Angkor - Juwel und Identität Kambodschas

Angkor Wat - Wolfgang Emerich
Angkor Wat - Wolfgang Emerich
Das UNESCO Kulturerbe von Angkor in Kambodscha lädt mit Geschichte, der Architektur und seiner Weitläufigkeit zum Staunen und Entdecken ein.

Das Khmer Reich von Angkor zählt wohl zu den berühmtesten Destinationen südostasiatischer Reiserouten. Man kann zum Beispiel auf dem Landweg von Bangkok aus kommend und bei Poipet die Grenze nach Kambodscha überqueren. Dann auf einer, in den letzten Jahren stark verbesserten, Straße nach Siem Reap weiterreisen, dort Quartier beziehen und sich auf ein paar Tage faszinierender, betörender Tagesausflüge in die Vielfalt der Tempel von Angkor einlassen.

Das Königreich der Khmer - dessen Aufstieg und Blüte zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert stattfand - ist seit dem Jahre 1992 Weltkulturerbe der UNESCO. Ein weit verlaufendes Areal, das heute zwischen der Magie längst vergangener südostasiatischer Geschichte und der Realität oft unkontrollierter Touristenströme wandelt. Eine Kurzgeschichte dieses kambodschanischen Juwels soll hier in diesem Artikel folgen. Ebenso ein Versuch, diese auf den Betrachter der Stätten der Vergangenheit wirkende Faszination in Worten wiederzugeben.

Reise in die kambodschanische Vergangenheit

Der Begriff Kambuja ist schon lange bekannt und zeigt große Ähnlichkeit mit der Bezeichnung des Staates welchen man heute unter Kambodscha kennt. Die meisten vorhandenen Informationen sind aus den Tempelanlagen selbst, deren Reliefs und Inschriften. Schriftliche Aufzeichnungen sind so gut wie keine vorhanden. Reichsgründer ist Jayarvarman II., der in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts regierte. Fortgeführt wurde der Ausbau von Macht und Handel durch Indravarman I. Dessen Sohn ließ eine Stadt mit dem Namen Yasodharapura erbauen, welche ein gigantisches Wasserreservoir, das sogenannte Baray mit einer Größe von ungefähr 14 Quadratkilometer, beherbergte. Die Gründung eines neuen Reiches samt Hauptstadt im 10. Jahrhundert durch einen nachfolgenden Herrscher hielt nur für kurze Zeit. Die Rückkehr nach Yasodharapura erfolgte noch vor Auslaufen des Jahrhunderts.

Nach einer Epoche der Unruhe und ständigen Thronwechsel kam es unter Suryavarman I. zu weiteren Eroberungen. Die Bevölkerung erreichte die Million und durch die Errichtung eines weiteren Wasserspeichers konnten bis zu drei Ernten pro Jahr eingefahren werden. Für die damalige Zeit eine enorme Leistung an Versorgung.

Jeder Herrscher wollte seine Vorgänger übertreffen und so bietet sich heute der Anblick grandioser Bauwerke wie Angkor Wat, Angkor Tom, Bayon oder Ta Prohm mit seiner durch den Dschungel vereinnahmten Schönheit. Nicht zu vergessen Banteay Srei, der aus rotem Sandstein erbaut wurde. Angkor Wat mit seinen fünf mächtigen Türmen ist das bekannteste Bauwerk und den vielen. Dem Hindu Gott Vishnu geweiht, wurde dieser Wat nach einer Bauzeit von fast vierzig Jahren vollendet. Es war die Zeit der Herrschaft von Suryavarmann II. Unter dessen Regentschaft erstreckte sich das Reich bis Bagan im heutigen Myanmar und dem Norden von Thailand.

Kosmos und Spiritualität

Auswahl und Anordnung der Bauwerke unterliegen dem Muster des hinduistischen Kosmos. Einflüsse von Hinduismus und Buddhismus sind unverkennbar. Unter dem Herrscher Jayarvarman VII. wurde der Bajon errichtet. Jayarvarman ist ein Anhänger des Buddhismus der Mahayana Richtung gewesen. Der Bayon ist eine Anlage mit 49 Türmen, die allesamt das Gesicht des Avalokiteshvara zeigen. Das Bauwerk befindet sich mitten im Angkor Thom dem berühmten Südtor wo ebenso riesige Gesichter in alle vier Windrichtungen blicken. Das Mahayana ist eine Hauptrichtung des Buddhismus und der Avalokiteshvara ein Vertreter allgemeinen Mitgefühls. In die Zeit der Herrschaft von Jayarvarman VII. fiel die Niederlage gegen die Cham die aus dem Gebiet des heutigen Vietnam stammten. Folge davon war der Verlust der Stadt Yasodharapura. Das Besondere an dieser Schlacht war, dass es sich um eine Seeschlacht am Tonle Sap See handelte. Die Rückeroberung der Hauptstadt war allerdings nur eine Frage der Zeit.

Der Niedergang und Gegenwart

Im 13. Jahrhundert begann sich dann der Machtverlust des Reiches abzuzeichnen. Das Volk der Thais gewann immer mehr an Macht und Einfluss in der Region und der Druck durch die mongolischen Heerscharen wurde größer. Die heutige Hauptstadt Phnom Penh gewann an Bedeutung, lag die Stadt doch an einer Lebensader Südostasiens, dem Mekong. Spirituell begann ein Wandel zum Theravada-Buddhismus welcher noch heute in Kambodscha die vorherrschende Glaubensrichtung ist.

Weder die Zeit überwuchernder Vegetation wie am Ta Phrom noch die Schreckensherrschaft der Khmer Rouge konnte diesem Erbe Kambodschas etwas anhaben. Schlechte Restauration in der Vergangenheit und der Massentourismus der Gegenwart nagen aber an der Substanz dieser Schönheit. Reisender kommst du nach Südostasien nimm dir Zeit und vergiss Angkor nicht.

Quellen:

- Stefan Loose, Kambodscha, Travel Handbücher, 2003

- Siem Reap Angkor, Visitors Guide, Nov 2004

Wolfgang Emerich, Wolfgang Emerich

Wolfgang Emerich - Seit mehr als zwanzig Jahren Fachbetreuer in Wohngemeinschaften für geistig- und mehrfach behinderte Erwachsene Berufsausbildung ...

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