Apportieren trainieren mit dem Clicker

Vorsitzen mit Holz - Bettina Wenthe
Vorsitzen mit Holz - Bettina Wenthe
Das korrekte Apportieren ist eine der schwierigsten Übungen im Hundesport. In Einzelschritte zerlegt, kann sie mit Hilfe des Clickers jedoch gut gelingen.

Das Apportieren ist eine Übung, die vielen Hundesportlern Kopfschmerzen bereitet. Und dabei bringt doch jeder nicht ausgebildete Familienhund problemlos sein Bällchen zurück. Die Anforderungen im Sport sind natürlich etwas anders, denn hier kommt es auf eine gewisse Geschwindigkeit und zudem ruhiges Tragen und Halten des Apportels an. Das Wichtigste hierbei ist vor allem, diese komplexe Übung in viele kleine Einzelschritte zu zerlegen.

Die Voraussetzungen

Da das Apportieren zu den komplexeren Übungen zählt, entscheiden gewisse Voraussetzungen über gute und weniger gute Ergebnisse. Zunächst sollten Hund und Hundeführer schon etwas Erfahrung mit dem Clicker Training haben. Es sollte also für beide nicht ausgerechnet die allererste Übung sein, die mittels Clicker erlernt werden soll. Und natürlich muss der Hund entsprechend auf den Click konditioniert sein. Hat man sich an einigen anderen Übungen ausgetobt und schon eine gute Quote im punktgenauen Clicken erreicht, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege.

Wir erinnern uns: Das Clickgeräusch, auf das der Hund zuvor konditioniert wurde, markiert das gewünschte Verhalten in dem Moment, in dem es auch tatsächlich passiert und gibt dem Hund die Information: Das ist richtig. In diesem Fall also, wenn der Hund das Apportel aufnimmt.

Doch nicht jeder Hund nimmt einen vor ihm liegenden Gegenstand einfach so auf.

Der erste Schritt - das Interesse am Bringholz wecken

Am Anfang steht nur das Interesse. Der allererste Schritt beim Apportieren ist zunächst lediglich, das Interesse des Hundes an diesem Gegenstand zu wecken. Im Vielseitigkeitssport ist dieser Gegenstand ein hölzernes Bringholz. (Im Obedience kann dies sogar ein Metallapportel sein.) Es kann entweder einfach auf dem Boden liegen oder wird in der Hand gehalten. Jeder Blick zum Objekt, jeder Schritt darauf zu, jegliches Interesse daran wird mit einem Click und danach einem kleinen Leckerchen belohnt. Der Hund soll diesen leblosen Gegenstand sozusagen als achtes Weltwunder erleben. Wann immer er ihn anschaut oder darauf zugeht, gibt es eine Belohnung. Ziel ist es nun, das Interesse des Hundes daran so zu steigern, dass der Hund eine hohe Motivation aufbaut.

Der zweite Schritt - der erste Kontakt mit dem Bringholz

Schaut der Hund nun zielgerichtet zum Bringholz oder läuft bewusst darauf zu, hat er auch verstanden, dass es um diesen Gegenstand geht. Die Anforderungen können gesteigert werden. Der Blick zum Holz ist nicht mehr genug. Der Hundeführer reagiert nicht, der Click bleibt aus. Im Idealfall steigert der Hund jetzt sein Repertoire. Vielleicht läuft er zum Bringholz, springt darauf oder kratzt mit der Pfote daran. Jegliches Verhalten, das im weitesten Sinne nun als Kontakt mit dem Objekt bezeichnet werden kann, wird geclickt und belohnt. Gerade dieser Schritt macht vielen Hunden Spaß, und alles wird mit Pfoten und Zähnen ausprobiert.

Der dritte Schritt - die Zähne am Bringholz

Wenn der Hund nun schon Freude am Bringholz hat und motiviert bleibt, kann der nächste Schritt folgen. Nun ist das Ziel nicht irgend ein Kontakt am Holz, sondern der Kontakt mit den Zähnen. Wahrscheinlich hat der Hund während seiner vorherigen ''Versuchsreihe'' sowieso schon einmal testhalber mit den Zähnen nach dem Holz gegriffen, nun soll er dieses Verhalten aber ausschließlich zeigen. Dabei ist zunächst egal, ob er dafür einen Zahn einsetzt, das Holz halb oder voll greift. Wichtig ist, dass der Click in dem Moment kommt, in dem der Hund das Holz am Zahn hat. Nicht in dem Moment, in dem er es fallen lässt.

