Für 33 Prozent aller Bundesbürger ist die derzeitige Euro-Krise durch die Schuldenprobleme einiger EU-Staaten das wichtigste Thema überhaupt. Bei diesem Thema schneidet auch die EU mit ihrem Krisenmanagement nicht gut ab: 53 Prozent der Bundesbürger finden, die EU mache keine gute Arbeit und arbeite zur Bewältigung der Euro-Krise nicht effektiv, und nur 35 Prozent finden die Arbeit und Arbeitsweise der EU „eher gut“. Wie das ZDF-Politbarometer in seiner jüngsten Ausgabe berichtete, rangiert das Euro-Thema damit weit vor der Arbeitslosigkeit mit 22 Prozent, Verschuldung mit 11 Prozent und dem vor vier Wochen noch so wichtigen und jetzt weit nach hinten gerutschten Thema der Atomkraft und Atomenergie mit 10 Prozent.

ZDF-Politbarometer und Euro

Interessant waren die Antworten auf die ganz konkrete Frage, welche der aktuell gefährdeten Länder trotz ihrer Euro-Krise in der Euro-Währung verbleiben sollen: Nur 47 Prozent waren für ein Verbleiben von Griechenland bei der gemeinsamen Währung im Euro-Raum, während sich für Irland 67 Prozent, für Portugal 68 Prozent, für Italien 73 Prozent und für Spanien 77 Prozent aussprachen. Diese Zahlen sprechen für eine kritische Distanz gegenüber Griechenland und den griechischen Konsolidierungsbemühungen. So verwundert es auch nicht, dass nur 37 Prozent die Finanzhilfen für Griechenland für gut halten, während 58 Prozent sie ablehnen. Die jüngst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückte hohe Verschuldung Italiens halten aber auch 68 Prozent der Teilnehmer an der Befragung für eine große bis sehr große Gefahr für den Euro und seine Stabilität und nur 28 Prozent halten die Gefahr für minimal.

ZDF-Politbarometer und Steuersenkung

Das Thema Euro-Krise hat das in den letzten Wochen stark diskutierte Thema möglicher Steuersenkungen völlig überlappt und beherrscht. 69 Prozent halten eine Senkung der Steuern für kleine und mittlere Einkommen für richtig, nur 28 Prozent sind dagegen. Einig sind sich aber die Bundesbürger in der Frage der Realisierung: Nur 17 Prozent glauben, dass es zu diesen Steuersenkungen kommt, 80 Prozent glauben nicht daran. Die aktuellen Steuermehreinnahmen des Staates sollen aber in der Hauptsache für den Schuldenabbau genutzt werden; das meinen 62 Prozent der Bürger. Hauptsächlich für Steuersenkungen eingesetzt wollen sie nur 28 Prozent wissen. Und 8 Prozent wollen zusätzliche staatliche Ausgaben.

ZDF-Politbarometer zu Parteien und Personen

Die Beantwortung der Frage „Wenn heute Wahlen wären...“ hat sich gegenüber dem letzten Politbarometer nur leicht verändert: CDU/CSU 33 Prozent (minus 1 Prozent), SPD 29 Prozent (plus 1 Prozent) und alle übrigen Parteien unverändert (FDP 4 Prozent, Linke 7 Prozent und Grüne 22 Prozent).

In der Beliebtheitsskala (von +5 bis –5) der zehn beliebtesten deutschen Bundespolitiker hat es einige deutliche Veränderungen gegeben. Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück führt weiter (jetzt 1,6 statt vorher 1,4), Zweiter ist aber jetzt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit 1,4 (vorher 1,0) vor Frank-Walter Steinmeier mit 1,3 (vorher 1,4). Ihm folgt Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit 1,3. Fünfte ist die deutlich in der Skala abgefallene Kanzlerin Angela Merkel mit 0,9 (vorher 1,2). Dann folgen Ursula von der Leyen mit 0,8 (vorher 0,7), Sigmar Gabriel und Horst Seehofer mit je 0,3 (beide vorher 0,3). Das Schlusslicht bilden Wirtschaftsminister Philipp Rösler mit –0,3 (vorher –0,1) und Außenminister Guido Westerwelle mit unveränderten –1,4.

ZDF-Politbarometer zum Kanzlerkandidaten der SPD

In der Frage des besten Kandidaten der SPD für eine Kanzlerkandidatur hat es einige gewichtige Verschiebungen in der Einschätzung durch den Bundesbürger gegeben. Jetzt präferieren nur noch 36 Prozent Frank-Walter Steinmeier vor Peer Steinbrück mit 33 Prozent. Nur 13 Prozent möchten Sigmar Gabriel in das Rennen um die Kanzlerkandidatur schicken.

Im Politbarometer vom Mai hatte Steinmeier noch 43 Prozent Zustimmung für eine Kandidatur erhalten vor Steinbrück mit 25 Prozent und Gabriel mit 13 Prozent.

In der Extra-Auswertung nur unter SPD-Wählern führt Steinbrück sogar deutlich mit 43 Prozent vor Steinmeier mit 39 Prozent und Gabriel mit 12 Prozent.

Wie immer wurden die Umfragen zum Politbarometer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Bei 1273 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten wurden die Daten in der Zeit vom 12. bis 14. Juli 2011 telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland.

Quelle: ZDF-Presseverlautbarung

Bildnachweis: © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen