Amsterdam - Entstehung und Geschichte

Grachtromantik - Stefanie Begerow
Grachtromantik - Stefanie Begerow
In Amsterdam gab es Multikulti schon im Mittelalter.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird Amsterdam 1275, allerdings wird durch Münzfunde in diesem Gebiet angenommen, dass bereits zu Zeiten der Römer Menschen hier ansässig waren. Die ersten nachweisbaren Besiedlungsspuren reichen jedoch nicht ganz so weit zurück. Die heutige Metropole mit etwa 780.000 Einwohnern entwickelte sich aus zwei kleinen Fischerdörfern, die im 12. Jahrhundert zu beiden Seiten des Flusses Amstel entstanden waren.

Erbaut auf 5 Millionen Tannenstämmen

Amsterdam liegt in der Provinz Noord-Holland, die Flüsse Amstel und Ij münden hier in das Ijsselmeer. Die sumpfige Region eignete sich äußerst schlecht zur Besiedlung, weshalb Tannenstämme in den feuchten Boden gerammt wurden um für einen festen Untergrund zu sorgen. Etwa fünf Millionen Tannenstämme befinden sich heute unter der Hauptstadt der Niederlande! Vor Sturmfluten schützten diese die beiden Siedlungen an den Ufern der Amstel, die den Gezeiten der Nordsee unterlag, allerdings nicht.

Die Amstel und der Damm - Namensgeber der Stadt

Zwischen 1265 und 1275 wurde zwischen den beiden Fischerdörfern ein Damm mit einer Schleuse in der Amstel errichtet. Der Damm verband die beiden Dörfer, die noch in heutiger Zeit als alte und neue Seite bezeichnet werden, und entwickelte sich schnell zu einem Platz mit zentraler Funktion. Dieser Platz ist noch immer der populärste Amsterdams: Seit fast 800 Jahren werden dort Waren gehandelt, Kundgebungen abgehalten und feierliche Anlässe zelebriert. Auf dem Dam, wie er heute genannt wird, wurde Mitte des 17. Jahrhunderts der damals größte nicht kirchliche Bau der Welt errichtet. Auf exakt 13659 Tannenstämmen ursprünglich als Rathaus erbaut, wird der "Paleis op de Dam" heute unter anderem von der königlichen Familie für repräsentative Zwecke genutzt.

Vom Fischerdorf zur Weltstadt

In den Anfängen lebte die Stadt in erster Linie von der Fischerei. Im Jahr 1300 wurde Amsterdam das Stadtrecht erteilt, 1345 ereignete sich das "Mirakel von Amsterdam", welches einen regelrechten Pilgerstrom auslöste - die Bevölkerungszahlen schossen rasant in die Höhe, aus allen Ecken Europas kamen Pilger nach Amsterdam. 1369 wurde die Stadt Mitglied der Hanse, der Handel wurde schnell zur Haupteinnahmequelle der Hafenstadt. Bis ins 16. Jahrhundert kamen Waren aus Indien über Portugal nach Amsterdam, später sendete Amsterdam eigene Schiffe dorthin und konnte so mit den erlesensten Gütern handeln. Gewürze, Seide und andere exotische Raritäten gelangten so von Amsterdam in viele Teile Westeuropas. Während der Blütezeit im 17. Jahrhundert war Amsterdam die reichste Stadt des damaligen Europas. Etwa 7000 Warenhäuser gab es damals, die meisten wurden nahe den über 150 Grachten errichtet, welches den Transport der Güter erleichterte. Menschen aus aller Welt ließen sich in der Stadt nieder, allerdings legten von Amsterdam aus auch viele Schiffe in Richtung Amerika, Afrika oder Indonesien ab. An Bord waren reiche Kaufleute, die das Land für die späteren Kolonien der Niederlande erwarben.

Während der Besetzung Louis Bonapartes im frühen 19. Jahrhundert schwand der einstige Reichtum, erst 1876 erholte sich die Stadt durch den Bau des Noordzeekanals, welcher Amsterdam mit der Nordsee und damit mit Großbritannien und den USA verband und für einen neuen Aufschwung sorgte.

Quellen:

  • Geert Mak, Isabelle de Keghel : Amsterdam. Biographie einer Stadt, München 2006
  • Louis Joos, Rene Oth, Jan Weggelahr, Martin Raether: Amsterdam: Vom Pfahldorf zum Welthandelsplatz, 1982