Die Sache mit dem fallenden Holz

Eine Art Todsünde im prüfungsmäßigen Apportieren ist, wenn der Hund das Bringholz einfach fallen lässt. Nun während des Aufbaus der Apportierübung zu sehen, wie der Hund das Apportel nach jedem Click ''ausspuckt'', bereitet vielen Hundeführern große Sorgen. Das ist verständlich, weil man anfangs sehr oft mit diesem Bild konfrontiert wird. Die Angst ist jedoch unbegründet, so lange der Click im Moment des Haltens erfolgt, nicht im Moment des Ausspuckens. Und hier liegt tatsächlich eine Gefahr. Anfänger, die mit dem korrekten Timing Probleme haben, erclicken sich eventuell ein anderes und in diesem Fall sehr unerwünschtes Verhalten. Daher ist es so wichtig, bei dieser Übung schon eine gewisse Erfahrung im Clicken zur rechten Zeit zu haben.

Zusammenfassend: Das Ausspucken des Holzes nach dem Click gehört zu diesem Ausbildungsschritt, erfolgt aber das Ausspucken des Holzes zeitgleich mit dem Click, belohnt der Click das Ausspucken, nicht das Halten und ist daher so fatal.

Der vierte Schritt - das Greifen des Bringholzes

Ist der Hund nun schon eifrig dabei, das Objekt der Begierde zu fassen, kann nun das richtige Greifen geformt werden. Dazu nimmt man das Bringholz am besten in die Hand, hält es seitlich vom Körper und für den Hund so, dass dieser weder danach springen, noch sonstige Verbiegungen anstellen muss, um es zu erreichen. Ziel ist, dass er es nun bewusst und zuverlässig mittig greift. Jedes richtige ''anbeißen'' wird nun mit Click und Futter bestätigt. Bei diesem Schritt lässt man das Holz jedoch noch keineswegs los. Es geht sozusagen nur um die richtige Stelle, nämlich den Steg des Holzes, den der Hund greifen und als korrekt begreifen soll.

Der fünfte Schritt - das Halten des Bringholzes

Jetzt folgt der schwierigste Schritt für den ungeduldigen Hundeführer. Der Hund soll das Holz ruhig halten. Und zwar am Anfang nur einen winziges Moment. Wer hier zu schnell vorgeht, formt sich an diesem wichtigsten Punkt ein unruhiges Halten und Hektik. Greift der Hund jetzt nach dem Holz, sollte der Click in dem Moment erfolgen, in dem sich der Kiefer schließt. Das Holz wird jetzt einfach losgelassen. Nach dem Click wird es auf den Boden fallen, was nicht weiter tragisch ist, sofern es nicht auf die eigenen Füße oder die Pfoten des Hundes fällt. Bei empfindlichen Hunden oder Hundeführern kann ein Bändchen am Holz und am Handgelenk des Hundeführers befestigt werden, so dass das Bringholz nach dem Click in der Luft baumelt. Auf jeden Fall sollte man nicht versuchen, es panisch aufzufangen, weil dies Hektik mit sich bringt, die an dieser Stelle sehr viel kaputt machen könnte. Der Hund soll schließlich ruhiges Halten lernen. Wenn der Hund das Holz nun eine Sekunde hält, kann die Dauer des Haltens gesteigert werden, jedoch anfangs nur um eine weitere Sekunde. Erst wenn man den Eindruck hat, dass der Hund anfängt, auf den Click zu warten, während er das Holz hält, kann die Dauer langsam erhöht werden.

Der sechste Schritt - das Vorsitzen (zunächst) ohne Bringholz

Hält der Hund das Holz nun schon einige Sekunden, kann langsam auch das im VPG Sport verlangte Vorsitzen mit Holz trainiert werden. (Im Obedience ist dies nicht zwingend.) Oftmals ist aber schon das dichte Vorsitzen ohne Holz ein Problem, so dass dies auf jeden Fall kurz vorher seperat geübt werden muss. Dazu sollte man sich einfach vor seinen sitzenden Hund stellen und ihn in dieser Position dicht am eigenen Körper füttern. Am besten so dicht am Bauch, dass der Hund ihn schon fast oder ganz mit dem Kopf berührt, jedoch nicht so weit oben, dass er hoch springen muss. Je unangenehmer dem Hund diese Position ist, desto häufiger muss diese geübt werden. So lange, bis man das Gefühl hat, dass der Hund sie als angenehm empfindet. Erleichtern kann man dem Hund diese Stellung auch, wenn man ein Bein etwas zurück nimmt oder beide Beine etwas auseinanderstellt, so dass der Hund seine Pfoten zwischen die Beine des Hundeführers stellen kann. Diese Hilfen müssen nach und nach wieder abgebaut werden, wenn der Hund die Position korrekt zeigt.

