Anne Bonny - eine Frau als Pirat in der Karibik

Piratenflagge von Calico Jack Rackham - Public Domain
Piratenflagge von Calico Jack Rackham - Public Domain
Nicht nur Männer waren als Piraten in der Karibik unterwegs. Anne Bonny liebte Piraten und lebte unter Piraten.

Anne Bonny wurde als Anne Brennan (später Anne Cormac) in Kinsdale in Irland geboren. Das genaue Geburtsdatum ist nicht überliefert, wird aber zumeist auf die Jahre 1697 bis 1700 eingegrenzt. Einige Quellen nennen den 8. März 1700 als ihren Geburtstag, was aber umstritten ist. Nicht umstritten ist hingegen der Name ihres Vaters. Der angesehene Jurist William Cormac leistete sich einen Fehltritt mit seiner Dienstmagd Mary Peg Brennan, was in der damaligen Gesellschaft einen ungeheuren Skandal auslöste. Als Cormac alle seine Klienten verlor, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit Geliebter (und späterer Ehefrau) und Tochter nach South Carolina auszuwandern. Dort kaufte sich Cormac eine Plantage und war wirtschaftlich äußerst erfolgreich.

Der Wildfang von Charleston

Anne, die es vorzog, in Charleston statt auf der Plantage zu wohnen, entwickelte sich zu einem wahren Wildfang. Nicht selten prügelte sie sich mit Männern, wenn die zudringlich wurden. Einer, so heißt es, hätte nach so einer Schlägerei eine Woche lang das Bett hüten müssen. Im Hafen von Charleston lernte Anne einen Mann namens James Bonny kennen. Bonny war ein unbedeutender Pirat, doch Anne verliebte sich in diesen Abenteurer – ganz gegen den Willen ihres Vaters. Anne und James heirateten, und William Cormac verstieß daraufhin seine Tochter.

Ein schlagfertiges Piraten-Liebchen

Mit James Bonny reiste Anne nach New Providence, der heimlichen Piratenhauptstadt der Bahamas. Die Sitten unter den Piraten gefielen Anne, und mehrfach benahm sie sich in aller Öffentlichkeit grundsätzlich anders, als man es damals von Frauen erwartete. So wird berichtet, dass sie recht skrupellos die Geliebte von Chidley Bayard, einem der reichsten Männer der Karibik, aus dem Weg räumte, um sich selbst zu seiner Geliebten zu machen. Und bei einem Ball im Hause des Gouverneurs kam es zu einem handfesten Skandal. Die Schwägerin des Gouverneurs von Jamaica ließ die Bemerkung fallen, Anne sei es nicht wert, dass man sie kennen müsse, und sie möge doch bitte Abstand halten. Anne antwortete darauf, dass der Abstand gerade genau richtig sei – und schlug ihr zwei Zähne aus.

Da Bayard nun durch Anne gesellschaftlich kompromittiert war, ließ er sie fallen. Anne suchte nach einem neuen Geliebten und fand ihn in »Calico« Jack Rackham. Die Beziehung zwischen den beiden wurde bekannt, und als die Nachricht die Runde machte, Anne sei schwanger und dies nicht von ihrem Ehemann, wurde der Druck auf Anne Bonny immer größer. Am Ende ergriffen Jack Rackham und Anne die Flucht und verließen New Providence.

Flucht mit Calico Jack Rackham

Anne blieb als Mann verkleidet auf Rackhams Piratenschiff, bis schließlich ihre Schwangerschaft nicht mehr zu verstecken war. Die letzten Wochen vor der Geburt verbrachte Anne auf einer kleinen Insel vor Kuba. Das Kind kam als Frühgeburt auf die Welt und lebte nur wenige Tage. Anne war durch den Tod ihres Kindes schwer getroffen und gab sich und ihrem Lebenswandel die Schuld. Rackham wusste sich nicht mehr zu helfen und segelte zurück nach New Providence, um die vom Gouverneur der Bahamas in Aussicht gestellte Generalamnestie für Piraten zu beanspruchen..

Dort aber wartete James Bonny, der alles tat, um Anne und Jack Rackham auseinander zu bekommen und irgendwie Rache zu nehmen. Der Gouverneur der Bahamas schlug vor, eine Scheidung durch Zahlung von Geld durchzuführen. Anne, die sich dadurch wie ein Stück Vieh verkauft fühlte, protestierte wütend und drohte damit, jeden an dieser Aktion Beteiligten eigenhändig umzubringen. Das war nun auch für den verständnisvollen Gouverneur zu viel, und erneut mussten Anne und Jack Rackham fliehen.

Gefangen durch Piratenjäger

Nach Wochen und Monaten auf See wurde im Oktober 1720 Rackhams Schiff vom Piratenjäger Barnet überfallen. Da Rackhams Männer nach einem ausgiebigen Gelage noch sturzbetrunken waren, eroberten Barnets Leute das Schiff nahezu kampflos. Nur Anne Bonny und die einige Monate zuvor an Bord gekommene Mary Read leisteten nennenswerten Widerstand. Alle Gefangenen wurden nach Jamaica gebracht und dort vor Gericht gestellt. Rackham und elf seiner Männer sowie beide Frauen wurden zum Tode durch den Strang verurteilt.

Sowohl Anne Bonny als auch Mary Read machten geltend, dass sie schwanger seien. Dies bedeutete einen Aufschub der Hinrichtung, bis das jeweilige Kind geboren war.

Im Gefängnis von Jamaica

Als Rackhams Hinrichtung bevorstand, bekam er die Erlaubnis für einen letzten Besuch bei Anne Bonny. Sie verabschiedete sich von ihm mit den Worten: »Es tut mir Leid, Jack. Aber wenn du gekämpft hättest wie ein Mann, dann müsstest du jetzt nicht hängen wie ein Hund.«

Mary Read starb wenige Monate später im Gefängnis, vermutlich an einer Fieberkrankheit. Nahezu zeitgleich verliert sich die Spur von Anne Bonny. Am wahrscheinlichsten gilt, dass ihr wohlhabender Vater Nachricht vom Schicksal seiner Tochter bekommen und sie gegen Zahlung eines Lösegeldes vom Galgen freigekauft hat. Den Rest ihres Lebens (sie war zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme etwa 20 Jahre alt) soll sie unter neuem Namen in South Carolina verbracht haben.

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Siegfried Dierker, Siegfried Dierker

Siegfried Dierker - Jahrgang 1958; gebürtiger Westfale, wohnhafter Niedersachse; nach Abitur und Bundeswehr Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, ...

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