An Nikolaus oder Weihnachten: Vorschlag für ein Geschenk

Der satanische Ball im Buch fand real statt - room101 / pixelio.de
Der satanische Ball im Buch fand real statt - room101 / pixelio.de
Ein Buch zu schenken ist keine besonders originelle Idee. Es sei denn, es handelt sich um ein außergewöhnliches Buch eines außergewöhnlichen Autors.

Es passt als Geschenk sowohl zu Nikolaus als auch unter dem Tannenbaum: „Der Meister und Margarita“, das magische Werk von Michail Bulgakow (1891 - 1940). Als Hörbuch oder konventionell und günstig als Taschenbuch ist es leicht im Internet zu bestellen. Zwei zeitlich weit entfernte Stränge flechten sich hier zu einem bunten atemberaubenden Bild zusammen: Moskau in der Zeit des frühen Stalinismus und die Begegnung von Christus und Pontius Pilatus.

„Der Meister und Margarita“ erzählt auch vor allem eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Das Buch beginnt mit dem Besuch des eleganten Teufels Woland in der Hauptstadt Russlands. Der Bote der Hölle sorgt für Chaos und für gute Taten. Der viel versprechende Anfang täuscht nicht: Das Tempo wird bis zum Ende gehalten.

„Der Meister und Margarita“ enthält eine Fülle von zeitgenössischen Ereignissen und Personen. Einen exotischen Ball beim amerikanischen Botschafter im April 1935 wandelte der Autor beispielsweise in einen satanischen Ball um. Und den beim Botschafter anwesenden auf Ausländer angesetzten Informanten Baron Steiger porträtierte er gleich als Baron Majgel.

Im Zeichen des Magischen Realismus

Das Buch steht im Zeichen des Magischen Realismus, dessen Weg später Gabriel Garcia Márquez, Milan Kundera und Salman Rushdie eingeschlagen haben. Es entstand in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhundert im sowjetischen Russland – von Stalin mit harter Hand geführt – und durfte damals nicht erscheinen. Zu seinen Lebzeiten konnte Bulgakow so gut wie gar nicht publizieren: Seine Theaterstücke wurden meist verboten und seine Prosawerke nicht verlegt. Er gab trotzdem nicht auf und schrieb weiter.

„Mich reitet der Teufel – berichtete Bulgakow am 2. August 1933 in einem Brief an einen seiner Freunde – Schon in Leningrad (heute Petersburg, Anm. GG) und jetzt hier, in meiner stickigen, elenden Behausung, stelle ich Seite um Seite meinen damals vor drei Jahren vernichteten Roman wieder her. Wozu? Das weiß ich nicht“.

Sensation nach über einem Vierteljahrhundert

Erst ein Vierteljahrhundert nach dem frühen Tod des Autors veröffentlichte die Zeitschrift „Moskwa“ 1966 und 1967 eine von der Zensur gekürzte Version. Auf die vollständige Veröffentlichung – in einem Band zusammen mit zwei anderen Romanen „Weiße Garde“ und „Theaterroman“ - musste man noch bis 1973 warten: Es war eine Sensation und der Autor erreichte Kult-Status. Das Leben von Michail Bulgakow wie auch manche seine Werke blieben jedoch vorerst weiter ein Geheimnis. Im Jahre 1989 durften endlich einige wenige Wissenschaftler (darunter auch aus dem Westen) die Archive in Russland benutzen und forschen.

Kann man Manuskripte verbrennen?

Ein Jahr später – 1990 – erschienen die für vernichtet gehaltenen Tagebücher von Michail Bulgakow: 1926 beschlagnahmte die GPU (ein Vorläufer der KGB) die Tagebücher und Manuskripte des Schriftstellers während der Durchsuchung seiner Wohnung. Der Autor konnte nach drei Jahren die Rückgabe mit offiziellen Beschwerden bewirken, da nicht er sondern sein Bekannter im Mittelpunkt des Interesses von der Geheimpolizei stand. Bulgakow verbrannte sein Tagebuch dann sofort und entschloss sich, nie wieder eines zu führen. Erst die Glasnost veranlasste den KGB zuzugeben, dass sich eine Kopie des letzten Teils der Tagebücher in ihrem Besitz befindet. Das schien der Autor in seinem Roman „Der Meister und Margarita“ vorzuahnen. „Manuskripte brennen nicht“, heißt es dort.

Zitate und Quelle: Manuskripte brennen nicht. Michail Bulgakow. Eine Biographie in Briefen und Tagebüchern. Herausgegeben von Julie Curtis. S. Fischer Verlag 1991. Frankfurt am Main. 372 Seiten.

Bildnachweis: room101 / pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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