Man kann dabei an unsere Vorfahren denken. Das Erstarren und Unbeweglich-Werden vor Angst war eine instinktive und wichtige Reaktion im Sinne einer Tarnung vor einem Feind. Flucht und Vermeidung einer Situation vor Angst ermöglichten es, den gefährdeten Organismus auf Distanz zur Gefahrenquelle (beispielsweise einem wilden Tier) zu bringen. Aggressive Verteidigung aus Angst konnte den Feind in die Flucht schlagen oder besiegen. Diese Reaktionsweisen sind auch beim modernen Menschen erhalten geblieben – nur die Situationen, vor denen man Angst hat, haben sich etwas verändert. Ein wesentlicher positiver Aspekt von Angst ist, dass sie sehr viel Energie freisetzt.
Abläufe im Körper
Angst ist eine verständliche und natürliche Reaktion auf eine reale oder vermutete Bedrohung. Was geschieht dabei im Körper? Es werden die Hormone Adrenalin und Noradrenalin produziert. Diese Hormone sorgen für eine intensivere Atmung und Durchblutung, um „Angriff“ oder „Flucht“ zu ermöglichen. Da so in erster Linie die nötige Energie für die Bewegung der Muskulatur des Organismus bereitgestellt wird, wird dem Gehirn zur gleichen Zeit Sauerstoff entzogen. Dies wirkt sich unter anderem negativ in Prüfungen aus. Es kann zu Denkblockaden kommen. Gezielte Entspannungsübungen können dagegen helfen.
Schüler im Fokus
Im schulischen Bereich gibt es einige typische Schülerängste, bei deren Auftreten auch Fachleute wie beispielsweise Schulpsychologen helfen können:
- Schullaufbahnangst: Es geht um die Angst, den erstrebten Schulabschluss nicht zu schaffen und die gewünschte Schullaufbahn abbrechen zu müssen. Konkret kann sich dies in der Angst vor schlechten Noten, dem Sitzenbleiben und dem Schulversagen äußern. Man hat Angst, seine späteren beruflichen Chancen zu schmälern. Tipp: Es gibt auch den zweiten Bildungsweg und Weiterbildungen im Beruf, so dass man mit jedem zuerst erworbenen Schulabschluss später Karriere machen kann.
- Leistungsangst: Hierzu zählt auch die Prüfungsangst. Man fühlt sich von dem Lernstoff überfordert und meint, die geforderte mündliche oder schriftliche Leistung nicht erbringen zu können. Es kann die Angst entstehen, etwas nie begreifen zu können und in der Prüfung zu versagen. Tipp: (Fast) alles ist erlernbar, wenn man genügend Zeit dazu hat und es einem jemand verständlich erklärt. Nachhilfe kann helfen.
- Stigmatisierungsangst: Die Angst, vor den Mitschülern oder dem Lehrer als „schlecht“, „dumm“ oder „faul“ zu gelten, ist weit verbreitet. Man spricht auch von Stigmatisierung (Das Wort Stigma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Brandmal). Daraus kann sich eine Angst vor verbaler/körperlicher Gewalt, Mobbing und Wettbewerb entwickeln. Tipp: Niemand ist in jedem Fach schlecht. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Man sollte sich diese bewusst machen und anderen vermitteln.
- Strafangst: Es geht um die Angst vor Tadel, Strafen, Ungerechtigkeiten und Liebesentzug vor allem durch Lehrkräfte. Begünstigt wird diese Angst durch ein ungünstiges, übermäßig strafendes Verhalten der Eltern. Tipp: Kritik und vielleicht eine Strafe muss manchmal sein, damit man darüber nachdenkt und etwas ändert. Deswegen wird man von der betreffenden Person trotzdem geschätzt und geliebt.
- Personenangst: Man hat Angst vor einer bestimmten Person – beispielsweise dem Schulleiter, einem Fachlehrer, einem mobbenden Mitschüler oder einer ganzen Clique. Im Umgang mit Lehrpersonen kann sich eine Angst vor Autorität und vor Leistungsüberprüfungen an der Tafel zeigen. Tipp: Man sollte mit einer Vertrauensperson über diese Ängste sprechen und gemeinsam überlegen, was man tun kann.
