
- Selbstgemachte Kopfspindel aus Fimo & Essstäbchen - S. Arif
Im Laufe unserer Geschichte haben findige Menschen die unterschiedlichsten Spindeltypen entwickelt. Stoffe aus handgesponnenen Garnen werden schon seit Jahrtausenden hergestellt, nur natürlich, dass sich hier die unterschiedlichsten Spindeltypen entwickelt haben. Spinnen als Handarbeit liegt in den letzten Jahren voll im Trend der Zeit.
Spinnrad & Spindeltypen
Die verbreitetsten sind Hochwirtelspindeln (auch Kopfspindel genannt, im englischen Sprachraum „High-Whorl-Spindle“ oder „Top-Whorl-Spindle“), Tiefwirtelspindeln (Fußspindeln, auf englisch „Down-Whorl-Spindle“ oder „Drop-Spindle“) oder Kreuzspindeln. Letztere haben den Vorteil, dass man nach dem Spinnen das Kreuz herausziehen kann und so direkt ein zum Knäuel gewickeltes Single-Garn – fertig zur weiteren Verarbeitung – hat. Spinnräder fanden übrigens erst ab dem Mittelalter Verbreitung und waren damals wie heute sehr teuer. In einigen Städten – wie zum Beispiel Köln – waren sie sogar zeitweilig von den Zünften verboten. Handspindeln produzieren ebenso qualitativ hochwertiges Garn und sie haben einen großen Vorteil: man kann sie einfach in die Tasche packen und mitnehmen.
Anleitung zum Selbstbau einer Handspindel aus Fimo
Je nach vorhandenem Material und gewünschter Größe und Schwere der Spindel benötigt man 1/2 bis 1 Päckchen der Modelliermasse Fimo oder jeder anderen ofenhärtenden Modelliermasse. Mit dieser Bastelmasse zum Modellieren kann man nicht nur schönen Schmuck und Perlen herstellen, sondern auch wunderschön marmorierte und kreativ gestaltete Handspindeln zum Spinnen von Wolle und anderen Spinnfasern. Sehr praktisch: wenn die Spindel herunter fällt, zerbricht der Wirtel wegen des flexiblen Materials nicht. Mehr Wissenswertes zum Thema Handspindeln findet sich in dieser Bauanleitung für eine Handspindel aus Holz.
Kopfspindel zum selber machen
Die hier gezeigte Spindel besteht aus einem zweiteiligen, miteinander verbundenem Wirtel. Die einfachste Art wäre natürlich eine simple Scheibe oder eine andere ausgewogene Form, die beim Drehen einen guten Drall gibt und nicht gewichtsmäßig ungleichmäßig ausbricht. Deswegen wurde hier ein schwerer, kreisrunder Wirtel als Grundlage gewählt und darauf ein ausgefalleneres Muster mit dünn ausgerolltem Fimo appliziert.
Benötigtes Material zum Spindelbau aus Knetmasse
- 25 - 30 g Fimo
- konisches Essstäbchen aus Holz (ca. 5 g, Länge 25 cm)
- Kleines Häkchen mit Gewinde (Alternativ: fester Draht, Vorbohrer, Sekundenkleber)
- Plätzchenform zur Verzierung
- Rundes Glas zum Ausstechen des Wirtels (Durchmesser ca. 7 cm)
- Holzbrett oder Glasbrett
- Kleines Nudelholz
- Backblech
- Klarsichtfolie
- Alufolie
- Strohhalm
- Rundfeile
- Rundzange
Zum Verzieren des Spinnwirtels
- Glitter-Kleber
- Lack
- Pinsel
Anleitung zum Bau der Hochwirtel-Spindel aus Fimo
- Das Fimo weich kneten, eventuell zwei Farben miteinander vermischen, auf das Brett geben und mit dem Nudelholz auswalzen.
- Den runden Spindelwirtel mit dem Glas ausstechen, die Dicke sollte ca. 0,6 cm betragen.
- Das Fimo dünner auswalzen und mit einem Ausstechförmchen die gewünschte Form – sie sollte auch relativ gleichmäßig in der Form und der Gewichtsverteilung sein – ausstechen, mittig ausgerichtet auf den runden Wirtel legen und sanft festdrücken.
- Mit einem Messer am Rand je nach Bedarf ein oder zwei Kerben einschneiden, damit das Garn hier fest sitzt und beim Spinnen nicht von der Spindel springt.
- Genau in der Mitte mit dem Strohhalm ein gerades, kreisrundes Loch ausstechen. Darauf achten, dass der Stichkanal wirklich senkrecht verläuft.
- Mit dem zukünftigen Schaft die Öffnung vorsichtig weiten, bis sie die richtige Größe hat. Die schmal zulaufende Seite sollte dabei unten sitzen, auf der breiteren Seite der Wirtel. Den hölzernen Schaft wieder entfernen.
- Den Fimo-Wirtel auf ein Stück Alufolie legen und auf einem Backblech im vorgeheizten Backofen bei ca. 110° für 20 – 30 Minuten backen. Auskühlen lassen – erst dann ist er wirklich ausgehärtet.
- Den Wirtel – mit leichtem Schieben und Drehen – auf den Schaft der Spindel setzen. Eventuell muss man das Loch mit der Rundfeile noch vorsichtig und gleichmäßig vergrößern. Der Wirtel sollte eigentlich ohne Hilfsmittel fest auf dem Stäbchen sitzen. Falls nicht, kann man mit etwas Kleber nachhelfen. Der Schaft sollte ca. 1,5 – 2 cm herausragen.
- Häkchen in der Oberseite des Schafts eindrehen, oder ein Loch mit dem Handbohrer vorbohren und einen handgefertigten Haken einsetzen und mit Sekundenkleber festkleben.
- Die Oberseite des Wirtels mit Glitterkleber verzieren, trocknen lassen und mit Klarlack lackieren.
Tipp: Zwischen Klarsichtfolie gelegt lässt sich das Fimo leichter ausrollen und problemloser wieder ablösen.
Nach der Trocknung ist die Spindel gebrauchsfertig – natürlich muss man den Haken mit einer Zange noch ein wenig justieren, bis die Handspindel wirklich rund und lange läuft, ohne zu eiern.
