Anleitung zur Herstellung von Stille

Stille Muster - Kathrin Kiss-Elder
Stille Muster - Kathrin Kiss-Elder
Wie lässt sich Stille im Alltag herstellen? Beantwortet wird diese Frage entlang der Beseitigung von Lärm und durch Übungen.

Stille ist heute ein sehr kostbares Gut, nicht nur für die, die bewusst Kontemplation suchen. Ohne Stille finden Menschen nur schwer zur Ruhe, finden schwer zu sich und schwer zu anderen. Welche Qualitäten hat Stille und wie lassen sich diese herstellen?

Stille bedeutet Abwesenheit akustischen Lärms

Deshalb sollte man jegliche Lärmquellen vermeiden, wo es geht. Das bedeutet, sich selbst in seiner Behausung eine Ecke, noch besser einen Raum zu schaffen, in dem es ruhig ist. Etwa im Schlafzimmer oder im Arbeitszimmer. Hier ist es, zumindest im Alltag, ruhig. Hier wird in Zimmerlautstärke geredet, hier gibt es weder Radio- noch Fernsehgeräusche. Diese Regeln sind sinnvoll, damit Stille Raum bekommt.

Solche Räume der Stille sind äußerst kostbar, und sie verdienen es, entsprechend geschützt und verteidigt zu werden. Solche Räume lassen sich nicht nur in der eigenen Wohnung, sondern auch in Privatgärten, in Wohnprojekten, aber auch in Betrieben herstellen.

Grundsätzlich wird der Fernseher nur eingeschaltet, wenn wirklich Fernsehen geschaut wird, das Radio nur eingeschaltet, wenn aktiv Radio gehört wird. Ein Leben ohne MP3-Player mag manchen fast unvorstellbar sein, aber es ist einen Versuch wert, auf ihn weitgehend zu verzichten. Grundsätzlich wird Musik nur dann gehört, wenn ihr auch wirklich zugehört wird: Bewusst genießend, bewusst lauschend. Jegliche Berieselung mit Musik beim Lesen, beim Unterhalten wird vermieden.

Das kann für die, die es nicht gewohnt sind, äußerst schwer sein. Doch es lohnt sich, damit ein paar Wochen zu experimentieren. In Familien kann Musik af Kinderzimmer verbannt werden, wer ansonsten Musik hört, kann es auch über Kopfhörer tun. Wer unterwegs sich nicht mehr mit MP3-Player zustöpselt, ist dem Umgebungslärm stärker ausgesetzt, aber er wird auch offener für die Geräusche und Signale anderer. Wer sich beim Autofahren nicht mit Musik nicht unterhält, reagiert vielleicht verkrampfter. Wer sich verkrampft, kann ein paar Mal tief durchatmen und versuchen, sich wieder auf natürliche Umgebungsgeräusche einzulassen.

Stille bedeutet die Abwesenheit optischen Lärms

Was viele vergessen: Wer Stille herstellen will, muss dadurch seine Umgebung nicht nur akustisch, sondern auch optisch vereinfachen. Dazu wird alles Überflüssige entfernt. Überflüssiges meint im Zweifelsfall alles, was nicht in Benutzung ist: Ob es elektronische Geräte sind, die nicht oder kaum gebraucht werden, Bücher oder natürlich Nippes ohne wirklich zentralen symbolischen Wert. Es lohnt sich, eine solche Entrümpelung zumindest ein- bis zweimal im Jahr durchzuführen. Man kann diese Dinge ja verschenken, es muss nicht alles in den Müll wandern.

Stille bedeutet übendes Lauschen

Die Herstellung von Stille kann gezielt geübt werden. Dies geschieht etwa dadurch, dass man sich auch in der Öffentlichkeit von Zeit zu Zeit in komplettem Schweigen bewegt. Etwa durch einen gemeinsamen schweigenden Spaziergang mit seinen Kindern oder einem guten Freund. Durch eine Schweigestunde zuhause oder sogar im Büro. Es entsteht eine Intimität, die die Kraft der Stille zeigt.

Stille kann geübt werden, indem ein Abend in der Woche oder zumindest im Monat der Stille gewidmet wird. An diesem Abend bleibt der Fernseher aus, auch der CD-Player oder das Radio und jedes Familienmitglied hat die Freiheit, sich im Schweigen zurückzuziehen. Denn nur indem man sich ab und zu in die Stille zurückzieht, gewinnt das Wort wieder Bedeutung.

Dr. Kathrin Kiss-Elder 2012, Kathrin Kiss-Elder

Kathrin Kiss-Elder - Jg. 1967, Dr. phill Dipl.-Psych, Dialog-Prozessbegleiterin Arbeitschwerpunkte: kreative Lösungen für Menschen und ...

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