Der siebte Schritt - das Vorsitzen mit Bringholz

Obwohl der Hund das Bringholz nun schon sicher greift und einige Sekunden hält, ist es für ihn doch ein ganz anderes Bild, wenn er es im Sitzen halten soll. Manche Hunde wollen zunächst partout nicht glauben, dass dies möglich ist. Am besten beginnt man, indem man sich neben (nicht vor) seinen Hund stellt und nun zunächst das Halten im Sitzen übt. Man reicht das Holz seitlich an und belohnt wieder die ersten Anfangsschritte: Interesse am Holz, Kontakt am Holz, das Greifen des Holzes. Diese Schritte werden vom Hund nun aber wesentlich schneller begriffen. Erst wenn der Hund das Holz im Sitzen neben dem Hundeführer sicher hält, stellt dieser sich einfach vor den Hund und bestätigt ihn in dieser Position mehrfach. Nun kann auch das Kommando ''Bring'' eingeführt werden. Nur auf das Kommando folgt jetzt eine Belohnung für den Hund und nicht mehr, wenn er es einfach so greift. Am besten trainiert man das Halten jetzt in unterschiedlichen Positionen (der Hund kann sitzen, stehen oder das Holz auch schon ein paar Meter tragen) und an unterschiedlichen Orten.

Der achte Schritt - das Anlaufen des Hundeführers

Nun muss der Hund in der Prüfung aber natürlich nicht nur mit dem Bringholz sitzen, sondern es eben apportieren. Wichtig hierbei ist aber zunächst nicht das Tempo, sondern das ''richtige Einparken'' vor dem Hundeführer. Im Schritt zuvor wurde dies zwar eingeübt, es ist jedoch etwas ganz anderes, wenn der Hund diese Vorsitzposition aus dem Laufen heraus finden muss. Daher beginnt man mit einem sehr geringen Abstand zum Hund. Man stellt sich etwa einen Meter vor seinen sitzenden Hund, hält das Holz mit beiden Händen vor den eigenen Körper und gibt das Kommando ''Bring''. Anfangs kann auch eine kleine Hilfe gegeben werden, falls der Hund nicht sofort versteht. Spätestens im Vorsitzen wird er diese Situation jedoch ''wiedererkennen''. Es folgen Click und Futter. Nun kann der Abstand zum Hund nach und nach vergrößert werden. Hat der Hund dies gut begriffen, wird das Bringholz nun zwischen Hund und Hundeführer gelegt. Man übt also zunächst nur den Rückweg. Die Vorsitzposition sollte unbedingt zunächst noch sehr oft bestätigt werden, so dass der Hund immer wieder schnell dorthin zurück will. Dies wirkt sich dann auch auf eine gute Geschwindigkeit aus, denn schließlich soll der Hund den Hundeführer zügig anlaufen.

Der letzte Schritt - das Holz wird ausgelegt und (später) geworfen

Bislang wurde vorerst nur der Rückweg eingeübt. Nun können alle Teile zusammengefügt werden. Zunächst sollte man das Bringholz jedoch nicht werfen, sondern eher auslegen, weil der Hund sonst zum Nachstürmen verleitet wird. Erst wenn er sicher sitzen bleibt, wenn das Holz ausgelegt wurde, gibt man das Kommando ''Bring''. Um Spannung und Trieb zu erhöhen, muss das Kommando nicht erst gegeben werden, wenn der Hundeführer wieder beim Hund ist. Es sollte völlig variabel, irgendwann auf dem Rückweg zum Hund erfolgen, jedoch nie vorhersehbar - und irgendwann natürlich auch erst, wenn man schon wieder beim Hund ist. Klappt dieser Schritt sicher, kann man das Holz zum ersten Mal werfen. Dabei sollte man sehr auffällig Arm und Holz schwingen und in diesem Moment clicken und den Hund für das ruhige sitzen bleiben bestätigen. Anfangs tut man also nur, als würde man es werfen. Erst wenn der Hund bei der schwingenden Armbewegung sicher sitzen bleibt, wird es auch tatsächlich geworfen. Startet der Hund zu früh, trainiert man den Schritt zuvor noch einige Male, bis das Sitzen bleiben immer sicherer wird.

Wann immer der Hund hier einen Fehler macht, geht man einfach wieder einen Schritt zurück, denn häufig ist der größte Feind in der Ausbildung die Ungeduld des Hundeführers. Um es mit Karen Pryors Worten zu sagen: ''Don't shoot the dog!''

Bettina Wenthe am Camusdarach Beach, Bettina Wenthe

Bettina Wenthe - Ich habe 1997 mein Studium der Germanistik / Anglistik in Hannover abgeschlossen und bin seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung ...

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