Gründe, Unterarmgehstützen zu benutzen gibt es viele: nach Verletzungen beim Sport, nach Operationen an den unteren Extremitäten, zur Schmerzvermeidung oder in der Sturzprophylaxe bei Senioren. Stützen sind immer dann sinnvoll, wenn der Träger durch sie entlastet wird oder überhaupt erstmal eine Gehfähigkeit erlangt. Wenn man das Hilfsmittel aber nicht richtig benutzt, kann dieser Vorteil schnell ins Gegenteil umschlagen.

Zunächst muss man die Stütze an den eigenen Körper anpassen. Wie das geht, kann man unter An Krücken gehen - Unterarmgehstützen richtig einstellen lesen. Dann muss man die verschiedenen Gangarten mit Stützen kennen und einüben, erst dann kann man sich schwungvoll wieder unter die Gehenden mischen.

Drei-Punkte-Gang mit Unterarmgehstützen

Je nach Belastungsgrad des betroffenen Beines benutzt man den Drei- oder Zwei-Punkte-Gang. Darf das Bein nicht belastet werden, ist immer der Drei-Punkte-Gang erforderlich, wobei man hier das betroffene Bein zusammen mit beiden Stützen nach vorne stellt und meist mit Sohlenkontakt aufstellen darf. Dann stützt man sich mit den Krücken ab und stellt das nichtbetroffene Bein daneben oder schwingt zu einem nächsten Schritt durch. Auch bei beginnender Teilbelastung ist dies noch die adäquate Gangart. Der Unterschied ist jetzt, dass über den Sohlenkontakt hinaus eine Belastung erlaubt ist, die der Arzt meist in Kilogramm festlegt und die auch eingehalten werden sollte. Die Eigenschwere eines Beines beträgt ungefähr 15 Kilogramm, erst bei Belastungsfreigaben darüber hinaus darf man also wirklich auftreten. Zu diesem Zeitpunkt könnte man aber schon im Bewegungsbad ohne Stützen das Gehen üben.

Zwei-Punkte-Gang mit Unterarmgehstützen

Für den Zwei-Punkte-Gang muss man mindestens die Hälfte des Körpergewichtes oder mehr belasten dürfen. Hier wird immer eine Stütze und das diagonale Bein gleichzeitig nach vorne gestellt. Dann die andere Stütze und das andere Bein. Also rechte Stütze nach vorn, gleichzeitig den linken Vorfuß auf die Höhe des Gummipuffers nach vorn stellen. Jetzt auf die recht Stütze und den linken Fuß stützen und gleichzeitig die linke Stütze und das rechte Bein noch vorne holen. Gibt es hierbei Schwierigkeiten mit links und rechts oder kann man sich nicht merken, welche Stütze mit welchem Bein bewegt werden muss, helfen farbige Punkte, die man auf Stütze und Schuhe klebt. So stellt man zum Beispiel immer grün gemeinsam nach vorn oder rot.

Gehen mit nur einer Stütze

Man kann auch mit nur einer Stütze gehen, was man aber sinnvollerweise erst ab einer Belastung, die der Hälfte des Körpergewichtes entspricht, anwenden sollte. Dabei machen viele den Fehler, die Stütze auf der falschen Seite zu benutzen. Der Einsatz der Stütze muss immer auf der nicht betroffenen Seite erfolgen. Ist der rechte Fuß betroffen, muss man also die linke Stütze in der einseitigen Stützung wählen und anders herum. Übrigens - Dr. House macht genau dies falsch.

Die einseitige Stützung verbietet sich aber, wenn man beim Stützen eine Ausweichbewegung im Rumpf zur Seite macht. In diesem Fall sollte man besser beide Stützen benutzen und den Zwei-Punkte-Gang wählen.

Treppen gehen mit Unterarmgehstützen

Auch Treppen kann man mit Unterarmgehstützen recht leicht bewältigen. Wenn man einen Handlauf an der Treppe hat, sollte man diesen benutzen, die andere Hand hält dann zusätzlich die übrige Stütze. Dazu legt man sie parallel zum Handgriff unter diesen und hält sie mit den Fingern fest.

Eine Grundregel für die Treppenbewältigung ist: gesund geht nach oben, krank geht nach unten. Will man die Treppe hinauf, geht also das gesunde Bein zuerst. Man setzt es auf die nächste Stufe, zieht dann das betroffene Bein und die Stütze auf die gleiche Stufe nach. Hinab geht das kranke Bein zuerst. Man setzt es gemeinsam mit der Stütze auf die nächstuntere Stufe, das gesunde Bein wird nachgeholt.

Hat man keinen Handlauf zur Verfügung, ändert sich der Ablauf des Gehens nicht, man benutzt dann auf beiden Seiten die Stützen, der Rest ist identisch.

Wer kann helfen, wenn man mit den Stützen nicht gehen kann?

Jeder Physiotherapeut kann vermitteln, wie man mit Unterarmgehstützen richtig geht. Sollten sich Fehler, Unsicherheiten oder gar Schmerzen einstellen, nachdem man eine Weile mit Stützen gegangen ist, sollte man sich nicht scheuen, eine Gangschule vom Physiotherapeuten in Anspruch zu nehmen. Besonders wenn Beschwerden auftreten, kann dies ein Grund für den behandelnden Arzt sein, eine Heilmittelverordnung für Physikalische Therapie auszustellen. Die Kosten hierfür werden von den Krankenkassen übernommen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt oder Physiotherapeuten - nicht ersetzen kann.

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