Mit dem iTunes Ableger iTunesU will Apple sich auch im Bildungsbereich einen Namen machen. Bislang stand Apple gerade bei jungen Nutzern eher für das kurzweilige Vergnügen mit Musik, Videos und Spielen. Als Erweiterung zum iTunes Shop wurde nun auch iTunes U gestartet.
Apple wendet sich mit dem Leitspruch "Das Leben kann beginnen" vor allem an Studenten und Bildungseinrichtungen. Nach eigenen Angaben machen bereits mehr als 800 internationale Bildungseinrichtungen, vor allem Universitäten wie zum Beispiel die Harvard University, bei dem Projekt mit. Diese Universitäten stellen über iTunesU spezielle Inhalte zur Verfügung. So soll die Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen, Seminaren und anderen Veranstaltungen erleichtert werden. Der Dozent kann schon vor der Vorlesung Inhalte zur Verfügung stellen, die Studenten können sich besser vorbereiten. Das Zusatzangebot "Beyond Campus" ermöglicht den Zugriff auf Daten, Bilder, Videos und Audiodateien aus Museen und Bibliotheken. So ist der virtuelle Rundgang durch das MoMa nur noch einen Fingerzeig entfernt.
Nichts Neues
Das, was Apple mit großem Werbeaufwand betreibt, ist nichts Neues. An den Universitäten ist das digitale Zeitalter bereits seit Jahren angebrochen. Inhalte werden von Dozenten digital zur Verfügung gestellt, Studenten tauschen sich digital miteinander aus und auch Bibliotheken erweitern Zugriffsmöglichkeiten auf bereits digitalisierte Inhalte stetig. Je nach Bildungseinrichtung und Lehrenden finden diese Datenaustausche über verschiedene Plattformen statt.
Auch Museen und Galerien bieten schon seit langem virtuelle Rundgänge, MP3-Downloads und Detailansichten von Kunstwerken an. Der Einblick in die großen Werke der Weltgeschichte ist also auch nichts Neues.
Vorteil - alles in einem
Viele Nutzer dürfte es freuen, dass sich die Inhalte alle ohne weiteren Aufwand an einem Ort archivieren lassen. Wenn denn in Zukunft alle diese Plattform nutzen, gibt es nur noch eine Anlaufstelle, die besucht werden muss, um das Wissen der Welt einsehen zu können.
Nachteil - alles in einem
Der Vorteil kehrt sich schnell zum Nachteil wenn man bedenkt, wie viele Daten und Informationen Apple über seine Nutzer sammelt. Zudem ist die Datensicherheit nie absolut. Wer also wirklich alles über iTunesU machen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die geringe Chance besteht, dass alles irgendwann einfach weg ist. Auf Datensicherungen sollte also nicht verzichtet werden. Weiterhin ist es unwahrscheinlich, dass alle Universitätslehrenden wirklich auf das Bildungsangebot umstellen. Es wird immer eine Vielfalt an Möglichkeiten der Datenbeschaffung, des Datenaustausches und der Datensicherung geben. So ist es beinah auszuschließen, dass sich irgendwann wirklich alles über Apple machen lässt. Also ist Apples iTunesU nur eine Möglichkeit unter vielen und wird es auch bleiben.
Und die Verlage?
Gerade Bildungsverlage in Deutschland haben in den vergangenen zehn Jahren den Umschwung vom gedruckten Werk auf die digitale Variante regelrecht verschlafen. Erst seit wenigen Jahren sind auch die großen deutschen Schulbuchverlage dabei, ihr digitales Angebot auszubauen. Vor allem lizenzrechtliche Umstände und die Angst vor der illegalen Verbreitung von Inhalten waren ausschlaggebend für die Zurückhaltung. Mit eigens entwickelten digitalen Rechteverwaltungen und Sicherheitsstufen trauen sich die Verlage nun auf den digitalen Markt. Ob und inwiefern die Verlage Vertrauen in Apple beweisen werden und ihre Inhalte auf Ituns U zur Verfügung stellen, bleibt ungewiss.
