
- Samuel Eto'o wechselte nach Dagestan. - Global Sports Forum
In Deutschland gibt es noch immer viele Fußballfans, die sich schwer damit tun, die TSG Hoffenheim in der 1. Bundesliga zu akzeptieren. Dass der Verein dank der finanziellen Zuwendungen des Untenehmers Dietmar Hopp im Laufe von 18 Jahren von der Kreisliga in die höchste deutsche Spielklasse marschieren konnte, wird gerade von den Anhängern der großen Traditionsclubs, die seit Jahrzehnten die Bundesliga prägen, kritisch betrachtet. Der TSG Hoffenheim haftet der Ruf an, ein "Retortenclub" zu sein, der sich den Erfolg in Rekordgeschwindigkeit erkauft hat, doch selbst die größten Hoffenheim-Kritiker dürften über die Verhältnisse in der Bundesliga dankbar sein, wenn sie den Blick auf den russischen Verein Anschi Machatschkala richten, der im Jahr 2011 für Wirbel in der Sportpresse sorgt.
Ein Spitzenclub für eine Unruheregion
Die Stadt Machatschkala liegt im Nordkaukasus in der Republik Dagestan. 1991 wurde hier der Fußballverein FK Anschi Machatschkala gegründet, der seit 2010 wieder in der höchsten russischen Spielklasse, der Premjer-Liga, spielt. Für die internationale Fußballwelt interessant ist der Club jedoch erst seit er im Januar 2011 von dem Milliardär Suleiman Kerimow übernommen wurde. Kerimow, der sein Vermögen mit Rohstoffen und Immobilien gemacht hat, verfolgt das ehrgeizie Ziel, den FK Anschi Machatschkala zu einem der Top-Clubs Europas zu machen. Die unruhige politische Lage in der gesamten Region soll dabei kein Hinderniss sein.
In Dagestan leben über 30 verschiedene Völker auf engstem Raum zusammen. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Konflikten zwischen tschetschenischen Aufständischen und den Behörden, bei denen viele Menschen getötet werden. Aus diesem Grund leben und trainieren die Spieler des FK Anschi Machatschkala in Moskau und reisen nur zu den Heimspielen in die Stadt, die sie offiziell repräsentieren. Dies sind alles andere als ideale Bedingungen für einen potentiellen Spitzenclub, der Titel erringen will.
Weltmeister und europäische Champions im Nordkaukasus
Den bislang größten Transfer-Coup landete Kerimow mit der Verpflichtung von Samuel Eto'o, der im August 2011 für rund 27 Millionen Euro von Inter Mailand zum FK wechselte und dort rund 20 Millionen Euro im Jahr verdienen soll. Eine Summe, die in dieser armen Region, die kaum Bodenschätze besitzt, unwirklich anmutet. Zuvor konnte Kerimow bereits den ehemaligen brasilianischen Nationalspieler und Weltmeister Roberto Carlos sowie den russischen Nationalspieler Jurij Schirkow (15 Millionen Euro Ablöse an den FC Chelsea) unter Vertrag nehmen. Auch Spieler wie der Ungar Balázs Dzsudzsák, der für 14 Millionen Euro vom PSV Eindhoven kam, und der Marokkaner Mbark Boussoufa, der zuvor beim belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht kickte, sollen Kerimows Club nach vorne bringen.
Anfeindungen aus Russland und der Fußball-Welt
Bei den russischen Fußballfans ist der FK Anschi Machatschkala noch sehr viel unbeliebter, als es die TSG Hoffenheim in Deutschland je sein könnte. Jurij Schirkow wird seit seinem Wechsel bei Spielen der russischen Nationalmannschaft von den eigenen Zuschauern ausgepfiffen und angefeindet. Noch schwerer haben es die dunkelhäutigen Spieler des FK, die rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind.
Auch international hagelt es Kritik, besonders an Samuel Eto'o, der als Musterbeispiel eines Söldners abgestempelt wird. Bei den hohen Summen, mit denen der russische Club lockt, könnten in Zukunft jedoch noch viele weitere Profis den Weg in den Nordkaukasus finden.
