
- André Rieu gastiert zwei Tage in Berlin. - Frederik Weitz
Seit 30 Jahren geigt sich der Holländer mit dem französischen Namen schon durch die Bühnenprogramme. 61 Jahre ist er alt. Unter seiner Hand starben Walzer und Märsche, die Carmina Burana und manches Popstück.
Die o2 World ist ausgebucht
Am Sonnabend, dem 15. Januar, und am Tag danach wird Rieu mit seinem 50-köpfigen Johann-Strauss-Orchester ab 19:30 Uhr in der o2 World auftreten. Fans von Justin Bieber werden sich wohl nicht dorthin verirren. Was also kann man erwarten?
Mindestens ist Schunkeln angesagt. Und ein Dauerlächeln. Beides verdankt Rieu seinem Freund und Förderer Karl Moik aus dem Musikantenstadl. Und ähnlich musikalisch ernst geht es dann auch bei Rieu zu. Klassische Musik wird hier popularisiert und vereinfacht. Wahrscheinlich gibt es Tanzeinlagen des Ballettes der Wiener Staatsoper, wie häufiger bei Rieu. Die Bühnentechnik dürfte wieder, und das Neujahrskonzert in Köln hat dies bewiesen, mehr der Volksbelustigung und der kommenden Faschingszeit geschuldet sein, als der feinsinnigen Komposition.
Das Unternehmen André Rieu
Mit über 50 Musikern, weiteren 120 fest angestellten Mitarbeitern und einigen Subunternehmern ist Rieu eine richtige kleine Firma. Vor zwei Jahren, Anfang 2009, geriet Rieu Productions negativ ins Schlaglicht. Es wurde bekannt, dass die Holding Gesellschaft trotz Verkaufsrekorden mit 36 Millionen Euro verschuldet sei. Doch das scheint nur die übliche Problematik im Kulturbetrieb zu sein.
Der zunehmende Erfolg des Unternehmens auch in Amerika und Australien, über 22 Tonträger seit 1995 und ausverkaufte Hallen sprechen für den Holländer.
Ein Virus legt den Schmonzettenkönig lahm
Im Herbst sah es allerdings nicht so bonbonfarben für den Geiger aus. Er hatte sich einen Virusinfekt eingefangen. Die Tourneen nach Neuseeland, Australien und England sowie einige weitere Konzerte mussten abgesagt werden. Es hieß sogar, der Gleichgewichtssinn von Rieu sei stark betroffen. Schwanken, statt schunkeln, das ging natürlich nicht. Entsprechend war die weltweite Sorge der Fans. Doch schon Ende November konnte die Gemeinschaft aufatmen. Rieu hatte seine Stradivari wieder fest im Griff. Die Lichtorgeln konnten weiter spielen.
Bombast und Kitsch im Walzertakt
Was also wird den Besucher erwarten? Funkenfontänen, Lichtorgeln, von der Decke herab regnende Luftballons, und natürlich viel Show. Diese wird nicht anders ablaufen als alle anderen Shows und das mag beruhigend sein. Oder vielleicht auch nicht, wenn man Rieus Aussagen zu seiner Bühnendramaturgie hört: "Erst ein paar schnelle Polkas, dann etwas Witziges, dann was für's Herz, die Leute müssen durch diese Wellen immer höher, bis zur Raserei getragen werden."
So rasten auch einst die Megären während der dem Dionysios geweihten Bacchanalen. Wem's gefällt!
Rieu auf Deutschland-Tournee: Tickets sind knapp
Karten für den Samstag und Sonntag gibt es keine mehr. Wer Rieu doch noch genießen will, kann am Donnerstag, dem 20. Januar in die o2 World in Hamburg gehen oder am 21. Januar in die Bördelandhalle in Magdeburg. Weitere Termine in Deutschland finden Sie hier: André Rieu & Orchester - Tickets
