
- Psychothriller Antikörper - antikoerper-derfilm.de/
Man ist erstaunt darüber, dass ein deutscher Film diese Konsistenz, Subtilität und Spannung hervorbringt.
Ein stellenweise brutaler Psychothriller. Das Grauen spielt sich aber hauptsächlich wie bei "Sieben" oder "Das Schweigen der Lämmer" in den Köpfen der Zuschauer ab. Die Parallelen zwischen dem Psychopathen Engel und Dr. Hannibal Lecter, die beide ihr menschenverachtendes Psycho-Spiel aus der Gefängniszelle heraus führen, sind mehr als deutlich. Engel meint sogar in einem Anflug von Selbstreflexion, dass er kein Hannibal Lecter sei (Filmzitat).
"Antikörper": Thrill made in Germany
Und trotz der Parallelen zu genannten Hollywood-Thrillern ist "Antikörper" ein gänzlich eigenständiger Film. Die fehlende internationale Starbesetzung wird durch schauspielerische Hochleistungen, perfektes Set-Design und gelungene Kameraführung mehr als ausgeglichen. Nachwuchsregisseur Christian Alvart setzt Bildkompositionen bedrückend und gleichzeitig beeindruckend um:
Die anfängliche Charakterisierung der Protagonisten einer thüringischen Provinz leben kein helles, heiles Leben. Sie bewegen sich in der Finsternis des kleinen, einengenden katholischen Dorfes. Ab und zu wird ein Lichtstrahl durch ein Fenster in Szene gesetzt. Und ebenso Berlin, Aufenthaltsort des Serienkillers, wird zwar im Gegensatz zum Dorf als richtig groß dargestellt, aber ebenso bedrohlich. Ein verführerischer Sündenpfuhl. Helligkeit bieten weder Land noch Stadt.
Wer oder was ist der Antikörper?
Der konservative Polizist Martens arbeitet an dem Mord eines Mädchens aus seinem Dorf. Der mutmaßliche Täter Engel beteuert nach seiner Verhaftung in Berlin seine Unschuld, leugnet diese eine Tat, gesteht aber im Gegenzug 12 andere bestialische Morde. Mit diesem Geständnis macht er sich in den Augen Martens glaubwürdig und verschafft sich Gehör bei ihm, wenn nicht sogar Vertrauen. Die perfiden Dialoge zwischen Engel und Martens lassen den Dorfpolizisten erkennen, dass das Böse auch in ihm wohnt. Er lässt sich verführen und Engel setzt sich wie ein Antikörper in ihm fest. Engel manipuliert, spielt mit der labilen Psyche Martens und lässt durch Suggestion den Polizisten fast zum Kindsmörder werden. Abhängigkeiten werden erzeugt und Macht geschaffen. Eine morbide Schnitzeljagd, an deren Ende die Lösung des Falles steht, beginnt. Martens und seine Familie müssen bis zum Schluss durch die Hölle gehen, ihre Weltbilder werden erschüttert, Wertigkeiten verschoben, die Dorfcharaktere entblößt. Engel lässt den Zuschauer in die menschlichen Abgründe sehen. Zuletzt stellt man sich die Frage, inwieweit die eigene Person gegen Manipulationen durch solch hochintelligenten Psychopathen gefeit wäre.
Skript und Schauspieler von "Antikörper"
Neben Alvarts gutem Skript hat der Film "Antikörper" sein Gelingen sicher auch den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. André Hennicke ("So weit die Füße tragen") spielt den mit kühler Berechnung, sadistischer Freude an der Manipulation und unterschwelligem Wahnsinn agierenden Serienkiller Engel derart überzeugend, dass es einem immer wieder kalt über den Rücken läuft. Sein Gegenspieler Martens wird von Wotan Wilke Möhring ("Das Experiment") mit unglaublicher Intensität gespielt, ohne dabei an Glaubhaftigkeit zu verlieren.
Antikörper ist einer der wenigen deutschen, kinotauglichen Psycho-Thriller und für Fans dieses Genres ein "Muss". Gänsehaut-Garantie!
Regie und Filmstart von "Antikörper"
"Antikörper" ist ein deutscher Thriller aus dem Jahr 2005. Regie führte Christian Alvart. Eine der weiteren Hauptrollen übernahm Heinz Hoenig. Deutscher Kinostart des Filmes war der 7. Juli 2005.
