Angelina Jolie im Agenten-Thriller "Salt" – Filmstart: 19.8.2010

Filmplakat von Salt mit Angelina Jolie (2010) - Sony Pictures Releasing GmbH
Filmplakat von Salt mit Angelina Jolie (2010) - Sony Pictures Releasing GmbH
Im Agententhriller "Salt" wandelt Angelina Jolie auf den Spuren von James Bond - mit viel Action, Sexappeal und einem neuen Agententypus.

"Salt, Evelyn Salt!", könnte sich Angelina Jolie im Actionfilm "Salt" vorstellen. Tut sie aber nicht, auch wenn die actiongestählte Hollywood-Actrice auf den Spuren männlicher Kollegen wie James Bond, Jason Bourne und "Mission Impossible"-Kopf Ethan Hunt wandelt.

Angelina Jolie im Actionfilm "Salt"

Evelyn Salt ist CIA-Agentin mit Herz und Courage, diensteifrig, patriotisch und tüchtig. Das hat sie im amerikanischen Geheimdienst weit gebracht, bis sie der alternde russische Agent und Überläufer Orlov während eines Verhörs bezichtigt, eine russische Geheimagentin zu sein.

Damit ist Evs bisheriges Leben vorbei, und ihre Kollegen (Liev Schreiber und Chiwetel Ejiofor) wenden sich gegen sie, um dem ungeheuerlichen Verdacht nachzugehen. Und während Orlov die Verwirrung zur Flucht nutzt, wehrt sich die Vorzeigeagentin gegen ihre Festnahme und flieht in einer atemberaubenden Verfolgungsjagd durchs CIA-Hauptgebäude, um im letzten Augenblick zu entkommen und festzustellen, dass man ihren Ehemann (August Diehl) entführt hat.

Geheimagentin Angelina Jolie kämpft gegen russische Spione

Gezeichnet vom Kampf und vom US-Geheimdienst gehetzt verfolgt Salt die Spur Orlovs, um den Verräter zu stellen und ihre Unschuld zu beweisen. Bald stößt sie auf ein Komplott russischer Schläfer in den USA, die den zu einer Beerdigung angereisten russischen Präsidenten ermorden und die Welt in einen tödlichen Konflikt stürzen wollen.

Mehr sei hier nicht verraten. Der Film hält den Zuschauer gekonnt bei der Stange und spielt lange mit der Intention seiner Titelheldin. Bis zuletzt bleibt das Rätsel spannend, bis alle Beteiligten ihre wahren Identitäten in dem rasanten Agenten-Pokerspiel aufdecken.

"Salt" ist ganz auf Angeline Jolie zugeschnitten. Kaum zu glauben, dass die ursprüngliche Filmidee Tom Cruise vorsah. Inspiriert von den jüngsten Bond-, Bourne- und MI-Filmen wollten die Produzenten eine neue Reihe erschaffen, um das jüngst etwas angestaubten Agententhriller-Genre zu beleben.

Angelina Jolie – Sex-Appeal und Action in "Salt"

Und Jolie erfüllt diese Rolle gut. Erlebt man sie im Verhör Orlovs noch als kühle Businessfrau mit Köstümchen, Blondschopf und monströsen High Heels, verwandelt sie sich in eine gereifte Version ihrer Kultfigur Lara Croft.

Lasziv entledigt sie sich ihrer Pumps und sogar ihres Slips, mit dem sie eine Überwachungskamera verhüllt, und versorgt eine Schusswunde mit einem Damenslip. Dazu entflieht die bekennende SM-Liebhaberin mit Großaufnahmen ihrer nackten Füße und muskelgestählten Waden über Treppenhäuser, Hausfassaden und dreckige Kellerfußböden, dass alle Männerträume und Fetischistengelüste bestens befriedigt werden.

Dabei klaut "Salt" nicht schlecht von großen Agenten- und Actionfilmen der letzten Jahrzehnte. Wenn sie halbnackt unter Dauerbeschuss aus dem CIA-Gebäude entflieht ("Die Hard"), sich Autoverfolgungsjagden über Highways liefert ("Lethal Weapon") oder mit einem Rucksack eine Hausfassade erklettert ("Die Bourne Identität") – die filmischen Zitate werden gar nicht erst verleugnet.

"Salt" – Reminiszenzen von "James Bond" bis "Mission Impossible"

Selbst die legendären Latexmasken aus "Mission Impossible" und der Dolchschuh aus dem James-Bond-Klassiker "Liebesgrüße aus Moskau" (1963) erleben hier kurze Gastauftritte.

