
- Alligator Digital Magazines - Alligator Digital Magazines
Wann haben Sie sich das letzte Mal am Kiosk eine Zeitschrift gekauft?
Vor zwei bis drei Monaten.
Und online ...?
Vor einem Monat.
Geht das Geschäftsmodell der Verlage auf?
Hier muss man klar zwischen Print und Online trennen. Ich denke schon, dass im Print das Geschäftsmodell funktioniert. Die Wertschöpfungskette hat zwei Standbeine: Den Copypreis und den TKP. Der TKP ist abhängig von der Reichweite, also der Zahl der Leute, die die Publikation in in ihren Händen gehalten haben. Den Copypreis bestimmt der Markt.
Online stehen die Verlage nur auf einem Bein. Sie verdienen ihr Geld fast ausschließlich mit dem Verkauf von Bannerflächen. Der TKP hängt im Online- wie im Print-Medium von der Reichweite der jeweiligen Publikation ab. Großer Nachteil: Die meisten Online-Publikationen sind kostenlos. Erschwerend kommt hinzu, dass die Werbepreise im Internet fallen. Würde eine Qualitätszeitung heute auf Paid-Content umstellen, könnte sie vermutlich immer noch mehr verdienen als zuvor über die Bannerwerbung.
Gibt es eine Lösung?
Die Lösung bieten das iPad von Apple und der App-Store. Verlage haben die Möglichkeit, Contents in Applikationen zu packen – mit dem ganz wesentlichen Unterschied, dass der Leser vorher zahlen muss, bevor er den Content lesen kann. Gegebenenfalls gibt es eine Preview als Appetithäppchen, mehr aber nicht. Das finden nicht nur Verlage toll, weil es wieder ihrem alten Geschäftsmodell entspricht. Auch Autoren, die mit ihren qualitativ hochwertigen Artikeln Geld verdienen wollen, wird dieses Modell begeistern.
Welche Rolle wird dabei Alligator Digital Magazines (ADM) spielen?
Alligator Digital Magazines ist eine Applikation, mit der man Publikationen veröffentlichen kann, die ausschließlich im App-Store zur Verfügung stehen. Somit kann der Publisher Kostenmodelle in seine Wertschöpfungsmodelle integrieren. Das bedeutet für den Leser, dass er sich eine Applikation auf sein iPad lädt, in dieser dann eine Preview der Publikation und kann sich dann entscheiden, diese zu kaufen. Somit wird also der klassische Verlagsweg zur Refinanzierung des Contents wiederhergestellt. Jeder, der ein iPad oder andere mobile Tablets hat, hat ja auch einen Account, und ist somit potenzieller Kunde für Applikationen.
Die Idee, Magazine als App auf das iPad zu bringen ist nicht neu. Was ist das Besondere an ADM?
Derzeit gelangen Magazine noch über einfache PDF-Dateien auf das iPad. Der Leser erwartet heute weitaus mehr. Die Vergangenheit zeigt, dass nur Standards eine Chance haben, sich im Markt durchzusetzen und einen wirklichen Mehrwert bieten. Daher setzen wir konsequent auf HTML als Inhalt für Digitale Releases. Es ist bei der Contentaufbereitung weitaus flexibler.
Worin besteht das Business-Modell von ADM?
Unsere Kunden, die Premium-Content entwickeln, können diesen über ein geschlossenes System – als Applikation im iTunes-Store – vertreiben. Die Kosten für unsere Kunden sind sehr überschaubar und bieten dabei ein geringes Risiko, denn wir bieten ein charmantes Pricingmodell auf Revenue-Share-Basis an.
An welche Zielgruppen richtet sich ADM?
