An den Wassern von Kerala

Im Hausboot durch die Backwaters - Girish Gopi, flickr.com
Im Hausboot durch die Backwaters - Girish Gopi, flickr.com
Der Bundesstaat im südwestlichen Indien ist ein wundervolles Reiseziel für Wasserratten: Seen, Lagunen und Meer, verbunden durch kokospalmbestandene Inseln.

Bis zur Unabhängigkeit Indiens herrschte hier der Radscha von Malabar. Hier ist das Land, wo der Pfeffer wächst; dickbauchige Koggen voller duftender Gewürze legten im Hafen von Kochin ab und machten ihre Reedereien reich. Heute ist das ehemalige Königreich Malabar nur noch eines von dreien, die zum indischen Bundesstaat Kerala an der Südwestküste Indiens zusammengefasst wurden - ein Land, das berühmt ist für seine Backwaters: ein verzweigtes Wasserstraßennetz aus Flüssen und Lagunen, Kanälen und Seen.

An der Küste von Malabar münden 38 Flüsse in den Golf von Arabien. Hinter der Küste liegen fünf große Seen, untereinander durch Kanäle verbunden und von den Flüssen gespeist. Vom Meer dringt Salzwasser in die Kanäle ein, immer wieder vom Süßwasser der Flüsse weggespült. Insgesamt 900 Kilometer an Wasserwegen werden eingerahmt von schmalen Inseln, an deren Ufern sich Dörfer unter Kokospalmen ducken, jedes Haus mit seinem eigenen Kanu am Anleger.

Im Binnenland: Eine Fahrt auf den Backwaters von Kerala

Eine Fahrt auf diesen Backwaters gehört bei einem Urlaub in Kerala dazu. Die achtstündige Fahrt zwischen Kollam - einem der ältesten Häfen an der Malabar-Küste, einst das Zentrum internationalen Gewürzhandels - und Allapuzha, dem "Venedig des Ostens", findet täglich statt. Ein Zwischenhalt bei Amritapuri, dem Ashram von Mata Amritanandamayi, bietet Gelegenheit, die Fahrt zu unterbrechen für einen Aufenthalt in einem indischen Ashram. Auf dieser Fahrt lernen Sie allerdings nur den relativ breiten Kanal kennen, der die Hauptwasserader entlang der Küste bildet. Beide Städte liegen an der Bus- und Bahnlinie zwischen Thiruvanathapuram (meist bei seinem alten Namen Trivandrum genannt) und Kochin.

Wer mehr Zeit hat, kann sich für Tage und Nächte ein Hausboot mieten samt dreiköpfiger Besatzung und allem Komfort einer Hotelsuite. Diese hölzernen Boote haben ein halbrundes Dach aus Bambusgeflecht, Toilette, Dusche, manchmal eine Klimaanlage, zumindest aber Ventilatoren, Korbstühle, Veranden und einen zumeist begnadeten Koch. Einst haben sie Reis oder Gewürze zum Hafen von Kochin gebracht. Gemächlich wird der Steuermann durch die Kanäle schippern, zwischen Wasserlilien und Lotosblüten hindurch und unter Palmwedeln, wird Sie hier und da auf einen Eisvogel, Kormoran oder Schlangenhalsvogel hinweisen. Hin und wieder wird er anlegen, damit der Koch seine Vorräte auffrischen kann oder damit Sie eine Gummiplantage, einen Gewürzgarten, eine Töpferei besichtigen können, frische Cashews probieren oder den halbvergorenen jungen Palmwein.

Es sind derzeit etwa 2000 dieser ehemaligen Reisbarken, die auf den Backwaters umherschippern, und neuerdings sind Bedenken geäußert worden wegen der ökologischen Belastung des empfindlichen Systems durch die Dieselmotoren. Alternativen sind die Fähren, die ohnehin regelmäßig zwischen den Dörfern verkehren. Auch kann man in Kollam oder Allapuzha ein Boot samt Bootsmann mieten und sich auf althergebrachte Art - wie auf der Abbildung - durch die flachen Lagunen staken lassen.

