
- Amnesia - The Dark Descent - Frictional Games
Es gibt viele Spiele, die bestrebt sind, den Spieler in fremdartige Welten zu entführen, mit dem Unbekannten zu konfrontieren und so ein Gefühl der Bedrohung und des Horrors zum unmittelbaren Spielinhalt zu machen. Doch wenn es dann wirklich einmal zur Begegnung mit jenem Unbekannten kommt, hilft bereits ein Klick auf die Maustaste, damit die Feuerwaffe sich entlädt und sich nicht nur das Monster, sondern auch jegliche Horrorstimmung in Rauch auflöst. Eine Ausnahme von dieser Regel bietet das Spiel Anmesia: The Dark Descent. Das von dem schwedischen Studio Frictional Games entwickelte Horrorspiel ist im September 2010 erschienen und wurde seither von der Fachpresse als einzigartig gefeiert.
Die Handlung von Amnesia
Der Spieler übernimmt in Amnesia die Rolle des jungen Daniel, der in einem verlassenen Schloss mitten im Preußen des 18. Jahrhunderts erwacht. Da er sein Gedächtnis verloren hat, stolpert man Anfangs ziellos durch die menschenleeren Gänge, bis man schließlich eine Notiz findet, die Daniel an sich selbst geschrieben hat. Dort erinnert er sich an den Auftrag, einen Mann namens Alexander zu ermorden, der sich irgendwo in dem alten Gemäuer aufhält. Was es mit dieser sonderbaren Botschaft auf sich hat, erfährt man erst im Laufe des Spiels in Form von kleinen Rückblenden oder Tagebucheinträgen. Die Handlung ist dabei nicht besonders kreativ und dient eher als Mittel zum Zweck, den Spieler in verschiedene Bereiche des Schlosses zu locken.
Ein einzigartiges Horrorspiel
Bereits von der ersten Spielminute an bekommt man die unvergleichliche Atmosphäre zu spüren, die Amnesia so besonders macht. Das Rauschen des Windes, Schritte in der Dunkelheit, Hundegebell und knarrende Türen schaffen beim Spieler ein Gefühl der Bedrohung, welches von nun an sein ständiger Begleiter sein wird. Man spürt die Angst, die der Hauptcharakter Daniel durchlebt, am eigenen Leib. Oftmals berichten Spieler von verkrampften Posen, in denen sie sich nach ein bis zwei Spielstunden befinden, von verschwitzten Händen oder hektischem Umschauen im Zimmer – Amnesia ist nichts für schwache Nerven.
Die Arten des Horrors in Amnesia
Die Tricks, die das Studio Frictional Games anwendet, um diese Reaktionen hervorzurufen, sind vielseitig. Der Spieler wird so weit es nur geht in die Handlungen einbezogen. So muss er beispielsweise Türen mit der Maus aufschieben, Schubladen öffnen oder die Gegenstände für die vielen Rätsel selbst zum Bestimmungsort tragen. All dies geschieht durch anklicken und bewegen der Maus. Auch viele atmosphärische Details der Burg sorgen für ein ungutes Gefühl: Bilder verändern ihre Motive, bereits geöffnete Türen sind später von selbst wieder verschlossen und oftmals sind Schritte oder Stimmen aus Räumen zu hören, welche sich bei genauerer Betrachtung als leer erweisen.
Dem Spieler wird dabei keine Ruhe vor der gefühlten Bedrohung gegönnt: Ständig beschleicht ihm das Gefühl, eine Tür weiter oder um die nächste Ecke einen großen Schreck zu erleben. Doch im Gegensatz zu den inflationären und vorhersehbaren Schockeffekten eines Dead Space verwendet Amnesia dieses Stilmittel so gut wie nie. Der Horror findet stets im Kopf des Spielers statt, eine Auflösung des Spannungsbogens gibt es nicht. Dies zeigt sich besonders bei den (seltenen) Begegnungen mit den tödlichen Kreaturen des Schlosses. Denn diesen steht Daniel völlig wehrlos gegenüber. Spätestens hier wird der größte Unterschied zu anderen Horrorgames deutlich: Während man die Ungeheuer in Spielen wie Resident Evil oder Dead Space einfach niederschießt, bleibt dem Spieler in Amnesia nur das Heil in der Flucht. Ist es soweit, kann man nur hoffen, schnellstmöglich einen Wandschrank oder eine Kiste zu finden. Dort muss man ausharren und warten, bis das Monster die Verfolgung aufgibt.
Fazit zu Amnesia
Frictional Games ist mit Amnesia ein ganz besonders Stück des Horrors gelungen. Das Spiel ist jedem zu empfehlen, der sich wieder einmal richtig fürchten möchte und das abseits wilder Ballerorgien. Also: Licht ausschalten - Köpfhörer aufsetzen - gruseln!
Daten zu Amnesia
- Titel: Amnesia The Dark Descent
- Erschienen: 08. 09. 2010
- Entwickler: Frictional Games
- Plattform: Windows XP/ Windows Vista/ Windows 7 / Linux / Mac OSX
- Preis: etwa 15-20 Euro
