Amman - 9.000 Jahre Geschichte

Die semitische Stadt Amman hatte eine bewegte Geschichte

Amman: Römische Monumente - François Maher Presley
Amman: Römische Monumente - François Maher Presley
Die Hauptstadt Jordaniens hat heute nur wenig Sehenswürdigkeiten zu bieten, wenngleich die Zeit vor der arabischen Besiedlung auch sehr bewegt war.

Bei der Hauptstadt des jungen Königreichs Jordanien Amman, in der Bibel unter dem Namen Rabbath-Ammon genannt und als der Ort bekannt, in dem König David von Israel den Hithiter Uriah tötete, handelt es sich um eine der langweiligsten Großstädte des gesamten Nahen Ostens oder des so genannten Orients. Dabei fing alles einmal sehr aufregend an, damals, als die heutigen Einwohner dort noch nicht lebten und viele tausend Jahre vor der Begründung und Verbreitung des Islam. Die Geschichte der Stadt reicht neun Jahrtausende bis in die Steinzeit zurück. In Amman legte man die größten neolithischen Siedlungen aus der Zeit um 6.500 v. Chr. frei und auf dem Zitadellenhügeln befinden sich Bronzezeit-Gräber aus der Zeit 3.300 bis 1.200 v. Chr.

Geschichte der Stadt Amman

Zur Zeit von König David war die Stadt mit einer großen Festungsmauer umgeben, einige Teile kann man heute noch besichtigen, doch hielten die Mauern dem Ansturm der Truppen des israelischen Königs nicht stand, er besiegte die Ammoniter, nahm die Stadt ein. Später und bis ins vierte Jahrhundert v. Chr. regierten die Assyrer, Babylonier oder Perser in Amman. Zu Ehren des ptolemäischen Herrschers Ptolemäus II. Philadelphos wurde die Stadt dann in Philadelphia umbenannt. Es folgte die seleukidische und nabatäische Herrschaft, nach 63 v. Chr. kamen die Römer, an der Spitze General Pompeius, annektierten Syrien und nahmen Philadelphia in die Dekapolis auf. Dabei handelte es sich um einen Städtebund von zehn freien Stadtstaaten, die jedoch loyal zu Rom waren.

Die Römer kommen

Und wie es bei den römischen Herrschern überall in den Provinzen üblich war, erneuerten sie die Stadt, bauten große, repräsentative Gebäude, ein Theater, Bäder, Kolonnaden und Philadelphia, das heutige Amman, lag mehr oder weniger plötzlich im Zentrum der römischen Provinz Arabia und damit im Zentrum auch der damaligen Handelswege, die vom Mittelmeer nach Arabien, Indien, China, aber auch in den Norden und Süden verliefen. Die Stadt erfuhr eine Blütezeit.

Erst spät kam der Islam

Während der byzantischen Periode (nach Byzanz benannt, dem heutigen und auch noch nicht ewigen Istanbul), in der das Christentum Staatsreligion des Oströmischen Reichs wurde, war die Stadt Sitz eines christlichen Bischofs. Es entstanden zwei Kirchen. Erst im siebten Jahrhundert n. Chr. breitete sich der Islam von Mekka und Medina über den Nahen Osten aus. 635 n. Chr. bekam die Stadt ihren ursprünglichen semitischen Namen Ammon zurück, heute eben Amman.

Es folgte ein Machtwechsel dem anderen. Die Bedeutung der Stadt endete während der Kreuzzüge und unter der Herrschaft der ägyptischen Mamelucken. Das Osmanische Reich folgte und Amman degenerierte zu einem unbedeutenden Dorf. Noch 1806 soll die Stadt nur von Beduinen bewohnt gewesen sein, ansonsten ausgestorben.

Späte Besiedlung durch Muslime und Araber

Als es mit dem osmanischen Reich zu Ende ging, waren es dann die vertriebenen Tscherkessen und sonstige verfolgte Muslime aus dem Kaukasus, die am Ostufer des Jordans siedelten. Nach einiger Zeit wurden die Siedlungen durch Straßen mit Amman verbunden, der Handel wurde belebt, wenngleich auch erst die Hejaz-Bahnstrecke (Damaskus-Amman-Medina) die Stadt wiederbelebte. 1902 wurde Amman Verkehrsknotenpunkt der Region, die Bevölkerung stieg bis 1905 auf 3.000 Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religionszugehörigkeit.

Die Unabhängigkeit

Dann, am 22. März 1946, errang Transjordanien, das am 15. Mai 1923 als Emirat entstand, seine Unabhängigkeit, der Emir Abdullah, ein Haschemit und einer der vielen direkten Nachfahren des Religionsstifters Mohammed, wurde König und aus Transjordanien wurde das Haschemitische Königreich von Jordanien. Amman wurde Hauptstadt. Heute leben in Amman etwa 38 Prozent der gesamten Bevölkerung des Landes, in dem nunmehr zu 99.2 Prozent nur noch Araber leben, von denen allerdings zweidrittel palästinensischer Abstammung sind, wenngleich aus politischen Gründen die offiziellen Zahlen der dortigen Behörden sich um die 50 Prozent bewegen.

Falsche Darstellung der Geschichte

Die Mähr, dass gerade dieser Teil des Nahen Ostens schon ewig arabisch oder islamisch gewesen sei, ist wieder eine Geschichte aus 1001 Nacht, wissenschaftlich und historisch widerlegt, wenngleich auch die Umbildung, um nicht zu sagen Unbildung der dortigen Massen auch weiterhin dafür sorgt, dass den Fehlinformationen ihrer politischen oder extremistischen religiösen Führer gefolgt wird. Interessant ist der Hinweis einer alten Schrift aus dem Jahre 1321 n. Chr., wonach die „sehr alte Stadt, die noch vor den Tagen des Islams zerfiel....“

Leben in Amman heute

In Amman findet man nur noch wenige Erinnerungen an die großartige Geschichte, der Aufenthalt ist eher langweilig und uninteressant. Wenngleich die Stadt englisch geprägt ist, so entscheidet dort auch der Islam das drastisch beschnittene Leben der Frauen, die mehr oder minder im Alltag nicht auszumachen sind. Minderheiten werden unterdrückt und verfolgt. Es sind wenige und zudem schlechte Clubs vorhanden, einige Restaurants, wenige Bars und ansonsten keine weitere Unterhaltungs- oder Freizeitgestaltungsmöglichkeit, keine schönen Park- oder Grünanlagen, keine Fotomotive und versucht man eine große Moschee zu fotografieren, wird man von Sicherheitskräften grob und unhöflich verscheucht. Die Stadt klappt faktisch ihre Bürgersteige gegen 20 oder 21 Uhr hoch und schließt. Die Menschen sind nicht höflicher oder abweisender als in anderen arabischen Ländern, der Reichtum sehr einseitig verteilt, 200.000 Iraker fanden hier Zuflucht und zwischenzeitlich scheint ihnen die halbe Stadt zu gehören. Geld ist das einzige Maß aller Dinge.

Auffällig ist dagegen die sehr nachhaltige Bauweise der dortigen neuen Wohnhäuser oder Bürogebäude, die nach deutscher Ingenieurstechnik strebt. Amman eignet sich eigentlich nur als Ankunftsort, um von dort aus nach Petra oder an das Tote Meer zu reisen oder in umliegende Kleinstädte wie nach Madaba, eine schon im Alten Testament namentlich genannte Stadt und späterer Bischofssitz, in denen die eigentliche Geschichte des Landes, die christliche und jüdische durch Bauten und Wohnviertel zu besichtigen und zu bewundern sind.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

rss