
- Der FCF Juvisy beim Aufwärmtraining - B.Grimmler
Die Rückennummer 10 verbindet sich im Fußball mit großen Namen von Maradona bis Matthäus, sie gilt als Ausweis für den Mittelfeldstrategen - beziehungsweise die Mittelfeldstrategin. Beim französischen Erstligisten der Damenliga Division 1 (dem Pendant zur deutschen Bundesliga) FCF Juvisy Essonne trägt diese Nummer Anaig Butel, gerade einmal 19, eine Defensivspielerin, die zumeist in der Viererabwehrkette spielt, allerdings auch im defensiven Mittelfeld überzeugt. Versteht man das Tragen des Trikots mit der Nummer 10 als eine Verpflichtung, dann besteht kein Zweifel, dass Anaig Butel dieser Aufgabe auch schon als junge Spielerin gewachsen ist. Nicht umsonst hat sie sich im gut bestückten Kader Juvisys und auch in den Jugendabteilungen der französischen Nationalmannschaft durchgesetzt.
Ein Stammplatz im Verein
In der laufenden Saison spielte Anaig Butel durchgehend alle Spiele 90 Minuten – schon dies ein Zeichen dafür, für wie wichtig Trainerin Sandrine Mathivet die junge Fußballerin für das Team erachtet. An der Seite ihrer älteren Schwester Gwenaelle ist sie für den Meisterschaftsanwärter Juvisy durch ihre konstante Leistung geradezu unverzichtbar geworden – und dies bereits mit 19 Jahren. Ihren Stammplatz (sie gehört dem Verein seit 2007 an) sicherte sie sich bereits in der Vorsaison, die ihre Mannschaft als Tabellenzweiter abschloß.
Internationale Erfolge mit der französischen U19-Nationalmannschaft
Kein Wunder also, dass Anaig Butel auch früh in die Jugendmannschaften des französischen Fußballverbandes FFF berufen wurde, wo sie auf 19 Einsätze für die U19 und bisher 3 Einsätze für die U20 kommt, ein Tor im Trikot der équipe tricolore blieb der Verteidigerin allerdings noch verwehrt. Nicht jedoch der Titel einer Weltmeisterin: im Jahr 2010 besiegten die Französinnen im Halbfinale die deutschen Damen der U19, um dann im Finale den Titelverteidiger aus England vom Thron zu stoßen. Anaig Butel kam dabei in der zweiten Hälfte zum Einsatz und konnte sich somit aktiv am Gewinn der Goldmedaille beteiligen – gerade die Defensive war Teil des Erfolgs. Bleibt zu hoffen, dass Anaig Butel einigen ihrer Kolleginnen wie Léa Rubio oder Camille Catala aus der U19 folgen wird und den Sprung in die erste Mannschaft unter Bruno Bini schafft – das Potential dazu ist fraglos vorhanden.
Der FCF Juvisy Essonne
Juvisy-sur-Orge, eine Stadt im Departement Essonne – daher auch der Namenszusatz des Vereins – südlich von Paris, gründete bereits 1971 einen Verein auch für Spielerinnen, ab 1985 konzentrierte man sich vollends nur noch auf die Damenmannschaft, die seitdem auf zahlreiche Erfolge aufweisen kann. Durchgehend seit den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts fand sich der FCF Juvisy stets unter den ersten dreien, mehrfach – bislang sechsmal – gelang es, die Meisterschaft in der Division 1 zu erreichen, zuletzt allerdings 2006.
Die stärkste Konkurrenz des Vereins, der als Amateurclub geführt wird, erwuchs in den 2000er Jahren mit Olympique Lyon, Dauermeister seit 2007 und Gewinner der Champions League 2011. Dementsprechend kämpft Juvisy in den letzten Jahren vorwiegend mit den Vereinen von Montpellier und Paris-Saint-Germain um den begehrten zweiten Platz, der ebenfalls für die Teilnahme an der Champions League berechtigt.
Eine starke Hinrunde 2011/2012
Doch in der Saison 2011/2012 könnte für Anaig Butel und ihre Vereinskolleginnen sogar mehr herausspringen als nur die Vizemeisterschaft: zum Ende der Hinrunde hatte man den ersten Tabellenplatz trotz starker Konkurrenz überzeugend verteidigt, acht Siegen stehen nur eine Niederlage und ein (sehr wichtiges) Unentschieden gegen Lyon gegenüber – trotzdem bleibt der Vorsprung knapp. Es wird also insbesondere eine starke Defensive nötig sein, um das Erreichte auch zu bewahren und die Saison für Anaig Butel und ihren Verein erfolgreich abschließen zu können. Dann wird man sie auch wieder im Trikot des FCF Juvisy an der Seite Sandrine Soubeyrands und Gaetane Thineys international sehen können.
