Angela Merkel: Biografie einer Bundeskanzlerin

Die Kurzfassung einer bewegten Vita der CDU-Spitzenpolitikerin

Offizielles Pressefoto vom 21. April 2006 - Laurence Chaperon/Bundesregierung/Bundesbildstelle
Offizielles Pressefoto vom 21. April 2006 - Laurence Chaperon/Bundesregierung/Bundesbildstelle
Angela Merkel ist die erste und jüngste Bundeskanzlerin Deutschlands. Die Pfarrerstochter wird zunächst Physikerin und macht ab 1989 in der Politik eine rasante Karriere.

Seit dem 22. November 2005 ist Angela Merkel die erste weibliche Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und bereits seit April 2000 Bundesvorsitzende der CDU. Die folgende Kurzbiografie sortiert die wesentlichen Stationen des privaten und beruflichen Werdegangs in vier Phasen.

Kindheit und Jugend (1954-1971): Der Weg führt von Hamburg in die DDR

Die Politikerin wird als Angela Dorothea Kasner am 17. Juli 1954 in Hamburg als erstes von drei Kindern Horst Kasners (damals Theologiestudent, verstorben im September 2011) und seiner Frau Herlind (Lehrerin) geboren. Nur wenige Wochen später zieht die Familie in das brandenburgische Dörfchen Quitzow bei Perleberg und siedelt damit in die DDR über. Hier tritt Vater Horst seine erste Pfarrstelle an. Bereits drei Jahre später wechseln die Kasners jedoch erneut ihren Wohnort und landen im uckermärkischen Templin. Hier wird 1957 Angela Merkels Bruder Marcus geboren, 1964 erblickt ihre Schwester Irene das Licht der Welt.

Die Schulzeit beginnt 1961 in der Polytechnischen Oberschule (POS) und endet 1973 mit einem Notendurchschnitt von 1,0 im Abitur an der Erweiterten Oberschule (EOS), jeweils in Templin. Herausragende Leistungen erbringt die erste deutsche Bundeskanzlerin seinerzeit in Russisch und Mathematik. Sie entscheidet sich 1970 statt der in der DDR üblichen Jugendweihe für die Konfirmation, ist allerdings Mitglied in der Pionierorganisation Ernst Thälmann und der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Die Kindheit, Jugend- und frühe Erwachsenenzeit sind durch das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen des sozialistischen Staates und der Kirche geprägt.

Studienzeit, erste Ehe und Berufseinstieg (1973-1989): Es geht über Leipzig nach Berlin

Nach dem Abitur beginnt Angela Merkel ein Physikstudium an der Universität in Leipzig. 1974 lernt sie bei einem Auslandsaufenthalt in Moskau ihren ersten Ehemann, Ulrich Merkel, ebenfalls ein angehender Physiker, kennen und heiratet ihn 1977 kirchlich in Templin. Das Studium schließt die ehrgeizige Studentin 1978 mit dem Diplom und der Note "Sehr gut" ab. Zum Berufseinstieg als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentralinstitut für physikalische Chemie an der Akademie der Wissenschaften führt der Weg im selben Jahr nach Ost-Berlin. Ihr Forschungsgebiet ist die Quantenchemie. Darüber hinaus wird die Politikerin Kulturfunktionärin der FDJ, tritt allerdings nie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bei. Die erste Ehe wird nach fünf Jahren 1982 geschieden. Den Chemiker Joachim Sauer, mit dem sie seit 1998 verheiratet ist, lernt Angela Merkel bereits 1984 kennen. Zwei Jahre später promoviert die Wissenschaftlerin zum Dr. rer. nat. mit einer Dissertation über die Berechnung der Geschwindigkeitskonstanten von Reaktionen einfacher Kohlenwasserstoffe.