Ein Blick in den Produktionsstab verrät die Vorlieben der Filmschaffenden. Regisseur Phillip Noyce inszenierte Agenten-Kracher wie "Das Kartell", "Die Stunde der Patrioten" und "The Saint" sowie mit Jolie den Serienkiller-Thriller "Der Knochenjäger".

Kameramann Robert Elswit arbeitete für den Bond-Film "Der Morgen stirbt nie", Cutter Stuart Baird für das 007-Abenteuer "Casino Royale" und die "Lethal-Weapon"-Reihe, und Drehbuchautor Kurt Wimmer inszenierte die Science-Fiction-Kracher "Equilibrium" und "Ulraviolet". Sein Skript wurde von dem Dramen-Experten Brian Helgeland ("L.A. Confidential", "Mystic River") überarbeitet.

"Salt" folgt den klassischen Agententhrillern der 1970er Jahre

Vor allem die Kamera-Arbeit sorgt für eine fiebrige, intensive Atmosphäre, klebt Angelina Jolie förmlich am Leib und folgt ihr auf Schritt und Tritt bei Kämpfen, Jumps und Explosionen, dass der Zuschauer förmlich durchgeschüttelt werden. Dabei setzt Noyce trotz aller High-Tech-Action auch auf etablierte Mittel des Actionkinos der Siebziger und Achtziger Jahre wie Kampfsport, Schießereien und Autoverfolgungsjagden.

Und diese sind wirklich beachtlich inszeniert. Alleine ein Attentat in einer New Yorker Kathedrale während eines Staatsbegräbnisses wird zum epochalen Showdown, der sich hinter keinem Bourne- oder Bond-Film verstecken muss. Dazu liefert Hollywood-Veteran James Newton Howard einen pulsierenden, düsteren Soundtrack, der sich seinen Weg zwischen den klassischen Bond-Scores von John Barry, den fiebrigen Leitmotiven der Bourne-Filme und den Industrial-Noise-Soundscapes moderner Actionfilmen wie "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" sucht.

Trotz aller Zugeständnisse ans moderne Actionkino besitzt "Salt" eine angsterfüllte, paranoide Grundstimmung, die ihn im positiven Sinne zu einem altmodischen Agentenfilm macht, der seine Wurzeln in Genreklassikern der 1970er Jahre wie "Der Marathon-Mann", "Die Killer-Elite", "Die drei Tage des Condors" und "Telefon" hat. Und die zerbrochene Figur des Racheengels Evelyn Salt trägt nachhaltig zur düsteren Atmosphäre des Films bei.

Angelina Jolie im Schatten der realen Anna Chapman

Allerdings hat die Realität "Salt" längst eingeholt. Während die Filmemacher noch ihre Story um russische Schläfer verteidigten, sprich eingeschleuste Ostagenten, die sich mit bürgerlichen Existenzen in den USA etablieren und auf Spionage- und Attentat-Aufträge warten, ereilte die Welt im Juli 2010 die Nachricht über ein russisches Agentennetz um die schöne Spionin Anna Chapman, das jüngst vom CIA verhaftet wurde.

Gleichzeitig gerieten Nachrichten über ein enttarntes Netzwerk tschechischer Geheimagenten in den USA und Europa ans Licht, die sich auf Industrie- und Militärspionage spezialisierten. Insofern ist "Salt" nicht nur eine Reminiszenz an den Kalten Krieg vor 1990, sondern auch ein brandaktuelles Thema.

Damit und in der kühlen, spannenden Inszenierung von "Salt" und einer wahrhaft entfesselten Hauptdarstellerin liegt die Erfolgsformel des Films – und Angelina Jolie nimmt wahrhafte Martern auf sich, wird mehrfach gefoltert und zusammengeschlagen und quält sich verschwitzt, mit blauen Augen und blutenden Wunden sowie einer unglaublichen körperlichen Präsenz durch den Film.

"Salt" – Filmstart am 19. August 2010

Angelina Jolie ist die wohl derzeit physischste aller Hollywood-Darstellerinnen, was "Salt" zu einem rasanten Agentenabenteuer gestaltet. Und während die nächsten Teile von "Jason Bourne" und "Mission Impossible" noch auf sich warten lassen und der 23. Bond-Film wegen Geldproblemen auf Eis liegt, ist "Salt" der erste große Agententhriller der 2010er Jahre, der dem Genre einige neue Impulse einhaucht.

Auf der offiziellen Website von "Salt" gibt es Filminfos, den Kinotrailer und ein Gewinnspiel.

Salt. USA 2010. Regie: Phillip Noyce. Drehbuch: Kurt Wimmer. Kamera: Robert Elswit. Schnitt: Stuart Baird. Musik: James Newton Howard. Darsteller: Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, Daniel Olbrychski, August Diehl. Länge: 100 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Deutscher Filmstart: 19. August 2010.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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