Unsere Kernzielgruppe sind Online-Blogs. Sie sind die digitalen Magazine der Zukunft. Die Qualität der Blogs wächst kontinuierlich. Das liegt zum einen daran, das Blogs wahre Expertenmacher sind. Das fachliche Know How und die Thementiefe ist beachtlich. Zum anderen orientieren sich die Autoren stärker an den journalistischen Qualitätsmerkmalen, etwa einer gründlichen Recherche, der Quellenverifizierung sowie den Nachrichtenfaktoren. Selbst Redakteure von Onlinemedien und Print-Publikationen beziehen Blogs verstärkt in ihre Recherche ein. Die Schwäche der Redaktionen – etwa die hohe Arbeitsbelastung der Redakteure – wird zu einer Stärke der Blogs. Hier entsteht ein neuer High-Quality-Kanal für Exklusivinterviews und investigativen Journalismus. Blogs werden zu wahren Online-Magazinen, spätestens dann, wenn sie den oben beschriebenen Premium-Content anbieten.
Doch das muss finanzierbar sein ...
Richtig, diese Leistung können Blogautoren auf Dauer nur erbringen, wenn ihr Aufwand refinanzierbar ist. Allerdings sind ihre Produktionskosten weitaus geringer, als bei Print-Publikationen.
Wie defineren Sie den Begriff "Publikation"?
"Publikation" ist ein Begriff aus der Steinzeit des Internet, also aus der Zeit vor dem Start des World Wide Webs Anfang der 90er Jahre. Der Produktions- und Kostenaufwand einer Print-Publikation ist enorm. Folglich haben Printpublikationen verlagsintern immer Vorrang vor ihren Online-Ablegern. Über sie wird das Geld verdient, das die Onlineangebote (mit-)finanziert. Schauen Sie sich einmal das "Wired"-Magazin an: Hier steht die digitale Version in der iPad-App erstens später zur Verfügung als die Print-Ausgabe. Die App wird zweitens nicht aktualisiert. Nach zwei Tagen sind die frei zugänglichen Inhalte im Blog aktueller als der App-Content, für die ich bezahlt habe. Unsere Vision besteht darin, die Aktualität von digitalen Releases zu steigern. Durch Blogs wird das Tempo von Veröffentlichungen beschleunigt. Das kann kein Printmagazin leisten! Wir definieren den Begriff Publikation neu und verwenden dafür den Begriff "Digital Release".
Ein Blog als wird also zum Digital Release?
Richtig! Mit unserem Framework bieten wir Blogs die Möglichkeit, neue Businessmodelle zu entwickeln. Weg von reiner Werbefinanzierung hin zu einem guten Mix aus kostenpflichtigem Premium-Content und Werbung. Daher konzentrieren wir uns auf diese Zielgruppe und fördern durch unser Modell die Verbreitung qualitativ hochwertiger Blog-Releases – und das nahezu in Echtzeit. Alle zeitaufwändigen und kostenintensiven Prozesse aus der Print-Produktion werden durch unser Framework obsolet. Der Autor kann sich vollkommen auf seine Recherche und das Schreiben konzentrieren.
Und der User? Käufer? Leser? Was hat er davon?
Er wird viele Mehrwerte haben. Denken wir an die multimediale Contentaufbereitung, Entertainment-Magazine als Video oder Wissenschafsmagazine als interaktive Charts. Digitale Publikationen stehen fortan auch offline und mobil zur Verfügung. Durch die neuen Refinazierungsmöglichkeiten gewinnt der Blog an Qualität, Charme und Attraktivität, das wird den Leser freuen – der dann auch gern Geld für ein Magazin ausgeben wird. Ich kann morgen in den App-Store gehen und eine App meines Lieblingsblogs kaufen.
Weiß: Was werden die nächsten Schritte von ADM sein?
Nitze: Wir entwickeln als nächstes gute Tracking-Tools, weitere Applikationen für Adriod und Windowsmobile. Wir konzentrieren uns auf die CMS Connectoren, so dass Blogbetreiber über Nacht aufs iPad kommen, um endlich für ihre gute Arbeit auch angemessene Einnahmen zu generieren – der Markt wird es schon beweisen! Eine weitere Zielgruppe sind Magazine im herkömmlichen Sinne. Für sie stellt ADM eine sehr gute Ergänzung der Vertriebskanäle dar und geht mit ihnen einen weiteren Schritt in die digitale Welt. Unsere App kann auch PDFs lesen. Für diese Magazine stehen aber auch HTML-Vorlagen zur Verfügung und Schnittstellen zu Content-Management-Systemen.
