
- Merkel verwaltet die Macht -statt sie zu nutzen - HAUK MEDIEN ARCHIV - Pixelio
In Artikel 65 des Grundgesetzes heißt es: "Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung." Eine große Aufgabe für den Amtsinhaber, sind es doch seine Ansichten und Überzeugungen, die der ganzen Gesellschaft temporär eine Richtung vorgeben. Und tatsächlich haben seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland einige Persönlichkeiten im Kanzleramt regiert, deren Entschlossenheit und Willen die deutsche Bevölkerung inspirierten. Ikonen wie Konrad Adenauer oder Willy Brandt prägten das Denken von Generationen und vermittelten eine echte politische Botschaft. Sie boten deshalb zwar eine Angriffsfläche, aber auch die Möglichkeit zur Identifikation. Eine hervorragende Mischung in demokratischen Systemen.
Kanzlerin Merkel - Die "Mutter" der Politik
Doch mittlerweile wird dem Bürger vom deutschen Bundeskanzler vor allem Eines angeboten: Eine große Portion Nüchternheit. Angela Merkel hat im Laufe ihrer bisherigen Amtszeit einen Politikstil perfektioniert, der eher zu Lethargie denn zu Engagement im Volk führt. Nichts bringt sie aus der Ruhe, aber sie kann sich auch für nichts begeistern. Viele Politiker können es oft gar nicht erwarten, eine Debatte anzustoßen und ihre (wenn auch oft wechselnden) Überzeugungen der Welt lauthals zu verkünden. Volksvertreter vom Schlage eines Guido Westerwelle oder Horst Seehofer streiten oft und gerne; auch untereinander. Angela Merkel hingegen beruhigt. Oft wartet sie sehr lange, bis sie in einer Debatte Position bezieht und ein öffentliches Statement abgibt. Sie sondiert die öffentliche Meinung, wägt ab, wieviel eigene Meinung ihr schaden könnte und sorgt schließlich mit versöhnlichen Worten für Ruhe unter den Streithähnen. Nicht umsonst wird sie im Berliner Regierungsviertel auch "Mutti" genannt.
Die politische Karriere von Angel Merkel - Wille und kalkuliertes Risiko
Der Wunsch politische Beständigkeit auszustrahlen ist bei Angela Merkel auch auf ihre parlamentarische Lehrzeit zurückzuführen. Ihr Mentor war niemand geringerer als der "ewige" Helmut Kohl, der 16 Jahre lang die Geschicke der Bundesrepublik leitete. Angela Merkel war sein "Mädchen", ein ostdeutsches Mauerblümchen. Mit dem Willen zur Macht. Ihr Aufstieg ging schnell voran, mit nüchternem Kalkül geplant. Nachdem sie 1994 bereits ins Bundesumweltministerium eingezogen war, brach sie in der Folge mit ihrem alten Lehrer Kohl und ließ diesen an der CDU-Spendenaffäre scheitern. Als Generalsekretärin empfahl Angela Merkel ihrer Partei dann 1999 die endgültige Abgrenzung von dem zur Belastung gewordenen Altkanzler.
Der Lehrling überflügelte den Meister. Im Jahr darauf wurde sie auf dem Essener Parteitag schließlich zur Parteivorsitzenden gewählt und hätte bereits nach der Kanzlerschaft greifen können. Doch das Risiko war noch zu groß, zu viele Variablen existierten. So überließ sie es Edmund Stoiber, gegen den Medienkanzler Gerhard Schröder ins Feld zu ziehen und den Wahlkampf dramatisch zu verlieren. Erst mit dem Erringen des Fraktionsvorsitzes im Jahr 2003 war die Machtbasis schlussendlich groß genug, um das Experiment Kanzlerschaft zu wagen. Mit bekannten Folgen.
Regieren ohne Überzeugungen - Merkels Modell stößt an seine Grenzen
Doch es wird zunehmend enger für Angela Merkel. Schon im Zuge der Bundestagswahl 2009 hagelte es Kritik auch aus den eigenen Reihen. Ihre Kontrahenten brachten vor, dass sie einen ausschließlich "präsidialen" Wahlkampf führen und keine inhaltlichen Themenfelder in den Vordergrund rücken würde. Sie wollte allerdings ganz bewusst kein scharfes, klares Parteiprofil erstellen. Das hätte nämlich eine Angriffsfläche geboten. Stattdessen taktierte Angela Merkel, hob die Verdienste der großen Koalition hervor und sorgte für einen der langweiligsten Wahlkämpfe in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Das brachte ihr zwar eine zweite Legislatrperiode ein, jedoch ist nun endgltig klar: Angela Merkel besitzt keine inhaltlichen Überzeugungen, für die sie kämpft. Sie wartet und verwaltet. Lautstarke Akzente setzen andere, wie zum Beispiel der Vizekanzler. Er möchte die Regierungspolitk am liebsten ganz alleine bestimmen und nutzt die Lücke, die Angela Merkel ihm nur allzu gerne anbietet. Denn politische Führung würde ja bedeuten, sich Gegenkräften zu stellen und für bestimmte Prinzipien einzustehen. Ob Angela Merkel ein so riskantes Experiment tatsächlich durchführen wird, ist allerdings fraglich.
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