- Institutionsangst: Die Schule als Institution (Einrichtung) – wie sie aufgebaut und organisiert ist – macht Angst. Man empfindet das Über-/Unterordnungsverhältnis Lehrer/Schüler und die Anonymisierung des Einzelnen besonders an großen Schulen als angstbeladen. Tipp: Positive Erlebnisse und Beziehungen mit einzelnen Lehrkräften in der Institution Schule sollte man sich bewusst machen und pflegen sowie auch immer etwas Persönliches von sich erzählen, um einer Anonymisierung entgegenzuwirken.
Was bedeuten die Begriffe Angst, Furcht, Phobie und Panikattacke?
Angst (kommt aus dem Lateinischen: eng) ist ein emotionaler Zustand, der eine unklare Lebensbedrohung ausdrückt. Angst wird durch eine vage oder unklare Bedrohung (beispielsweise die Unklarheit über die Anforderungen in der Abschlussprüfung) ausgelöst und bezieht sich auf zukünftige Situationen. Ängstlichkeit beschreibt eine Persönlichkeitseigenschaft, häufiger und intensiver als andere Angst zu empfinden. Sich informieren über die bedrohliche Situation, positives Denken und Entspannungsübungen können helfen. Furcht ist dagegen eine Emotion, die angesichts einer konkreten Gefahr auftritt. Wenn man sich fürchtet, reagiert man auf eine konkrete, aktuelle Bedrohung. Furcht ist kurzlebig und bezieht sich auf eine Gegenwart-Situation. Mit einer Vertrauensperson über die Furcht zu sprechen – „sich auszusprechen“ – hilft oft.
Eine Phobie ist eine zwanghafte Furcht. Sie bezieht sich auf bestimmte Objekte oder Situationen. Bei einer phobischen beziehungsweise unbegründeten Angst fürchtet man sich vor Gegenständen oder Situationen, die im Allgemeinen keine Furcht erzeugen. Der Betroffene kann durch Vermeidung der entsprechenden Situationen relativ angstfrei leben. Dennoch kann es bei Verdacht auf eine Phobie sinnvoll sein, sich bei einem Schulpsychologen oder dem Hausarzt Rat zu holen.
Panik ist eine mit Angst verbundene Erregung bei plötzlicher Gefahr mit unkontrollierten Fluchtreaktionen. Panikattacken sind wiederkehrende Angstattacken. Sie gehen mit körperlichen Symptomen wie beispielsweise Herzstechen, Erstickungsgefühlen und Schwindel einher. Neben Entspannungsübungen können im schulischen Bereich auch verbesserte Lern- und Vorbereitungstechniken sowie Lerntipps und bessere Zeitplanung helfen.
Was versteht man unter Prüfungsangst?
Prüfungsangst ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistungsfähigkeit. Von Prüfungsangst betroffene Personen werden daran gehindert, ihr Wissen bei einer Prüfung anzuwenden. Sie ist eine Sonderform der sozialen Bewertungsangst. Prüfungsangst ist nur in Sonderfällen als Krankheit einzustufen. Sie wird im Allgemeinen nur dann als krankhaft angesehen, wenn sie eine sehr erhebliche Beeinträchtigung des Patienten darstellt. Konkrete Formen der Prüfungsangst sind: Die Angst vor der Prüfungsvorbereitung (beispielsweise es ist so viel Stoff), die Angst vor der Prüfungssituation (beispielsweise bei einer mündlichen Prüfung) und die Angst vor den Folgen des Prüfungsergebnisses (beispielsweise die Blamage bei einer schlechten Note oder beim Durchfallen).
Den Zusammenhang zwischen Angst und Leistung drückt das Yerkes-Dodson-Gesetz von 1908 sehr gut aus: Ein mittleres Erregungsmaß (Angst) wirkt sich leistungsfördernd aus. Zu hohe und zu niedrige Anspannung beeinträchtigen die Leistung.
Literatur:
Meyers Großes Taschenlexikon, Leipzig 2006. 10. Auflage.
