Angeln ohne Fischereischein, wie der Angelschein offiziell heißt, das ist in Brandenburg dank einer entsprechenden Änderung des Fischereigesetzes seit 2006 möglich. Voraussetzung ist, dass man sich auf den „Fischfang mit der Friedfischhandangel“ beschränkt – so die amtliche Formulierung.

Angeln ohne Angelschein: Brandenburg lockt Urlauber und Berliner

Insbesondere diejenigen, die erst einmal testen wollen, ob Angeln für sie das richtige Hobby ist, finden damit in Brandenburg ein attraktives Ziel für erste Angelausflüge. Und eine erste einfache Angelausrüstung ist heute mitunter schon bei Discountern wie Aldi, Lidl oder Netto preiswert zu erstehen.

Von der unbürokratischen Regelung profitieren neben den Brandenburgern und ihren auswärtigen Urlaubsgästen vor allem auch viele Berliner, die zum Angeln an die zahlreichen Seen, Flüsse und Kanäle im Berliner Umland kommen. Denn in Berlin selbst ist das Angeln grundsätzlich nur mit Angelschein gestattet.

Raubfischangeln nur mit Anglerprüfung

Wer später dann neben Friedfischen auch Raubfische ins Visier nehmen will, muss dann allerdings die Anglerprüfung ablegen und den Fischereischein erwerben. Das Absolvieren eines entsprechenden Angelkurses ist übrigens nicht obligatorisch, auch wenn dieser Weg zur gründlichen Vorbereitung auf die Prüfung sehr zu empfehlen ist. Vielerorts werden Anglerlehrgänge auch Ferien- oder Wochenendkurse angeboten, in denen man das notwendige Knowhow zum Bestehen der Fischerprüfung erwerben kann.

Anglervereine bieten nicht nur Kurse zur Vorbereitung auf die Anglerprüfung an, sondern sind Neulingen auch sonst gern mit Rat und Tag behilflich. Eine Vereinsmitgliedschaft ist übrigens häufig auch mit Preisvorteilen beim Erwerb von Angelkarten verbunden.

Notwendige Dokumente fürs Angeln

Auch wenn das Friedfischangeln in Brandenburg heute keinen Angelschein mehr erfordert, sind dennoch einige Regeln zu beachten. Angeln darf nur, wer mindestens acht Jahre alt ist. Und auch ohne Fischereischein müssen Angler immer Personalausweis oder Reisepass, die in die personengebundene grüne Nachweiskarte eingeklebte gültige Fischereiabgabenmarke und die Angelkarte bei sich führen. Ist dies bei einer Kontrolle nicht der Fall, drohen Strafen der zuständigen Ordnungsbehörden.

Die Fischereiabgabenmarke stellt die öffentlich-rechtliche Erlaubnis zum Angeln dar und kann sowohl bei den Unteren Fischereibehörden als auch bei den dazu autorisierten Ausgabestellen erworben werden. Aktuell beträgt Preis für die Fischereiabgabenmarken für Erwachsene zwölf Euro pro Kalenderjahr; für Kinder und jugendliche Angler im Alter von acht bis 18 Jahren kostet sie nur 2,50 Euro. Wer die Fischereiabgabenmarke gleich für einen Zeitraum von fünf Jahren kaufen will, muss statt 60 Euro nur 40 Euro zahlen.

Die Angelkarte, die ebenfalls käuflich erworben werden muss, ist die privatrechtliche Erlaubnis, das Angeln an einem oder mehreren bestimmten Gewässern auszuüben. Sie sind bei Fischern, Anglerverbänden und Angelvereinen, Fachgeschäften für Anglerbedarf, Campingplatzverwaltungen, Tourismusbüros und ähnlichen Stellen erhältlich, die oft auch zugleich als Ausgabestellen für Fischereiabgabenmarken fungieren.

Angelteiche: gute Chancen auf Anglerglück

Einige Fischereibetriebe bieten auch das Angeln an eigenen Angelteichen an, wofür keine Fischereiabgabe erforderlich ist. Üblicherweise werden dann zeitabhängige Gebühren als „Eintrittspreis“ fällig, mit denen meist auch schon der Kauf eines gefangenen Fisches abgegolten ist.

Wer mehr fängt, muss gegebenenfalls noch etwas nachzahlen. Die genauen Konditionen sind jeweils vor Ort zu erfragen. Gerade für Anfänger ist diese Variante interessant, weil hier das Anglerglück in der Regel nicht lange auf sich warten lässt, während es „in freier Wildbahn“ durchaus vorkommen kann, dass man ohne Fang nach Hause zurückkehren muss.

Was ist beim Angeln ohne Angelschein sonst noch zu beachten?

Die wichtigsten Bestimmungen, die beim Angeln ohne Angelschein neben den bereits genannten Voraussetzungen einzuhalten sind, lauten:

  • Ausschließliche Verwendung von Friedfischhandangeln (einschenkliger Haken, mit pflanzlichen oder tierischen Ködern wie Teig, Würmern, Maden o. ä. oder deren Nachbildungen)
  • Keine Verwendung von Köderfischen oder anderen Wirbeltierködern, Zehnfußkrebsen oder Teilen beziehungsweise Nachbildungen dieser Köder
  • Keine Verwendung von mehreren oder Mehrfachhaken
  • Verwendung von maximal zwei Handangeln gleichzeitig
  • Ständige Beaufsichtigung der ausgelegten Angeln
  • Einhalten eines Mindestabstands zu stehenden Fanggeräten der Erwerbsfischerei
  • Einhaltung der vorgeschriebenen Schonzeiten und Mindestmaße für die einzelnen Fischarten
  • Unverzügliches und schonendes Zurücksetzen aller Fische, die zu klein sind, während ihrer Schonzeit gefangen wurden oder nicht sicher bestimmt werden können.
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