
- Antibiotika - Joujou/www.pixelio.de
Immer häufiger wird die Bevölkerung durch Nachrichten über die Ausbreitung von Bakterien aufgeschreckt, welche jeglichen Medikamenten trotzen. Krankheiten, die durch Penicillin und andere Antibiotika fast besiegt schienen, sind wieder auf dem Vormarsch.
Viel zu viel
Galt früher oft die Aussage „viel hilft viel“, so hat sich diese Vorgehensweise ins Gegenteil verkehrt. Bakterien sind wahre Überlebenskünstler. Wird ein Antibiotikum zu häufig oder falsch eingesetzt, entwickeln die Keime Abwehrmechanismen, welche seine Wirksamkeit außer Gefecht setzen. Ein anderes Mittel muss nun verabreicht werden, bis auch dieses nicht mehr hilft, ein Prozess, der nicht beliebig fortgesetzt werden kann. Damit die einstige Wunderwaffe nicht versagt, muss mit diesen hoch wirksamen Medikamenten sorgsam umgegangen werden.
Heutzutage ist es Usus, bei jedem Zipperlein zum Arzt zu gehen und Antibiotika zu verlangen. Allein der Sprachgebrauch macht den sorglosen Umgang mit diesen Medikamenten deutlich: viele Menschen wissen gar nicht, dass die Einzahl „Antibiotikum“ lautet. Es werden gleich eine Vielzahl, bzw. eine Mischung dieser Arzneien verlangt und leider auch oft verschrieben.
Wann ist die Antibiotikum-Einnahme sinnvoll?
Ein Antibiotikum, d. h. ein aus den Stoffwechselprodukten von Mikroorganismen gewonnener Wirkstoff gegen Krankheitserreger, ist nur gegen gesundheitsschädigende Keime bakteriellen Ursprungs wirksam. Dagegen lassen sich mit ihm nicht Krankheiten bekämpfen, welche durch Viren hervorgerufen werden. So ist es unsinnig, damit Erkältungskrankheiten und die echte Grippe (Influenza) heilen zu wollen. Hierbei sind spezielle Medikamente notwendig. In leichteren Fällen greife man zu Hausmitteln wie z. B. Erkältungstees. Haben die Viren allerdings den Boden für Bakterien den Boden bereits bereitet, spricht man von einer Mischinfektion, bei welchen ein Antibiotikum nur in schweren Fällen eingesetzt sollte.
Breitbandantibiotika
Breitbandantibiotika werden angewandt, wenn eine Infektion schnell behandelt werden muss. Ihre Wirkstoffe richten sich gleichzeitig gegen mehrere unterschiedliche Erregertypen. Die Gefahr hierbei ist: kommen Breitbandantibiotika zu häufig zum Einsatz, entwickeln gleich mehrere Erregerstämme Resistenzen, auch wenn diese nicht ursächlich für die Infektion sind. Sinnvoller ist die Medikation mit nur einem Wirkstoff oder wenigen, den Schmalbandantibiotika.
Welches Mittel ist geeignet?
Um ein Antibiotikum sinnvoll zu nutzen, muss der Krankheitskeim durch ein Labor bestimmt werden. Dort werden Kulturen von Patientenproben (Eiterabstrich, Urin usw.) angelegt und ein Antibiogramm wird erstellt, mit dem die Empfindlichkeit bzw. Resistenz von Krankheitskeimen bestimmt werden kann. Auf dieser Grundlage kann ein Antibiotikum sinnvoll und wirksam verabreicht werden. Ein derartiger Labortest dauert zwei bis drei Tage.
Darf man das Medikament absetzen?
Oft setzen Patienten das verschriebene Medikament eigenmächtig ab. Gründe hierfür sind oft eine schnelle Besserung oder Nebenwirkungen. Fühlt sich der Kranke schnell besser, zeigt dies die Wirksamkeit des angewendeten Mittels an. Gleichwohl sollte die Medizin weiter nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Denn nicht alle Bakterien werden sofort abgetötet. Besonders widerstandsfähige Keime haben möglicherweise überlebt, können sich ungehindert ausbreiten und nunmehr Resistenzen bilden.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Antibiotika, insbesondere Breitbandantibiotika, richten sich nicht nur gegen pathogene (krank machende) Keime. Der Mensch ist jedoch von einer Vielzahl von Bakterien besiedelt, ohne die eine normale Körperfunktion nicht möglich wäre (z. die Verdauung). Antibiotika wirken indes auch gegendiese Keime. Probleme mit der Verdauung können die Folge sein. Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen sind häufig. Auch können allergische Hautreaktionen oder Pilzinfektionen auftreten. In jedem Fall ist der Rat eines Arztes einzuholen.
Wechselwirkungen
Vor Einnahme sollte der Beipackzettel genau zu studiert werden. Es könnten Wechselwirkungen mit bestimmten Lebensmitteln eintreten. Bei tetrazyklischen Antibiotika ist eine gleichzeitige Einnahme von Milchprodukten nicht ratsam. Das Kalzium in den Milcherzeugnissen bremst die Wirkung eines derartigen Antibiotikums. Auch sollten die oft sehr großen Tabletten nicht zerteilt werden. Einige der Medikamente könnten von der Magensäure zerstört werden. Davor schützt die Ummantelung der Tablette, welche erst im Darm aufgelöst werden soll.
Vorsicht geboten ist auch bei gleichzeitiger Einnahme der Antibabypille: etliche Antibiotika beeinträchtigen deren Wirkung.
Krankenhauskeime
Immer öfter ist von sekundären Infektionen an einem Ort mit dem größtmöglichen Sauberkeitserfordernis, dem Krankenhaus, zu hören. Schlecht heilende Wunden, Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte und Blutvergiftungen sind auf multiresistente Erreger zurückzuführen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sterben in Deutschland jährlich bis zu 2.000 Menschen nach Infektionen mit Krankenhauskeimen.
Tiermast
Viele Menschen glauben, vor solchen Keimen geschützt zu sein, weil sie einen sorgsamen Umgang mit Antibiotika pflegen. Leider ist dies ein Trugschluss. Tonnenweise werden Antibiotika in der Tiermast eingesetzt. Einerseits um Krankheiten zu verhindern, welche unter den miserablen Lebensbedingungen der Tiere in Massentierhaltung rasch um sich greifen. Andererseits, weil medikamentös behandelte Tiere schneller ihr Schlachtgewicht erreichen. Auch hier gilt oftmals der Grundsatz: viel hilft viel – eine verhängnisvolle Praktik.
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Bitte beachten Sie, dass ein Suite 101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann
