"Die Rente ist sicher" – dieser Ausspruch des früheren Bundesarbeitsministers Norbert Blüm hat sich als falsch erwiesen und ist inzwischen zu einem geflügelten Wort geworden und längst überholt. Vielmehr empfehlen die Bundesregierungen seit Jahren, zusätzlich selbst noch Vorsorge zu betreiben, damit im Alter mit der Rente der Lebensunterhalt bestritten werden kann. Wer jetzt schon etwas für seine finanzielle Vorsorge im Alter tut, muss dafür künftig mehr bezahlen, um sein angedachtes Niveau zu erreichen, weil das Niveau der gesetzlichen Rente weiter sinken wird.

Diskussion in der SPD zur Rente

Auf dem am 5. Dezember beendeten SPD-Bundesparteitag war die Rente eines der beherrschenden Themen. Der Parteitag hat einen Antrag der Parteilinken, angeführt von Ottmar Schreiner, abgelehnt, wonach das Rentenniveau nicht von jetzt rund 50 Prozent auf 43 Prozent des Einkommens sinken soll. Allerdings wird der Parteitag 2012 erneut zu diesem Thema entscheiden.

In der Zwischenzeit soll sich eine Kommission des Parteivorstandes mit der Weiterentwicklung der Altersvorsorge beschäftigen. Ein Halten des derzeitigen Rentenniveaus bedeutet nach den Worten des SPD-Parteivorsitzenden auf dem Parteitag die Mehrausgabe von 20 Milliarden Euro. Weiter beschloss die SPD in einem gebilligten Leitantrag, den Rentenbeginn mit 67 Jahren auszusetzen, solange nicht mindestens 50 Prozent der 60- bis 64-jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Rentenniveau: Was ist das?

“In den kommenden Jahren werden die Renten langsamer steigen als die Löhne und das Niveau der gesetzlichen Altersversorgung wird bis zum Jahr 2025 im Vergleich zu heute um etwa zehn Prozent sinken.“ So lautet die lapidare Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. Weiter heißt es: „.Während das aktuelle Sicherungsniveau bei 50,8 Prozent vor Steuern liegt, wird es sich bis zum Jahr 2025 auf 45,2 Prozent reduzieren. Im Gesetz ist geregelt, dass das Rentenniveau ab 2021 die Marke von 43 Prozent nicht unterschreiten soll."

Das „Rentenniveau vor Steuern“ ist ein Spiegel des Verhältnisses zwischen der Rente, die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren erhält, und dem aktuellen Durchschnittseinkommen eines Arbeitnehmers an. Das Ministerium geht in seiner Antwort davon aus, dass sich das Durchschnittseinkommen von derzeit 30.268 Euro im laufenden Jahr bis 2025 auf 46.700 Euro erhöht. Das ist eine Steigerung um 54 Prozent. Die Renten erhöhen sich im selben Zeitraum jedoch nur um knapp 34 Prozent. Die Folge ist, dass das Rentenniveau sinkt.

Weiter verwies das Ministerium auf den jüngsten Rentenbericht der Bundesregierung und wies auf die Möglichkeiten der Riester-Rente hin, die augenblicklich sehr stark umstritten ist.

Die Gäste bei „Anne Will“

Ist es wirklich gerecht, wenn jemand ein Leben lang arbeitet und dann von seiner Minirente nicht leben kann. Schließlich waren es Pflichtbeiträge zu Rentenversicherung, die der Staat Monat für Monat vom Verdienst einbehalten hat. Muss er dann nicht auch dafür sorgen, dass die Rente reicht? Muss man den Alten in einem Nebenjob oder gar in einem verpflichtenden sozialen Jahr mehr abverlangen? Arbeit statt Costa Blanca? Wie könnte ein fairer Generationenvertrag aussehen?

Zu dem plakativ formulierten Thema „Malochen bis 67 und dann arm - ist das sozial?" hat Anne Will als ihre Gäste die Rentnerin und Toilettenfrau Monika Bauch, den Sozialpolitiker im Deutschen Bundestag aus dem linken Flügel der SPD Ottmar Schreiner, das Mitglied des FDP-Parteivorstandes Johannes Vogel, den CDU-Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Senioren-Union in Nordrhein-Westfalen Leonhard Kuckart, den Philosophen und Autor Richard David Precht und den Finanzberater Bernd W. Klöckner eingeladen

Quelle: ARD-Programminformation, ARD-Pressemeldung, tagesschau.de

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