Amokläufer sind oft einsame Menschen, die mit sich und dem Leben nicht klarkommen. Sie werden kaum oder gar nicht beachtet, vielleicht von ihren Mitmenschen gemobbt, ausgelacht oder gehänselt. Ihr größter Wunsch ist es, endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen, endlich einmal beachtet zu werden, es den anderen zu zeigen, dass man auch zu etwas fähig ist. Dass ihr Amoklauf das Leben Unschuldiger auslöscht, ist den Tätern völlig gleichgültig. Sie planen einen in ihren Augen grandiosen Abgang aus diesem verhassten Leben, von den verhassten Menschen. Unschuldige sollen dafür bestraft werden, was im Leben des Amokläufers schief gelaufen ist.
Ein Amoklauf spiegelt ein Problem unserer Gesellschaft wider
Viele Jugendliche haben in ihrem Leben keine Perspektive mehr, sie fühlen sich als Versager. Loser werden mit Verachtung bestraft, sie werden in unserer heutigen Leistungsgesellschaft nicht mehr geduldet, dadurch werden diese jungen Menschen immer mehr isoliert. Weder die Familie noch Freunde fangen sie auf, sie ziehen sich immer mehr in sich zurück. Oft ist die Flucht in eine Scheinwelt, die virtuelle Welt am Computer, der einzige Ausweg, um ihr Leben noch ertragen zu können. Dort scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, doch sie übersehen dabei, dass es sich um eine Scheinwelt handelt, die nichts mit der Realität zu tun hat.
Gewaltverherrlichende Computerspiele vermitteln den jungen Menschen stark zu sein
"Mit einer Waffe bin ich stark und unschlagbar", wird den jungen Menschen durch diese Spiele vermittelt, es wird suggeriert, dass man sich mit einer Waffe in der Hand Respekt verschaffen kann, den man sonst nicht bekommt. Verliert der Mensch den Bezug zur Wirklichkeit und hat sich genügend Aggression aufgebaut kann es zur Katastrophe kommen. Besteht dann noch die Möglichkeit, problemlos an Schusswaffen zu gelangen ist der Amoklauf vorprogrammiert. Aus dem Spiel wird bitterer Ernst. Was am Computer spielerisch begann, wird nun rücksichtslos in die Tat umgesetzt. Oft findet vor dem Amoklauf eine Ankündigung im Internet statt, vielleicht ein letzter Hilferuf, der jedoch fast immer ignoriert oder nicht ernst genommen wird.
Waffengesetze zu ändern bringt nicht viel
Nach jedem Amoklauf werden Diskussionen über die Verschärfung der Waffengesetze laut. Kein noch so strenges Waffengesetz, das eine lückenlose Kontrolle aller Waffenbesitzer vorsieht, kann jedoch verhindern, dass ein Vater seine scharfe großkalibrige Waffe und die dazugehörige Munition in einer Schublade aufbewahrt und sie so für alle Familienmitglieder zugänglich ist.
Kann unsere Gesellschaft Amokläufe verhindern?
Wir haben verlernt, auf unsere Mitmenschen zu achten. Jeder ist sich selbst der nächste. Gerade introvertierte Jugendliche haben es besonders schwer. Sie sind oft still, leben zurück gezogen und verhalten sich wenig auffällig. Doch gerade wenn diese Menschen psychisch labil oder depressiv sind und ihrer Umwelt ihre Ängste und Sorgen nicht mitteilen können, sind sie besonders gefährdet. Sie haben meist niemanden, mit dem sie sich aussprechen können. Viele junge Menschen haben kein Ziel mehr in ihrem Leben, sie haben jegliche Perspektive verloren und das Gefühl, dass ihr Dasein sinnlos ist. Ängste, Verhaltensänderungen und Aggressionen sind die Folge. Eltern sind oft überfordert oder gleichgültig, Lehrer haben meist keine Zeit, sich um die Aussenseiter zu kümmern. Freunde bemerken die Verhaltensänderungen und ziehen sich zurück. Sie sind mit der Situation überfordert, sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Spätestens jetzt bräuchte der Amokläufer professionelle Hilfe.
