
- Leicht abstrahierte Landschaft in Aquarell - Andrea Fettweis
Überraschende Ergebnisse sind beim Malen mit Aquarellfarben die Regel. Bis zu einem gewissen Maß lassen sich die Farbverläufe steuern, aber das erfordert viel Übung. Warum nicht die hervorragenden Eigenschaften von verdünnten Pigmenten und Papierstrukturen nutzen, um spontane Ideen umzusetzen? Mit der Nass-in-Nass-Technik lassen sich zwar keine gezielten Details wiedergeben, dafür kann man besser abstrahieren und den Motiven dadurch eine unbeschwerte Note geben. Was man zusätzlich dabei lernt, ist Loslassen: die Farben fließen lassen, egal in welche Richtung, ohne einzugreifen. Das fällt nicht immer leicht, vor allem, wenn man es gewohnt ist, sein Tun gründlich zu planen.
Aquarellpapier anfeuchten und Farben fließen lassen
Wer allzu abstrakte Malerei nicht mag, kann sich ein Motiv heraussuchen, an dem er sich orientiert. Für die ersten Versuche ist eine schlichte Landschaft ohne komplizierte Einzelheiten gut geeignet. Zeichnen Sie mit einem Aquarellstift nur die wichtigsten Linien auf Ihr Papier, um die Aufteilung zu markieren. Feuchten Sie das Papier im Bereich des Himmels großzügig an, sodass es schimmert, aber keine Pfützen entstehen. Verteilen Sie nun mehrere konzentrierte Kleckse Ultramarinblau auf die feuchte Fläche, aber eher wenige als zu viele. Bedenken Sie, dass die Farben sich ausbreiten und das Papier füllen werden. Damit der Himmel jedoch leicht und luftig bleibt, sollten weiße oder zumindest sehr helle Partien stehen bleiben. Nun kommt der Moment, für den Sie Geduld brauchen: Gehen Sie auf keinen Fall noch einmal mit dem Pinsel in die nasse Fläche hinein, sondern lassen Sie die Farben fließen und trocknen, wie sie sind. Der Unterschied zwischen dem nassen und dem trockenen Bild wird Sie verblüffen!
Schatten malen und nur wenige Details andeuten
Verfahren Sie ebenso mit den anderen Flächen. Wenn Ihnen ein Teil zu stark konturiert erscheint, können Sie es nach dem Trocknen immer noch aufweichen, indem Sie mit einem feuchten Pinsel an der Kante entlangwischen. Die Farbe löst sich und fließt allmählich verdünnend in die angrenzende Fläche hinein. Dieser Trick eignet sich unter anderem gut für die Andeutung von weichen Schatten im Wasser. Setzen Sie diese Technik nur äußerst reduziert ein, damit die Spontaneität des Bildes nicht verloren geht. Möchten Sie Bäume in die Landschaft malen wie in diesem Beispiel, setzen Sie auch hierfür nur vage Wasserkleckse auf das Papier und tropfen eine kräftige Farbmischung hinein. Zur Andeutung der Baumstämme nehmen Sie das Pinselende und ziehen von den noch nassen Baumkronen die Farbe linienförmig zum Grund, wo die Bäume stehen sollen. Auf keinen Fall sollten weitere Details ausgemalt werden. Lassen Sie alles gut trocknen und betrachten Sie erst dann das Ergebnis.
Kleine Korrekturen vornehmen und nasse Farben vorsichtig verteilen
Wenn Sie sich mit dem fertigen Bild noch nicht so recht anfreunden können oder Ihnen einige Partien nicht intensiv genug erscheinen, können Sie dies vorsichtig korrigieren, indem Sie nochmals kräftige Farbkleckse auf die entsprechenden Stellen geben. Fahren Sie mit dem sauberen, feuchten Pinsel locker um die nasse Fläche herum, damit sich die Farbe gleichmäßig verteilen kann, es sei denn, scharfe Konturen sind erwünscht. Halten Sie sich auch hier eher zurück und manipulieren Sie nicht zu viel an dem Bild. Schließlich soll das Motiv vor allem federleicht und unbekümmert wirken.
Mehr Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene finden Sie in den Beiträgen Einstieg in die Aquarellmalerei und Erfolgreich Aquarelle malen.