Der Strand von Kovalam

Südlich von Trivandrum liegt ein weiter Strand mit zwei halbmondförmigen Buchten, der einst eine Hippiehochburg war, inzwischen aber von Pauschaltouristen entdeckt wurde. Das betrifft vor allem den südlichen Teil hinter der "Lighthouse Beach", der inzwischen von Hotels und Pensionen wimmelt. Postkartentaugliche Strände mit weißem Sand unter Palmen sind beide Buchten aber nach wie vor. Wenn Sie kein Zimmer mehr bekommen, was vor allem in der Hauptreisezeit um Weihnachten vorkommen kann: Der Bus nach Trivandrum fährt alle 20 Minuten und kostet acht Rupien. Haltestelle ist an der nördlichen Spitze der nördlichen "Hawah Beach". Vergnüglicher ist natürlich die Fahrt in der Rikscha.

Hinter Felsennasen schließen sich weitere, touristisch nicht erschlossene Strände an. Da die Strömung gefährlich ist und diese Strände nicht überwacht werden, sollte man hier nicht aufs offene Meer hinausschwimmen. An den Hauptstränden wird alle paar Minuten jemand kommen und Ihnen etwas zum Kauf anbieten, meist Malereien auf Palmblättern; das ist lästig, zumal die Verkäufer keine Rücksicht darauf nehmen, ob Sie eben in Ihrem Liegestuhl eingedöst sind. Kommt jedoch eine Frau mit dem Angebot auf frischen Obstsalat, greifen Sie zu! Es gibt keine bessere Erfrischung.

Die Klippe von Varkala

Gute 50 Kilometer nördlich von Trivandrum liegt der kleine Strand von Varkala am Fuße einer Klippe. Am nördlichen Ende der Klippe kann man zu ihm hinunterklettern, am südlichen Ende ist er ebenerdig zu erreichen. Auch hier gibt es nördlich weitere, völlig unerschlossene Strände mit gefährlichen Strömungen - tatsächlich soll der Strand von Varkala einer der gefährlichsten in Kerala sein.

Das touristische Leben in Varkala spielt sich oben auf der Klippe ab. Entlang eines Weges reihen sich Cafés und Restaurants aneinander, Läden mit Kunsthandwerk aus Rajasthan, Kaschmir oder Tibet, palmwedelgeflochtene Hütten, die als Internetcafe und Wechselstube fungieren, und die obligatorische "German Bakery". Hier können Sie der Hitze angemessene Kleidung kaufen oder sich auf den Leib schneidern lassen, Mitbringsel für mehr Freunde erwerben, als Sie jemals hatten, interessante Menschen aus aller Welt kennenlernen, in geflochtenen Bambushütten wohnen oder im Funky Café ihren Tee in der Hängematte trinken.

Manche Lokale haben es sogar auf zwei Stockwerke gebracht, und aus dem oberen Stock hat man einen wundervollen Blick übers Meer. Schade nur, dass die Sonnenuntergänge selten wirklich spektakulär sind. Überall wird interessant aussehender Fisch als fangfrisch angeboten und unter der Hand Kingfisher-Bier ausgeschenkt. Morgens kann man zusehen, wie die Fischernetze ans Ufer gezogen werden - und das dauert Stunden -, abends kann man eine Kathakali-Aufführung ansehen, und zwischendurch kann man eine Ayurveda-Anwendung oder eine Massage buchen. Varkala ist so entspannend wie die Fahrt auf einem Hausboot inmitten der Backwaters, aber deutlich billiger.

Quelle und weitere Informationen:

Eva Finkenstädt, Foto: Thomas Gebauer, Marburg

Eva Finkenstädt - ... ist Jahrgang 1954 und stammt aus einem Dorf in Nordhessen, wo ihr Familienname auf einen Schreibfehler im Kirchenbuch ...

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