
- Andreas Hofer, Gemälde Mitte 19.Jh. - n.bek., Kaiserjägermuseum Innsbruck
Nach der Niederlage Österreichs im dritten Koalitionskrieg gegen Frankreich (1805) fiel Tirol im Frieden von Pressburg an Napoleons Verbündeten Bayern. Die bayrische Besatzungsmacht verfolgte eine aufklärerische Reformpolitik, die sich am Josephinismus und an den Ideen des bayrischen Ministers Montgelas orientierte. Insbesondere das Verbot alter religiöser Devotionsformen traf auf den Widerstand der traditionell streng katholischen Bevölkerung Tirols. Diese wurde vom Klerus gegen die Einführung der „gottlosen Ideen der französischen Revolution“ aufgebracht. Aus Anlass der Zwangsaushebung von Rekruten kam es im April 1809 in Innsbruck zum offenen Aufstand gegen die bayrisch- französische Fremdherrschaft.
Der Tiroler Aufstand
Finanziert aus Wien und angeführt von dem Wirt und Viehhändler Andreas Hofer (1767- 1810) und dem Kapuzinerpater Joachim Haspinger (1776- 1858) war der Aufstand der spontan gebildeten Tiroler Landwehr zunächst erfolgreich. In den Schlachten von Sterzing und Bergisel wurden die Bayern besiegt. In der Folgezeit konnten bayrische und französische Truppen allerdings Teile Tirols zurückerobern und auch die Hauptstadt Innsbruck wieder unter ihre Kontrolle bringen. Die Niederlage im fünften Koalitionskrieg zwang Österreich zum Frieden von Schönbrunn (Oktober 1809) und zum Bündnis mit Napoleon. Dies war gleichbedeutend mit der Preisgabe der Tiroler Aufständischen, die nun auf sich allein gestellt waren. Nach der militärischen Niederlage der Tiroler im November musste Andreas Hofer untertauchen. Er wurde im Januar 1810 gefasst, nach Mantua gebracht und dort auf Anweisung Napoleons hingerichtet. Die Legende besagt, dass Hofer, nachdem ihn die erste Salve nur verwundete, das Exekutionskommando verspottet haben soll: „Ach, wie schießt ihr schlecht!“
Vom Ereignis zum Mythos
Über Tirol hinaus wurde Andreas Hofer durch den österreichischen Patriotismus, aber auch von der frühen deutschen Nationalbewegung zum Volkshelden stilisiert. Den von ihm angeführten Aufstand deutete man als erstes Fanal des Freiheitskampfes gegen Napoleon. In der heutigen Forschung wird die antimoderne und religiös- fundamentalistische Ausrichtung des Aufstandes, für die vor allem Haspinger stand, stärker gewichtet. Auch die gleich nach dem Ende der Napoleonischen Kriege einsetzende deutsche und österreichische Hofer- Begeisterung kam ohne ein gehöriges Maß an Geschichtsklitterung nicht aus. Schließlich kämpfte Hofer gegen Deutsche (d.h. die bayrische Besatzungsmacht) und wurde von den Österreichern im Stich gelassen. Gleichsam typisch für die landespatriotische, österreichische und die deutschnationale Verklärung ist die Tiroler Landeshymne von 1831 („Zu Mantua in Banden“). Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Untergang der Habsburger Monarchie erfolgte in Tirol eine neue Kontextualisierung des Hofer- Mythos, die bis heute vorhält. Nun wurden Hofer und der Tiroler Aufstand von 1809 zu Symbolen der Landeseinheit angesichts der Abtretung Südtirols an Italien. In beiden Landesteilen bemühen sich vor allem die Tiroler Schützen um die Verbreitung und Pflege dieses Geschichtsbildes.
Literatur
Forcher, Michael, Anno Neun. Der Freiheitskampf von 1809 unter Andreas Hofer. Ereignisse, Hintergründe, Nachwirkungen, Innsbruck 2008.
Mazohl, Brigitte/ Mertelseder, Bernhard (Hg.), Abschied vom Freiheitskampf? Tirol 1809 zwischen politischer Realität und Verklärung, Innsbruck 2009.
Steinlechner, Siegfried, Des Hofers neue Kleider. Über die staatstragende Funktion von Mythen, Innsbruck u.a. 2000.
