
- eine annähernde Übereinstimmung - Sonja Köhler
Mit „Punkt Punkt Nase Strich – fertig ist das Mondgesicht“ fangen die kindlichen Versuche, ein menschliches Gesicht zu zeichnen, meistens an. Und wenn die Malversuche mit steigendem Alter detaillierter werden, fällt trotzdem auf, wie selten sie wirklich realistisch sind. Die Augen sind zu weit oben, die Ohren zu groß oder die Nase nur ein längliches U – und oft halten sich diese Kritzeleien bis ins höhere Alter. Außer man packt sich an der eigenen Nase und findet heraus wie man Gesichter wirklich zeichnet – und dass man mit ein bisschen Übung und kleinen Tricks schnell Erfolge macht.
Talent als Voraussetzung?
Manche haben es einfach, das Zeichentalent – einen Sinn dafür, wie man den Bleistift führen muss, um danach ein fotoähnliches Bild zu bekommen, präzise und proportioniert gezeichnet. Selbst, wenn diese Personen noch nie einen Zeichenkurs belegt haben. Man sollte sich davon jedoch nicht einschüchtern lassen – wer weiß, was man aus sich selbst herausholen kann. Und mit viel Übung kann aus jedem ein guter Zeichner werden; zum Beispiel mit Hilfe von Zeichenkursen oder Zeichenbüchern. Erfahren Sie hier über die ersten Zeichenschritte eines Gesichts und ein paar hilfreiche Tipps.
Das „perfekte“ Gesicht
Die Umrisse des Gesichts zeichnet man vorerst als Oval. Dann teilt man das Gesicht durch zwei dünn gezeichnete Linien in vier Hälften auf. Die erste waagerechte Linie befindet sich knapp oberhalb der Mitte des Ovals. Die zweite ist eine senkrechte Symmetrieachse. Auf die waagerechte Linie werden nun symmetrisch zwei blattförmige Augen (mittig zeichnet man zwei Kreise, als Iris und Pupille) gezeichnet, also beide mit gleichem Abstand von der senkrechten Linie. Man orientiert sich immer an diesen zwei Linien, die dem Gesicht Symmetrie verleihen, damit man sozusagen das perfekte Gesicht bekommt. Die Nase ist der etwas schwierigere Teil, da sie hervorsteht und später kann man sie vor allem durch Schatten realistisch aussehen lassen.
Vorerst, da es nur um die Position geht, beginnt man mit der Nasenwurzel knapp unterhalb der sich kreuzenden Linien. Nach unten wird die Nase (man orientiert sich weiter an der senkrechten Linie) etwas breiter, wenn man bei den Nasenflügeln angelangt – zwischen diesen und der Nasenspitze gibt es einen leichten Knick nach innen, die Rundung der Nasenspitze geht einen Tick weiter nach unten. Der Abstand zwischen Nase und Mund entspricht in etwa der Breite eines Auges. Die oberen Lippen werden in einer geschwungener Linie gezeichnet ähnlich einem lang gezogenem Herzen oder einer genau umgedrehten geschweiften Klammer. Die untere Lippe macht eine leichte Wölbung in Richtung Kinn, ein gerader Strich teilt dir beiden Lippen.
Fertig ist das perfekte Gesicht. Nun wird man feststellen, das gerade die Makel und Ungleichheiten im Gesicht die Schönheit und Einzigartigkeit ausmachen. Kein Mensch würde so aussehen – denn kein menschliches Gesicht ist tatsächlich symmetrisch. Man kann dies mit einer einfachen Spiegelung des eigenen Gesichts mit einem Fotoprogramm nachprüfen – mit einem symmetrischen Gesicht würde man völlig anders und seltsam aussehen. Um das Gespür für die Proportionen zu bekommen, ist diese Übung jedoch sehr hilfreich.
Ein Gesicht abzeichnen
Wählen sie hierzu ein Foto oder Poster einer Person, die von vorne zu sehen ist und keine außergewöhnlichen Grimassen zieht, sondern am besten leicht lächelt ohne den Mund zu öffnen.
Im Grunde zeichnet man auch hier zuerst ein Oval. Doch man sieht sich Wangen, Kinn und Stirn des Abzumalenden genauer an und bessert die Stellen, die vom Oval abweichen, aus. Also beispielsweise breitere Backen, ein schmales Kinn oder eingefallene Schläfen. Die zwei Linien kann man sich dennoch einzeichnen (um sich daran zu orientieren und sie nachher auch wieder entfernen zu können!). Man überprüft, an welchen Stellen die Augen liegen, ob eines minimal größer oder kleiner ist, wie groß sie im Vergleich zum restlichen Gesicht sind, ob sie nah beieinander oder weit voneinander weg stehen. Auch die Augenbrauen verleihen dem Gesicht seinen individuellen Ausdruck und sollten im richtigen Abstand und Größe gezeichnet werden. Die Nasenwurzel bildet zu den Augenbrauen meist einen Übergang oder eine Fortführung. Auch wenn es erst seltsam aussehen mag, man zeichnet vorerst nur die Umrisse der Nase. Verbessern Sie sich ruhig öfters und radieren sie weg, was sie für nicht richtig befinden! Verzweifeln Sie aber auch nicht an Details und fangen sie wenn notwendig erst gröber an. Unter der Nase befinden sich zwei Rillen, die zur Oberlippe überleiten. Zeichnen sie die Lippenform ab und versuchen sie die Verhältnisse zwischen Augen, Nase und Mund festzustellen, in welcher Größe sie zueinander stehen.
Lichtverhältnisse und Schatten
Der nächste Schritt ist es herauszufinden, aus welchem Winkel das Licht einfällt und wie scharf. Hinterlässt es sehr dunkle, scharfkantige Schatten, die bestimmte Gesichtpartien kaum erkennen lassen? Trifft das Licht direkt von vorne auf das Gesicht, und hinterlässt nur wenige Schatten? Strahlt es von unten von oben? Von links oder rechts? Mit den helleren und dunkleren Stellen im Gesicht verleiht man dem Bild Form und realistisches Aussehen. Vor allem die herausstehende Nase nimmt durch die Schatten Form an. Durch die Hell-Dunkel-Unterschiede schafft man eine dritte Dimension, die das Bild von Kinderzeichnungen unterscheidet. Es muss auch auf die verschiedenen Schattentiefen geachtet werden. Von einem farbigen Bild lassen sich dunkle, oder mittelhelle Stellen einfach in Grautöne übertragen. Man drückt unterschiedlich fest mit dem Bleistift auf, vom Licht direkt angestrahlte Stellen bleiben weiß.
Das Gesicht sieht anders aus!
Wenn man seine Zeichnung schon fast fertig gestellt hat, fällt oft auf, dass irgendetwas nicht stimmt. Egal wie lange man den Fehler sucht, das abgemalte und das originale Gesicht stimmen nicht überein. Hier hilft es oft, eine andere Person nach Rat zu fragen. Schaut diese sich das Bild an, erkennt sie oft sofort die Unstimmigkeit – was daran liegt, das diese Person das Bild objektiver betrachten kann. Kaum ist der Fehler bekannt, fällt er einem auch selbst auf.
Und denken Sie daran: Selbst, wenn man nicht erkennt, wen die Zeichnung darstellen soll – Hauptsache, es ist ein schönes, menschliches Gesicht geworden, und vor allem: Sie hatten Spaß daran! Damit ist der erste Schritt von vielen begeisterten Zeichenstunden getan.
Dieser Artikel basiert auf den Erfahrungen der Autorin, die selbst regelmäßig Bleistiftzeichnungen anfertigt.
