Andreas Prochaska – Der Filmregisseur im Porträt

Der Filmregisseur Andreas Prochaska begann als Cutter für Michael Haneke und inszeniert mittlerweile Beiträge zum österreichischen Mainstream.

Am 1. Oktober feiert die Wiener Theaterlegende Elfriede Ott ihr Leinwanddebüt. In der Krimikomödie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ spielt sie einerseits sich selbst und andererseits die öffentliche Person, mit der ihr Name in Verbindung gebracht wird. Das Debüt verdankt sie einem Regisseur, der sich in den letzten Jahren zum Garanten für Publikumskompatibles Kino in Österreich gemacht hat: Andreas Prochaska.

Andreas Prochaska: Erste Erfahrungen bei Paulus Manker und Michael Haneke

Der 1964 geborene Prochaska begann früh seiner Filmleidenschaft nachzuspüren und brach sein in Wien begonnenes Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften ab, um als Assistent in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen zu arbeiten. Bereits 1985 konnte er als Produktionsassistent bei Paulus Mankers „Schmutz“ erste Erfahrungen sammeln. Es dauerte dennoch drei Jahre, bis er für Wolfram Paulus’ „Nachsaison“ und einer TV-Episode der „Arbeitersaga“ sowie des „Tatort“ als Schnittassistent mitarbeiten durfte.

Diese ersten Anstellungen führten auch zum Zusammentreffen mit einem gewissen Michael Haneke, der am Drehbuch von „Schmutz“ mitarbeitete und zu dieser Zeit seine ersten Schritte vom Fernsehen hin zum Kino machte. In den Jahren 1992 bis 2000 hatte Prochaska somit die Gelegenheit bei einem der einflussreichsten Filmemacher Europas am Schneidetisch zu arbeiten und diese Filme auch mitzugestalten. Darunter als Chefcutter bei „Funny Games“ und „Code inconnu“.

Als Regisseur hin zum Familienfilm: „Die drei Posträuber“ (1998)

Den ersten Auftrag als Regisseur erhielt Andreas Prochaska dann doch überraschend für einen Familienfilm. Die Adaption von Christine Nöstlingers „Die drei Posträuber“ (1998) konnte an den Kinokassen überzeugen und zeigte, dass es im österreichischen Film auch Platz für Mainstreamkino gibt. Doch bevor sich der Oberösterreicher an weitere Projekte wagen konnte, folgten etliche Arbeiten für das deutschsprachige Fernsehen. Einige Episoden von Serienformaten wie „Sinan Toprak ist der Unbestechliche“, „SOKO Kitzbühel“ und „Kommissar Rex“ festigten seinen Platz in der Branche.

Kontrastprogramm: Der Teenager-Slasher „In 3 Tagen bist du tot“ (2006)

Der Weg zurück zur Leinwand fiel mit einem Teenager-Slasher umso überraschender aus. Bereits seit Jahren trug sich Prochaska mit dem Plan, einen amerikanischen Horrorfilm nach Österreich zu transferieren und mit dem entsprechenden Lokalkolorit zu versehen. „In 3 Tagen bist du tot“ (2006) überzeugte genau durch diese Komponenten, denn die Handlung selbst hielt sich sehr eng an altbekannte Genremuster. Der Erfolg führte zwei Jahre später zu einer nicht mehr ganz so erfolgreichen aber immer noch beachtlichen Fortsetzung.

Im Wechselspiel zwischen großer Leinwand und kleinem Fernsehschirm

Die beiden erfolgreichen Horrorfilme sorgen mittlerweile dafür, dass Andreas Prochaska nun zwischen Kinoprojekten und Fernsehspielen hin und her wechseln kann. Während er mit dem 4-teiligen Krimi „Zodiak – Der Horoskop-Mörder“ und dem Atom-Thriller „Der erste Tag“, sowie dem in Post-Produktion befindlichen Heino-Ferch-Vehikel „Das Verhör“, seinen Ruf als Spannungsgarant für das Fernsehen festigt, wechselt er auf der Leinwand die Gangart.

Prochaskas „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ ab Oktober 2010 im Kino

Die am 1. Oktober 2010 in den österreichischen Kinos startende Komödie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ ist ein Versuch, das Mainstream-Publikum von der humorvollen Seite abzuholen. Der in der öffentlichen Wahrnehmung nunmehr auf Thriller abonnierte Prochaska darf sich bei diesem Versuch, nicht nur auf die Strahlkraft seiner titelgebenden Hauptdarstellerin, sondern auch auf die Künste von Drehbuchautor und Co-Star Michael Ostrowski – bekannt geworden durch Rollen in den Michael Glawogger-Komödien „Nacktschnecken“ und „Contact High“ – stützen. Wie Prochaska jüngst in einem Interview bestätigte, sieht er sich gerne als Mainstream-Regisseur, auch wenn seine Branchenwurzeln im Arthouse-Bereich liegen. Es bleibt abzuwarten, ob er auch bei seinen kommenden Projekten, das in Österreich brach liegende Genrekino aufrüttelt.

Patrick Dorner, Patrick Dorner

Patrick Dorner - Als Autor verfolge ich verschiedene Themengebiete, jedoch bin ich hauptsächlich im Bereich Film & TV zu finden. Weitere ...

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