Antoni Gaudís Werke in Barcelona

Casa Vicens, Bellesguard, Casa Batlló, Park Güell, Sagrada Familia

Park Güell - Sabrina Sann
Park Güell - Sabrina Sann
Antoni Gaudí prägt das Stadtbild von Barcelona, angefangen bei Casa Vicens, Casa Batlló über den Park Güell bis hin zu seinem unvollendeten Lebenswerk La Sagrada Familia

Antoni Gaudí war Architekt Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Er neigte eher zur Gotik als zur Neugotik, entwickelte jedoch im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil. Stets geleitet von der Natur fand er bauliche Lösungen, die ohne Stützpfeiler auskamen. Seine Werke zeichnen sich aus durch Schönheit, Detail und Praktikabilität.

Gaudí wirkte an unterschieldichen Orten Spaniens, zum Beispiel in Astorga (León), in Comillos (Santander) oder in Palma (Mallorca). Besonderen Einfluss nahm er jedoch auf seine Heimatstadt Barcelona, in der er unter anderem die Gebäude „Casa Vicens“, „Bellesguard“ und „Casa Batlló“ sowie den „Park Güell“ und die „Sagrada Familia“ konstruierte oder rekonstruierte.

Casa Vicens

Gaudís erster wichtiger Auftrag: Die Sommerresidenz eines Fließenhändlers. Gaudí steckte all sein Bestreben und seine Freude in dieses Werk, das letztlich eines seiner fantasievollsten wurde. Ein Beispiel hierfür ist der Regenbogen-Brunnen, in dem das Wasser die Farben des Regenbogens annimmt, während es über die Eisen rinnt und das Licht berührt. Im Inneren des Casa Vicens gibt es einen Raum, dessen Decke mit Kirschen verziert ist und die Wände überfüllt mit Vögeln und Famingos. An den Wänden sind katalanische Aufschriften zu entdecken wie „Sol, solet“ oder „Oh l´ombra de l´estiu“.

Bellesguard

Im Jahre 1900 erhielt Gaudí den Auftrag, auf dem gleichen Grund ein Gebäude zu errichten, auf dem einst der König Martí l´Humá abgelegen von der Stadt seine Rückzugsresidenz hatte. Die Baureste dessen wusste Gaudí zu respektieren und integrierte sie in das zu errichtende Gebäude. Wenn man dieses etwas aus der Ferne betrachtet, scheint das Gebäude mit den Bergen zu verschmelzen. Unter den vielen baulichen Details befindet sich unter anderem eine Türklinke in Form eines menschlichen Knochens.

Casa Batlló

Ein Textilfabrikant beauftragte Gaudí mit der Erneuerung der Fassade seines Hauses im „Passeig de Grácia“. Gaudí verwandelte die Decken der Dachkammer in einen Drachenrücken, zierte die Säulen mit Pflanzenmotiven und hervorgehobenen Blumen. Die Aussenfassade dekorierte er mit kleinen Keramik-Stücken und Glassplittern. Selbst die Möbellierung nahm Formen menschlicher Knochen an. Wie eine Fee verwandelte Gaudí das Haus auf dem Passeig de Grácia in ein fantasievolles Kunstwerk.

Pabellones Güell, Palacio Güell, Cripta Güell und Park Güell

Neben der Familie Comillas spielten die Herrschaften Güell eine große Rolle in Gaudís Karriere. Die Familie war eine der reichsten der Epoche und beauftragte Gaudí zunächst mit den „Pabellones Güell“, ein Jagdhaus am Rande der Stadt, wo sich heute der „Palacio de Pedralbes“ befindet. Zwei Jahre später sollte er den „Palacio Güell“ errichten, das Gut der Familie selbst. Danach kam die Krypta der Kirche in einer Arbeitersieldung von Güell, derer Bau jedoch unvollendet blieb. Ebenso wie der Park Güell: Hier war eine Siedlung von 60 Wohnhäusern geplant, von denen letztlich jedoch nur drei realisiert wurden – eines für die Familie Güell, eines für die Familie eines Anwalts, die noch heute dort lebt und eines für Gaudí selbst. Ersteres ist heute eine Schule, letzteres ein Museum. Die Siedlung sollte zu mehr als 50% aus Gärten, Bäumen, Wanderwegen und Naturspielplätzen bestehen. Der Bau wurde zunächst durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, dann durch den Tod des Grafen endgültig abgebrochen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Eingang - ein Gitter aus Palmenblättern - bereits fertig gestellt. Ebenso der Treppenaufgang, an dem heute die zahlreichen touristischen Besucher von einem großen, merkwürdigen Reptil begrüßt werden und der von 86 Säulen unterstützt wird. Zwischen ihnen sollte der Wochenmarkt stattfinden. Oberhalb des Treppenaufgangs befindet sich ein großer Platz, umgeben von wellenförmig geschwungenen Sitzbänken, der für Konzerte und Festlichkeiten vorgesehen war und auch heute so genutzt wird.

La Sagrada Familia

Gaudí war tief religiös und als man ihm den Auftrag zur Weiterentwicklung der Kathedrale des neuen Barcelona übergab, widmete er sich diesem mit Leib und Seele, obwohl sie von einem anderen Architekten im Stil der Neugotik begonnen wurde. Gaudí führte diesen Stil nicht fort und nahm einige Modifikationen vor. Sein Konzept war fabelhaft: 12 Türme, die die Apostel darstellten, sollten das Schiff umgeben. In all den Jahren, in denen er sich dem Bau widmete, wurden lediglich die Krypta, ein Teil der Apsis und ein kleiner Teil der Fassade fertiggestellt. Letzterer alleine ist soviel Wert wie ein ganzes Gebäude. Da die Baupläne Gaudís zu kostspielig waren (das Konzept sollte mit Almosen und Spenden realisiert werden), verzögerte sich der Bau immer wieder. Der Grundriss der Sagrada Familia entspricht etwa dem Umfang des Kölner Doms und stellt - inspiriert durch die Gotik - ein Kreuz dar. Da er die Gotik für fehlerhaft hielt, gestaltete er nicht alles in diesem Stil. Die Fassade sollte Jesus je nach Himmelsrichtung aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen: als Mensch, als Erlöser der Menschheit, als Erlöser am jüngsten Tag. Weiterhin sollte die Kirche aus drei Bereichen bestehen, die sich dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe widmen sollten.

Bis heute ist der Bau der Sagrada Familia unvollendet. Aktuell können touristische Besucher während ihres Kurztripps nach Barcelona für 9 Euro die Baustelle und das Museum besichtigen, das die Geschichte des Tempels durch Modelle, Fotos und Pläne verdeutlicht. Selbst der reale Arbeitsplatz Gaudís kann dort in seiner ursprünglichen Form besichtigt werden und vermittelt eine gute Vorstellung über das alltägliche Leben des bekannten Architekten.

Texterin und freie Autorin, Sabrina Bodo

Sabrina Bodo - Sabrina Bodo schreibt, konzipiert und korrigiert. Werbetexte und Sachtexte. Für Unternehmen und Privatpersonen. Bei Suite101 ist sie ...

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