine dieser Versammlungen tagte an einem kalten und trüben Märztag des Jahres 1775 in der Saint John’s Church von Richmond, Virginia, zur Beratung über Maßnahmen gegen die englische Krone.

Unter den versammelten prominenten Leuten auf der Second Virginia Convention in Richmonds ältester Kirche waren die zwei herausragenden Persönlichkeiten und späteren Präsidenten der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika Thomas Jefferson (Verfasser der Unabhängigkeitserklärung; 3. Präsident) und George Washington (1. Präsident). Doch bei jener Zusammenkunft stach besonders der Anwalt Patrick Henry mit seiner Rede hervor. In dieser sprach Henry von der Unvermeidbarkeit eines Krieges gegen Großbritannien. Hierbei erwähnte er außerdem den berühmten Ausspruch oder Schlachtruf: "Gibt mir Freiheit oder gibt mir den Tod" (engl. "Give me liberty, or give me death").

Die Miliz von Virginia wurde besonders durch Henrys Aufruf zum Kämpfen mobilisiert. Andere Kolonien wie Massachusetts mit seinen prominenten Vertretern Samuel Adams und John Hancock schlossen sich auch der Vorbereitung auf eine Kampfhandlung an. Nachdem in Lexington und Concord die ersten Schüsse des Unabhängigkeitskrieges fielen, erklärte der zweite Kontinentalkongress Großbritannien den Krieg. Der zweite Kontinentalkongress (1775-1781) war trotz der Einschränkungen im später erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) eine Art Regierung der Amerikaner.

Amerikanische vs. französische Revolution

Der Ruf nach Unabhängigkeit mutet zwar auf den ersten Blick radikal an. Jedoch beriefen sich die Kolonisten ständig auf die lange britische Gesetzestradition und auf ihre Rechte als britische Bürger, welche ihrer Ansicht nach vom britischen Parlament seit 1763 (insbesondere mit den Versuchen der Besteuerung) verletzt wurden. Dazu war die Gefahr, die gewohnte Autonomie in den Kolonien zu verlieren, ein Anlass zum Widerstand gegen das Mutterland. Die Rechtstraditionen wurden von den Führern der Kolonisten bis auf die englischen Bill of Rights (1689) und die Magna Carta (1215) zurückgeführt. Ferner bestanden sie auf ihre Naturrechte als Engländer. Folglich unterscheidet sich die amerikanische Revolution mit ihrem konservativen Charakter von der zeitnahen französischen Revolution (1789-1794). Die kolonialen Führer beabsichtigten nicht wie die Jakobiner die radikale Schaffung einer neuen Politik oder einer neuen Religion.

Literatur:

  • McClanahan, Brion: The Politically Incorrect Guide to The Founding Fathers, Washington D.C.: Regnery Publishing, Inc. 2009.
  • Unger, Irwin: These United States. The Questions of Our Past, Upper Saddle River: Prentice Hall 2007.
Nils Zumbansen, Zumbansen

Nils Zumbansen - Mein Heimatort ist Bielefeld, wo ich auch zur Schule gegangen bin und mein Abitur gemacht habe. Nach dem Masterstudium im Fachbereich ...

rss