Appenzell im Alp-Auftriebs-Fieber

Almauftrieb Schwägalp - Sabine Bordihn
Almauftrieb Schwägalp - Sabine Bordihn
Der mit viel Liebe zum Detail in jedem Jahr stattfindende Viehauftrieb in die Appenzeller Berge - eines der Highlights in der Brauchtumsvielfalt der Region.

"E schös Lendli!" – Eine Feststellung, die sicherlich nicht nur den einheimischen Schweizer, sondern jeden, der dieses wunderschöne Land mit seinen 26 Kantonen schon einmal besucht hat, ereilt. Ob Bern, Tessin oder Graubünden: Wer die Vielfalt der Schweizer Landschaften beschreibt, hat unbestritten Stoff, um ganze Bücher damit zu füllen. Und was Tradition und Brauchtum in der Schweiz betrifft, so ist Appenzell mit seinen beiden Halbkantonen Inner- und Außerrhoden ein besonders erwähnenswertes Beispiel.

Der Alpaufzug

Das „Öberefahre“, hat eine lange Tradition und ist alljährlich ein absoluter Touristenrenner. Seit jeher treiben Appenzeller Bauern Mitte Juni ihr Vieh auf die Schwägalp . Hunderte Touristen, "Heimweh-Appenzeller" und Einheimische sind bereits seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen und stehen geduldig an der Passstraße des kleinen Dorfes Urnäsch, wo die Sennen (Almhirten) mit ihren Herden vorbeiziehen. Das „Öberefahre“ erfolgt nach uralten Regeln und ist ein häufiges Motiv für die ebenfalls traditionelle Appenzeller Bauernmalerei.

Jeder Herde eilt ein "Geissbueb" mit schneeweißen Ziegen voraus, die auch von einem Trachtenmädchen begleitet werden. Der Senn nimmt's etwas gemächlicher und schreitet in seinen gelben Lederhosen und weißen Wollkniestrümpfen hinterher, den so genannten Fahreimer an die linke Schulter gehängt. Das ist ein reich geschnitzter hölzerner Melkeimer mit einem wunderschön bemalten Boden. Zu den erfahrenen Alpgängerinnen der Herde gehören drei Schellenkühe, die sie würdevoll anführen. Dahinter gehen nebeneinander vier Männer, drei davon in der Sonntagstracht mit braunen Hosen. Der Vierte, der Zusenn, trägt wie der Senn die Volltracht mit der gelben Lederhose. Das Quartett bildet eine Art Ordnungsteam und schreitet ein, wenn ein übermütiges Rind vor lauter Alpfreude die etwas langsamer gehenden Schellenkühe überholen will.

Die Feinarbeit leisten aber die unermüdlichen Appenzeller Blässe (Hütehunde). Sie dulden beim Vieh keinen Müßiggang und zwicken schon einmal ein Rind oder eine Kuh ins Hinterbein, um den Aufzug in Bewegung zu halten. Hinterm Vieh geht der Bauer, der Besitzer des Senntums. Am Schluss jeder Herde sieht man den Fuhrmann mit der „Ledi“. Das ist ein Wagen, der von einem Pferd gezogen wird. Darauf sind Geschirr und Werkzeug verstaut, das zur Verarbeitung der Alpmilch gebraucht wird. Vieles im Alpaufzug wird nur noch aus Tradition mitgeführt. Damit sich die Alpwirtschaft überhaupt lohnt und nicht ganz zur Tourismusidylle verkommt, wird im Arbeitsalltag inzwischen modernes Gerät eingesetzt. Die Alpfahrt auf die Schwägalp bietet auch etwas fürs Ohr. Gelegentlich stimmen die Sennen ein „Zäuerli“ – einen wortlosen, hochstimmigen Naturjodel an.

Das Urnäscher Brauchtumsmuseum

Und wer nach so viel Brauchtum immer noch nicht genug hat, der sollte sich die Ausstellung im Urnäscher Museum nicht entgehen lassen. Es ist ganzjährig geöffnet und bietet nachhaltige Einblicke in das frühere Leben dieses Landstrichs, der nur zögerlich von der Moderne eingeholt werden will. Natürlich kommen Wanderer in der von wunderschönen Naturpanoramen und bäuerlicher Beschaulichkeit geprägten Region auch unbedingt auf ihre Kosten.

Quellen:

  • Wandersite Schweiz
  • Internetauftritt des Appenzellerlandes
  • Urnäscher Museum
Sabine Bordihn, Sabine Bordihn

Sabine Bordihn - Ich habe nicht sehr viele Hobbies, denn mein Hauptberuf fordert mich in umfangreichem Maße. Jedoch zählt das Schreiben und die ...

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