AquAria_PALAOA - Eine UnterwasserOper in Düsseldorf am 14. Januar

Junge Frau, Chor der Robben - Pressefoto AquAria
Junge Frau, Chor der Robben - Pressefoto AquAria
Zuerst mehrmals in Berlin, jetzt in Düsseldorf initiiert Claudia Herr mit ihrem Team eine Oper, die teilweise im und unter Wasser stattfindet

Bericht über die UnterwasserOper, die im Frühjahr 2011 Berlin uraufgeführt wurde:

In Berlin-Neukölln liegt neben einem herunter gekommenen Kaufhaus das unscheinbare Stadtbad, doch im Inneren befindet sich eines der schönsten Jugendstilbäder Europas. In der Badehalle empfängt die Besucher der Oper ein geheimnisvoll brummender Ton, seltsam glucksige und pladdernde Laute sind zu hören, dann Musikfetzen, schließlich steigt langsam ein singender Chor ins Wasser: „Uralt sind wir. Wir sind uralte Wesen“.

Eine junge Frau singt am Beckenrand von ihrer Sehnsucht nach ewigem Leben, „Es grämt mich, dass wir schon bald / nicht mehr auf der Welt sind“. Dann springt sie in die Fluten, das Licht erlischt, nur von einer Handlampe beleuchtet treibt sie singend im Becken. Ihr ausgebreitetes Kleid bildet bizarre Schatten wie von einem riesigen Fisch. Die Sängerin taucht unter, ihre Laute werden unverständlich und blubberig. Später singt sie vereint mit den im Becken treibenden Chören, „Du Wasser meines Lebens / wir sinken und steigen“.

Wie lassen sich unter Wasser Töne erzeugen?

Claudia Herr, die experimentierfreudige Mezzo-Sopranistin und Initiatorin dieser Oper war einst Leistungsschwimmerin. Sie interessierte sich schon früh dafür, wie lassen sich unter Wasser Töne machen oder welchen Einfluss hat das Element auf Klänge?

Irgendwann stieß sie auf Forschungen der Palaoa-Horch-Station am Südpolarmeer. An diesem weit von der Zivilisation entfernten Ort suchen Forscher nach den Geräuschen des Meeres. Mit Hydrophonen werden auch die vielfältigen, wie Vogelgezwitscher klingende Gesänge der Weddelrobben belauscht. Mit Hilfe ihrer musikalischen Nachrichten schaffen und suchen die Säugetiere Löcher zum Luftholen im Eis.

Die Robben inspirierten auch die märchenhafte Opernhandlung: Zwei Chöre symbolisieren junge und alte Robben, die mit ihren Gesängen das Überleben sichern. Die alte Sängerin freut sich an der Jugend, die junge erschrickt vor dem uralten Eis und verachtet die Robben. Sie sehnt sich nach dem Wasser des Lebens, dem Elixier der Verjüngung und sucht zunächst Erfüllung in Eros und Liebe…

Am Rand des Beckens begleiten Musiker mit Cello, Tuba und Schlaginstrumenten die Gesänge, dazu werden Robbenlaute aus der Arktis eingespielt. Die Geräusche im Schwimmbecken verstärken Hydrophone: Das Planschen der Menschen und die von einem tauchenden Percussionisten erzeugte Klänge oder die Stimme der Sängerin unter Wasser, die im Laufe der Handlung auch ein Tauchgerät gebraucht. Bei wechselndem Licht nutzen die Chorsänger sparsam ihre Requisiten, etwa Papierhaufen die wie Eisberge wirken.

Nicht nur eine Oper sondern ein Gesamtkunstwerk

Wasser, Bilder und Klänge bilden ein großartiges Gesamtkunstwerk in dem man sich staunend mit offenen Augen und Ohren treiben lassen kann. Die eigenartige Klangwelt schmiegt sich nicht gerade gefällig an Hörgewohnheiten, aber sie ist doch nicht so verstörend wie andere Werke zeitgenössischer Komponisten. Die Entstehung der Töne lässt sich quasi mit allen Sinnen erfahren - vielleicht kann dieses Erlebnis ein größeres Publikum für Neue Musik gewinnen.

UnterwasserOper AquAria_PALAOA in Düsseldorf im Jugendstilbad Münster-Therme

Vorstellung am 14. Januar 2012

Einlass: 19:00 Uhr

Einführung in die Oper: 19:30 Uhr

Beginn: 20:00 Uhr

Auszüge aus einem Gespräch mit Claudia Herr

Die Vierzigjährige wuchs in Dresden auf und studierte Musik und Gesang in Rostock und in der Schweiz. In Berlin widmet sie sich der zeitgenössischen Musik in vielen Bereichen und eigenen Projekten. Unser Autor sprach mit ihr vor ihrem Auftritt als junge Sängerin.

Ihre Oper ist eine Gratwanderung, einerseits spielen Sie mit dem Spektakulären, die Klänge und Gesänge entstehen unter Wasser, andererseits ist das Werk sehr ambitioniert…

Ja, Unterwasseroper, Unterwassergesang, Wissenschaft und Jugendstilbad sind ist auf jeden Fall Aufhänger, darauf stürzen sich alle, aber natürlich ist das Werk eine Gratwanderung. Wir machen eine Produktion die Tiefgang hat und zeitgenössisch ist aber trotzdem viele Menschen erreicht und sehr bewegt. Es geht uns darum zeitgenössisches Musiktheater so zu inszenieren, dass es viele anspricht jedoch Effekthascherei vermeidet.

Was ist das Besondere der UnterwasserOper?

Bei dieser außergewöhnlichen Form des Raumes und in der Arbeit mit dem Element Wasser gibt es eine Vielzahl von neuen Aufgaben für Regie, Kostüme, Bühne, Komposition, Text, Sängerinnen…

Das Besondere ist ja, dass das Wasser als ein sich veränderndes Element wirklich da ist und alles beeinflusst, den Klang, die Akustik, die Handlung. Es muss kompositorisch nicht imitiert werden, es ist Klangmittel und man muss keine Requisiten suchen, die Wasser symbolisieren.

Viele Menschen kennen Oper, kennen Wasser, kennen vielleicht ein schönes Jugendstilbad - aber wie sich das alles verbindet ist schon etwas Besonderes - und die Wissenschaft kommt ja auch noch dazu.

Im September gibt es die letzten Vorstellungen in Berlin, wie geht es weiter?

Im Kern ist AquAria_PALAOA schon gelungen aber das Thema ist für uns noch nicht beendet. Es gibt noch Vieles was wir weiter entwickeln können, dazu sind auch alle Beteiligten bereit. Wir könnten die Oper draußen aufführen und erkunden, wie wirkt sie in fließenden Gewässern oder in einem Meer wie der Ostsee? Was ist dort dann wirklich zu hören, was passiert ohne unseren Einfluss? Auch für Badelandschaften und andere interessante Bäder modifizieren wir unser Stück weiter.

Hanswerner Kruse, Privat

Hanswerner Kruse - Hanswerner Kruse, 63 Jahre alt mit abwechslungsreichem Lebenslauf: * Hauptschule, Feinmechanikerlehre, Abitur * Arbeit als ...

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