Ana Veloso: Das Lied des Kolibris

Das Lied des Kolibris - Droemer Knaur
Das Lied des Kolibris - Droemer Knaur
Mitreissend und ergreifend beleuchtet Ana Veloso das Leben der Sklaven im brasilianischen Bahia des Jahres 1763. Eine Rezension.

In ihrem fünften Roman entführt die gebürtige Deutsche Schriftstellerin Ana Veloso ins Brasilien zur Zeit der Kolonialherren. Wie bereits in ihrem erfolgreichen Debüt „Der Duft der Kaffeeblüten“ scheute sie auch in ihrem neuen Werk nicht vor intensiver Recherche zurück. Und diese hat sich sicherlich gelohnt. „Das Lied des Kolibris“ kann nicht nur durch Leidenschaft und einem harten Schicksal glänzen, sondern ebenso durch Authentizität.

Handlung von „Das Lied des Kolibris“

Seit jeher arbeitet die junge Lua auf der Zuckerrohrplantage São Fedélio. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schwarzen dort, hat sie es einigermassen gut getroffen, denn sie muss nicht auf den Feldern arbeitet sondern als persönliche Haussklavin der Tochter des Hauses. Diese ist es dann auch, die den Sklaven Zé als Geschenk zur Verlobung bekommt. In Zé allerdings brodelt der unbändige Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Obwohl Lua diesem Wunsch skeptisch gegenüber steht, wird sie von dem Sklaven augenblicklich in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig wird Lua von der alten Imaculada gebeten ihr verbotenes schreiberisches Können einzusetzen und deren Geschichte, die mit ihrer Verschleppung aus Afrika beginnt, aufzuzeichnen.

Die Schicksale zweier Sklavinnen

„Das Lied des Kolibris“ erzählt genau genommen zwei Geschichten nebeneinander. Einerseits diejenige der jungen Haussklavin Lua und des rebellischen Zé, andererseits aber auch jene der alten, ehemaligen Feldsklavin Imaculada. Zu Beginn des Buches ist es vor allem die Erzählungen letzterer, die den Leser in ihren Bann schlägt. Die an den Sklaven verübten Grausamkeiten werden von der Autorin realistisch und überaus berührend wiedergegeben.

Um genauso mit Lua mitzufiebern zu könne, braucht es hingegen ein paar Seiten. In den Anfangskapiteln erscheint sie eher naiv und charakterlich ein wenig blass. Spätestens mit Zés Flucht und den ihr bevorstehenden Ereignissen wird aber auch ihre Geschichte vollends mitreissend und spannend.

Ergreifend und überraschend

Zur Spannung tragen sicherlich auch die zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen der Geschichte bei. So präsentiert sich etwa die vermeintliche Freiheit nicht einfach wundervoll, sondern mit gefährlichen Tücken. Auch die Beziehung zwischen Lua und Zé ist keineswegs die typisch kitschige Liebesgeschichte, die so oft erzählt wird, sondern vielmehr Liebe, Leidenschaft, Ängste und Auseinandersetzungen zweier real erscheinender Figuren. Dies lässt die Protagonisten authentisch erscheinen und zugleich dem Leser ans Herz wachsen.

Fazit zu „Das Lied des Kolibris“

Mit „Das Lied des Kolibris“ ist Ana Veloso ein bewegender historischer Roman gelungen. Insbesondere wer sich für die Geschichte und das Leben der Sklaven während des 18. Jahrhundert interessiert, sollte sich die Lektüre dieses Buches nicht entgehen lassen. In einfachen Worten entführt die Autorin in die Zeit der Sklavenarbeit und der riesigen Fazentas der Weissen und hält dabei einige überraschende Wendungen in ihrer Geschichte bereit. Alles in allem, ein mitreissender, spannender und ergreifender Roman.

Das Buch:

Ana Veloso, Das Lied des Kolibris, Knaur 2011, Hardcover, 528 Seiten, ISBN: 978-3-426-66334-9, Preis: 19.99 Euro (D)

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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