
- Andreas Altmann: Triffst du Buddha, töte ihn! - DuMont Verlag, Köln
"Trifftst du Buddha, töte ihn!" Die Bedeutung des Titels ist weniger provokativ, als sie zunächst klingen mag. Altmann klärt sie auf – am Ende seines Buches.
Altmanns Reise durch Indien
Andreas Altmann beginnt seine Reise in Varanasi. Er lässt sich treiben. Er sucht ein Retreat, einen Ort, an dem er sich zurückziehen und meditieren, zur Ruhe kommen kann. Er weiß noch nicht wo, aber er ist sicher, der Zufall wird ihm zur Hilfe kommen. Er vertraut seiner Intuition.
Bis dahin macht Altmann sich auf Spurensuche des Gautama Buddha und besucht die vier Stationen, die jedem Buddhisten nahe sind: Sarnath, wo Buddha zum ersten Mal zu seinen Schülern gesprochen haben soll; Lumbini in Nepal, wo Buddha geboren wurde; Kushinagar, Buddhas Sterbeort; und schließlich Bodhgaya, wo der Bodhi Tree, der Baum der Erleuchtung, steht.
Knapp die erste Hälfte des Buches beschreibt die Reise durch Indien. Eine äußerst kurzweilige Lektüre, die auf lebendige Art indisches Leben einfängt, sowie amüsante und skurrile Begegnungen - Erstaunliches, Kritisches, Nachdenklichmachendes, Augenöffnendes, immer mit einer guten Prise Humor erzählt.
Andreas Altmann in S.N. Goenkas Vipassana-Zentrum
Auf seiner Reise zu den Stationen Buddhas hat Altmann einen entscheidenden Tipp erhalten, der ihn zum Meditationszentrum des Inders Satya Narayan Goenka führt, wo Vipassana praktiziert wird. Vipassana ist eine Meditationstechnik, die oft auch als Einsichtsmeditation bezeichnet wird, Einsicht in die drei Daseinsmerkmale Unbeständigkeit, Unzulänglichkeit und Unpersönlichkeit.
Im Meditationszentrum erwarten Altmann harte Regeln: Jeder möglichen Ablenkung wird vorgegriffen, indem iPod, Bücher, Laptop, selbst Schreibzeug abzugeben sind. Zehn Tage lang soll man sich nur mit sich selbst auseinandersetzen. Altmann hält sich an die Regeln – fast. Er schmuggelt Stift, Papier und etwas Lektüre mit in seine mönchisch karge Unterkunft. Hier gibt es keinen Strom, nur kaltes Wasser – und Schweigen.
Es ist kein Urlaub. Es ist nicht Wellness, was hier praktiziert wird: Zehn Stunden Meditation stehen auf dem Tagesplan. Beginnend frühmorgens um vier. Neben Sitzmeditation, auch Gehmeditation und Metta-Meditation, unterbrochen nur von einfachen Mahlzeiten und Unterrichtungen von S.N.Goenka vom Band.
Altmann und der Buddhismus
Altmann ist kein Anfänger in Sachen Buddhismus. Bereits in jungen Jahren hat er Zeit in einem Zen-Kloster verbracht, hat sich dreißig Jahre lang immer wieder mit Buddhismus beschäftigt.
Zehn Tage verbringt Altmann in dem Retreat und beschreibt seine Erfahrungen in einer Art Tagebuch. Dabei geht es nicht um die Nabelschau des Autors. Es geht vielmehr um den ganz individuellen Kampf, dem der Mensch immer wieder erliegt, wenn er versucht, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Die Gefühle, die sich aufdrängen, Erinnerungen und Fantasien, und wie es schließlich allmählich doch gelingt, den unwilligen Geist zu zähmen, trotz Schmerz, Langeweile und Zweifel weiter zu sitzen und zu meditieren und Klarheit zu erlangen.
Fazit zu Altmanns Triffst du Buddha, töte ihn!
Altmanns Buch ist mehr als ein Reisebericht: Es ist nicht nur der Bericht einer Reise durch Indien, sondern auch einer Reise nach innen.
Altmann ist kein Esoteriker, er ist kein den Freuden des Lebens entsagender Asket auf der Suche nach Erleuchtung – und er will schon gar keiner monotheistischen Religion angehören, wie er nicht müde wird zu versichern. Er will auch nicht sein "Ich" abschaffen, um anschließend in Bedürfnislosigkeit zu versinken. Er ist nur ein Mensch auf der Suche nach innerer Ruhe und Lebensfreude, will versuchen "die Luft im aufgeblasenen Ego etwas abzulassen". Ein bisschen mehr Demut im positiven Sinn, ganz frei von jeglichem monotheistischen Anspruch, hätte dem Autor an manchen Stellen nicht geschadet. Doch die elegante Sprache, der gute Humor, die gelegentliche Selbstironie lässt manchen Ausrutscher in die Egozentrik verzeihen.
Ein wirklich lesenswertes Buch, das den Buddhismus ein Stück realitätsnaher und alltagstauglicher erscheinen lässt.
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