Die politische Karriere beginnt 1989 beim Demokratischen Aufbruch

Im politisch sehr stürmischen Herbst 1989 wird auch Angela Merkel in der immer stärker werdenden Bürgerbewegung aktiv und tritt in die Partei "Demokratischer Aufbruch" (DA) ein. Hier arbeitet sie zunächst ehrenamtlich als EDV-Administratorin und wird nach drei Monaten im Februar 1990 hauptberufliche Sachbearbeiterin in der Geschäftsstelle der Partei. Nach der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl avanciert die damals 35-jährige zur stellvertretenden Sprecherin der Regierung unter Lothar de Maizières. Der DA fusioniert im Herbst (nach dem Zusammenschluss mit der CDU-Ost im August) mit der westdeutschen CDU, um zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 anzutreten. Beim Parteitag zur Vereinigung trifft Angela Merkel erstmals Helmut Kohl persönlich und tritt kurz danach eine Planstelle als Ministerialrätin im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung an. Gleichzeitig wird sie Direktkandidatin ihrer neuen Partei für den Bundestag, zieht in den Wahlkampf und gewinnt das Mandat im Wahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen.

Der rasante Aufstieg an die Spitze der CDU und ins Bundeskanzleramt beginnt 1991 mit einem Ministeramt

  • Einen Tag nach der Wahl von Helmut Kohl zum ersten Kanzler des wiedervereinigten Deutschlands wird Angela Merkel am 18. Januar 1991 im Alter von 36 Jahren Bundesministerin für Frauen und Jugend. Der Parteitag in Dresden wählt sie im Dezember zur stellvertretenden CDU-Vorsitzenden.
  • Von 1992 bis 1993 führt sie den Vorsitz des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU.
  • Im Juni 1993 wird die ambitionierte Politikerin Chefin des CDU-Landesverbandes in Mecklenburg-Vorpommern.
  • 1994 übernimmt sie nach der Bundestagswahl im Oktober innerhalb der christlich-liberalen Regierungskoalition das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
  • 1998 gewinnt Angela Merkel trotz der Wahlniederlage ihrer Partei das Direktmandat und zieht erneut in den Deutschen Bundestag ein. Am 7. November wird sie Generalsekretärin der CDU Deutschlands und heiratet am 30. Dezember den Chemieprofessor Joachim Sauer in Berlin.
  • 1999 managt sie die CDU-Spendenaffäre und bittet Helmut Kohl öffentlich, sich vom Ehrenvorsitz der Partei zu lösen.
  • Der Parteitag wählt die Politikerin am 10. April 2000 zur Vorsitzenden der CDU Deutschlands.
  • 2002 verzichtet sie zugunsten Edmund Stoibers auf die Kanzlerkandidatur und wird nach der Wahl Fraktionsvorsitzende und Oppositionsführerin.
  • Am 22. November 2005 wird Angela Merkel mit 397 von 611 gültigen Stimmen von der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD zur ersten Bundeskanzlerin in Deutschland und mit 51 Jahren zur jüngsten Amtsinhaberin gewählt.
  • Am 27. September 2009 tritt sie erneut als Kanzlerkandidatin ihrer Partei zur Wal des 17. Deutschen Bundestages an.
  • Nach Abschluss der schnellsten Koalitionsverhandlungen in der Bundesrepublik zwischen CDU/CSU und FDP konstituiert sich exakt einen Monat danach am 27. Oktober 2009 das neue Parlament und wählt Angela Merkel einen Tag später mit 323 von 612 Stimmen zum zweiten Mal zur Bundeskanzlerin.
  • Drei Tage nach dem Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident stellt sie ihren letzten innerparteilichen Konkurrenten Christian Wulff am 3. Juni 2010 als Kandidaten für dessen Nachfolge im höchsten Staatsamt vor.
  • Ihren jährlichen Sommerurlaub verbringt die Kanzlerin seit 2008 in Sulden (Südtirol).
Helmi Schäfer, fotografiert von Nils Wiemer Wiemers

Helmi Schäfer - Journalist seit 1987Hörfunk- und FernsehredakteurMultimediaPolitologe & Producerseit Januar 2008 bei ...

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