Anschlag von Alexandria macht koptische Kirche weltbekannt

Koptische Kirche in Assuan - Katharina Wieland Müller / pixelio.de
Koptische Kirche in Assuan - Katharina Wieland Müller / pixelio.de
Der feige Selbstmord-Anschlag auf eine christliche Kirche in Alexandria mit 21 Toten erbost die ganze Welt. Doch wer oder was sind eigentlich Kopten?

Kurz nach Mitternacht des 1.Januar 2011, in der ersten Stunde des neuen Jahres, zerriss eine Auto-Bombe eine Gottesdienst-Gemeinde der koptischen Christen in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. 21 Menschen starben und 44 wurden verletzt, als sie ihr Gotteshaus verließen, wo sie in einer Mitternachtsmesse das neue Jahr begrüßt hatten. Gewalttätige Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen waren die Folge. Das weltweite Echo war ein Aufschrei der Empörung: Papst Benedikt XVI. machte Alexandria zum Angelpunkt seiner Neujahrspredigt, Ägyptens Präsident Hosni Mubarak wertete die Tat als eine Kriegserklärung, muslimische Verbände in aller Welt bekundeten ihren Abscheu. Und Milliarden Menschen lernten heute ein Wort, das die meisten vorher nie gehört hatten. Was sind Kopten?

Kopten: Die christliche Kirche Ägyptens

Das Wort „Kopten“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als „Ägypter“. Mit diesem Wort werden, seit die übrige Bevölkerung des alten Reiches zum Islam bekehrt wurde, die ägyptischen Christen bezeichnet. Denn die koptische Gemeinde unterscheidet sich in vielen Dingen von den übrigen christlichen Glaubensrichtungen. Die Kopten betrachten sich als Urchristen oder zumindest als eine der ersten und ältesten Kirchen des Christentums überhaupt. Kein geringerer als der Evangelist Markus selbst soll in Alexandria, der damaligen Weltstadt, die erste koptische Gemeinde organisiert haben. Markus gilt als erster Bischof von Alexandria und starb in dieser Stadt als Märtyrer. Es war die Zeit, als die Römer in Ägypten das Sagen hatten, ohne freilich ihre eigene Religion wirklich durchsetzen zu können.

Die Kopten oder „Kirche von Alexandria“ wuchs über die Jahrhunderte stetig weiter und besaß am Ende genug Macht, um sich dem Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche mit Erfolg zu widersetzen: Da die Kopten in Christus Mensch und Manifestation Gottes zugleich sehen und nicht nur „Gottes Menschensohn“ wie Katholiken und Orthodoxe, wandten sie sich von jenen ab, als es anno 471 auf dem Konzil von Chalcedon (heute Kariköj in Istanbul) zum Bruch kam: Die Kopten und Syrer blieben bei ihrer Lehrmeinung und die westlichen Kirchen bei der ihren.

Die Kopten als altorientalische Kirche

Seitdem pflegen die Kopten ihr Erbe als „altorientalische Kirche“. Sie haben einen eigenen Papst (seit 1971 ist dies Shenouda III) als Nachfolger des Heiligen Markus, pflegen ihre traditionelle Gottesdienst-Sprache (bis heute sind die verschiedenen Liturgien in Koptisch gehalten, was übrigens lange Zeit die moderne ägyptische Staatssprache war, ehe sich Arabisch durchsetzte) ebenso wie ihre bereits beschriebene Einstellung zu Jesus Christus sowie strengen Regeln, Riten und Gebräuche, welche in der jeweiligen Liturgie beziehungsweise Gottesdienstordnung genau und minutiös festgeschrieben sind. Anders als bei den „westlichen“ Kirchen (für die Kopten Ägyptens liegt auch Griechenland und damit die Orthodoxe Kirche „im Westen“) werden die Kinder direkt nach ihrer Taufe konfirmiert und gelten von da ab als vollwertige Gemeindemitglieder, die von Beginn an ins religiöse Leben mit einbezogen werden.

Die Kirche der Märtyrer

Zum Selbstverständnis der Kopten gehört, ähnlich wie bei vielen frommen Juden, die Tradition, dass die „Kirche von Alexandria“ eine Kirche der Märtyrer sei. Das beginnt beim Evangelisten Markus und setzt sich bis in unsere Zeit fort – die Kopten haben seit der Bekehrung Ägyptens zum Islam unter Diskriminierungen und Verfolgung zu leiden. Denn bei den Muslimen gelten die Kopten nicht nur als „Ungläubige“, zumal sie Christus als Gott einstufen und nicht nur als Propheten: In der heutigen Zeit, wo „der Yankee“ sich mithilfe von „Despoten“, wozu auch der autoritäre, im eigenen Land verhasste Mubarak gezählt wird, in verschiedenen arabischen Ländern „eingenistet“ hat, betrachten manche ägyptische Moslems die Kopten als eine Art „Fünfte Kolonne“ des Feindes - eine Befürchtung, die uns Christen übrigens auch schon mehr als einmal den Verstand vernebelt hat.

Zunehmende Gewalt in Ägypten

Deshalb kommt es in Ägypten in den letzten Jahren immer wieder zu blutigen Zusammenstößen und Anschlägen, übrigens von beiden Seiten – denn auch manche Kopten sind der Ansicht, „sich endlich zur Wehr setzen zu müssen“. Es genügen oft schon Marginalien, um die Eiferer beider Seiten aufeinander losgehen zu lassen. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die wahre Ursache dieser Gewalt nicht die Religion selbst ist, sondern die ausweglose Lage der armen, arbeitslosen und ungebildeten Menschen im völlig übervölkerten Nildelta, die sich von der derzeitigen Staatsführung verraten und verkauft wähnen und ein Ventil für ihre Ohnmacht suchen. Die Hinwendung von Millionen Menschen zur Religion hat nur bedingt mit jener Welle der Gewalt zu tun, die sich gegen „Sündenböcke“ richtet und deren Protagonisten letztlich von Drahtziehern geopfert werden, die ihre eigenen Ziele verfolgen.

Der bekannteste Kopte: Boutros Boutros-Ghali

Da verwundert es nicht, dass der weltweit bekannteste Kopte den meisten Menschen gar nicht als solcher bekannt ist: Boutros Boutros-Ghali hieß jener Generalsekretär der Vereinten Nationen, der von 1992 bis 1996 amtierte und sich einen Namen als Vermittler in zahllosen Streitfällen machte. In seine Amtszeit fiel der jugoslawische Bürgerkrieg ebenso wie die Unabhängigkeit Palästinas. Weiterführender Link: Koptische Kirche in Deutschland

Foto: (c) Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

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