
- Magersucht - Toscani
Als Anorexia nervosa wird ein Krankheitsbild bezeichnet, das als Ausdruck eines seelischen Konfliktes zu einem extremen Gewichtsverlust führt. Ursächlich dafür ist die idealisierte Vorstellung von einem reduzierten Körpergewicht und der gleichzeitigen Panik, zu dick oder auch nur normalgewichtig zu sein.
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 1,9 Millionen Menschen bereits im Kinder- und Jugendlichenalter an Essbrechsucht (Bulimie) oder Magersucht (Anorexie). Diese Krankheitsbilder vermischen sich oftmals. Etwa 93 Prozent der Erkrankten sind Frauen, die Tendenz bei den Männern ist steigend. Meist beginnt die Krankheit in der Pubertät, manchmal jedoch auch nach dem 25. Lebensjahr.
Ursachen
Wird innerhalb der Familie von Mutter oder Geschwistern ein essgestörtes Verhalten vorgelebt, können Kinder dies verinnerlichen. Manche Mütter haben Angst, ihre Nachkommen könnten zu dick werden und trichtern ihnen ein, wie hässlich das wäre. In der Vorpubertät werden viele Jugendliche ein wenig pummelig, was an sich ganz normal ist. Jedoch ist in diesem Alter die Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität am größten. Kleinste Bemerkungen bezüglich des eigenen Körpers können zutiefst verletzen. Dann beginnt oftmals die erste Diät, die zu krankhaften Essstörungen führen kann. Umfragen unter zehn und 11 Jahre alten Schülern in Bayern, durchgeführt vom Therapiezentrum für Essstörungen (TCE) am Max Planck Institut für Psychiatrie in München ergaben, dass 49 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen gerne dünner wären. 33 Prozent von ihnen hatten schon einmal versucht abzunehmen.
Das "Idealbild", das in den Medien vorgelebt wird, ist überwiegend trügerisch und oftmals fatal. Ein Großteil der Models hat eine unter dem Durchschnitt liegende Kleidergröße und kann diese nur mittels strenger Diät halten. Zwar hat sich in den letzten zwei Jahren, aufgrund von Todesfällen, bei dem einen oder anderen Modemacher das Bewusstsein geändert, aber dies nur in Eintelfällen.
Genetische Disposition sowie verschiedene psychologische Ursachen können ebenfalls auslösend sein, so dient Magersucht oftmals als Kompensation von Gefühlen. "Viele Betroffene empfinden den Hunger als ein Gefühl, das man benennen kann, und die anderen Gefühle, mit denen sie nicht umgehen können, unterdrückt.", so die Psychologin Ellen Rosemeier vom Beratungszentrum Dick & Dünn e.V. in Berlin.
Auswirkungen der Krankheit
Bislang werden etwa 25 Prozent der Essgestörten geheilt, 20 Prozent sterben - teilweise noch an den Spätfolgen, teilweise durch Suizid. Mehr als 50 Prozent haben auch nach der Therapie noch Essstörungen oder leiden an einer anderen psychischen Krankheit.
Etwa 50 Prozent der Erkrankten leiden an Depressionen. Das wesentliche Krankheitszeichen ist eine starke Gewichtabnahme um mehr als 15 Prozent des Normalgewichts, oftmals auch mehr. Die Beschäftigung mit dem Thema "Essen" beherrscht ihr Leben. Weiterhin kennzeichnend ist eine ausgeprägte sportliche Überaktivität bis zur völligen körperlichen Erschöpfung. Meist leiden die Erkrankten an chronischer Verstopfung, trockener Haut, trockenen Haaren, niedriger Körpertemperatur sowie Magenbeschwerden. Es treten Störungen im Hormonhaushalt auf.
Bei Fortdauer der Krankheit, und oftmals danach, zeigen sich gesundheitliche Spätfolgen wie Nierenschädigungen, irreversible Zahnschäden und Paradontose sowie dauerhafte Schäden des Immunsystems. Hinzu kommt Osteoporose - die Knochendichte einer 25jährigen, die seit neun Jahren an Anorexie leidet, entspricht der einer 70jährigen Frau.
