Die kleine Sängerin ist denkbar schlicht gekleidet. Schwarzes Kleid, schwarze Strümpfe, schwarze Schuhe. Nein, es ist nicht die kleine Edith Piaf. Es ist Annett Louisan deren Titel sehr stark an Chansons angelehnt sind. Ganz und gar unschuldig sieht das 152 cm lange Persönchen mit den langen braunen Haaren und dem zarten Gesicht aus. Ihre Finger sind immer in Bewegung, lassen sie extrem nervös und schüchtern wirken und unterstreichen dabei den Eindruck des harmlosen kleinen Engels umso mehr. Die Stimme ist sanft und ruhig, die musikalische Begleitung auch, doch einfach nur dahinplätschern tut hier gar nichts. Denn Annett Louisans Texte haben es in sich. Sie sind frech und kess. Aber niemals beleidigend.

Charmant-freche Texte

Niemand besingt einen "Torsten Schmitt" so charmant als Arschloch wie sie. Ihre Texte haben Tiefe und Witz, die Musik geht leicht ins Ohr und hat doch einen gewissen Anspruch.

Ist Louisan tatsächlich so, wie sie in ihren Liedern singt so verlässt sie gerne. Schließlich lautet ihre Devise "Lieber einsam beisammen als einsam zu zweit". Dann allerdings leidet sie auch unter akuter "Pärchenallergie", die frischgebackene Singles sicherlich nachvollziehen können. Identifizieren können sich auch viele mit der Sängerin wenn diese ihrer Freundin Eve erzählt.

Musik pur

Louisan verzichtet bei Ihrem Konzert auf jeden Showeffekt. Keine Kleiderwechsel, Keine speziellen Lichteffekte und keine fetzigen Titel. Sie stellt sich einfach nur mit ihren drei Musikern auf die Bühne und singt. In einer Zeit in der beinahe alles nur noch auf die "große Show" ausgerichtet ist funktioniert Luisans Konzept immer wieder überraschend gut. Es ist ihr Markenzeichen und Erfolgskonzept. Sie wechselt zwischen sehr leisen und gefühlvollen Tönen (wie etwa bei Papillon) bis hin zu etwas schungvolleren kleinen Ausbrüchen. Ihre drei Musiker greifen immer wieder zu anderen Instrumenten. So kommen neben Cello, Gitarre und Akkordeon sogar das seltene Ondes Martenot (ein sehr früher Vorläufer des heutigen Synthesizers) zum klingen.

Überraschend viel Stimme

Doch Annett Louisan sing nicht nur eigene Texte. Mit Titeln wie "Wenn du mich einmal loswerden willst" von der Nicht-Sängerin Hildegard Knef oder "Nur nicht aus Liebe weinen" von Zarah Leander zeigt sie wie kraft- und klangvoll ihre Stimme sein kann. Mit ihnen zeigt sich erst wie groß die stimmlichen Möglichkeiten der Sängerin eigentlich sind. Die Fliegenden Bauten sind für dieses charmante Konzert der ideale Rahmen auf den sich die Künstlerin schon so gefreut hatte. "Ich wollte schon immer mal hier, in diesem kleinen Rahmen meine Titel präsentieren", gesteht sie dem begeisterten Publikum.

Annett Louisan ist noch bis zum 25. August 2012 auf Deuschland-Tournee.