
- Plecostomus-Wels auf einem Markt in Thailand - Gerhard Ott
Zahlreiche Aquarianer reisen heutzutage in die Heimatländer von Aquarienfischen. Süd- und Mittelamerika und Asien sind dabei als Reiseziele besonders beliebt. Groß ist die Überraschung, wenn bei einem Fischzug in den Tropen ein Fisch im Netz landet, der dort gar nicht hingehört. In Thailand kann das durchaus ein südamerikanischer Wels sein. Auf den Inseln Sri Lanka oder Taiwan fängt jemand einen Buntbarsch aus Afrika. In Ekuador und sogar in Australien gibt es europäische Schlammpeitzger.
Fische auf dem falschen Kontinent
Diese Fischarten gehören nicht in die heimische Fauna dieser Orte. Sie verfälschen sozusagen die ursprüngliche Fauna. Ausbreitung ist ganz natürliches Verhalten von Lebewesen. Arten besiedeln ihnen zusagende Lebensräume, um zu überleben. Der sogenannte Kampf ums Dasein wird im Darwin-Jahr 2009 oft diskutiert. Für viele Süßwasserfische sind salzige Gewässer, also Meere natürliche Ausbreitungsgrenzen. Welse, Salmler, Schmerlen und die meisten Buntbarsche können im Meerwasser nicht leben. Es für einen Wels des Süßwassers nicht möglich, aus den neotropischen Gebieten Südamerikas auf dem Wege einer natürlichen evolutiven Ausbreitung nach Thailand zu gelangen. Die neu auftauchenden Arten werden invasive Arten, neutraler Neozoa, genannt. Wie sind diese Fische dort hingekommen?
Verursacher Mensch
Wenn der Mensch die Natur verändert, wird dies oft mit dem Eigenschaftswort anthropogen bezeichnet. Verschiedene Buntbarsche der Gattung Tilapia sind für die Speisefisch-Zucht von Afrika in viele asiatische Länder eingeführt worden. Nordamerikanische Katzenwelse (Ictalurus) sind für Angler nach Mitteleuropa gebracht worden. Chinesische Graskarpfen (Ctenopharyngodon) und japanische Blaubandbärblinge (Pseudorasbora parva) konkurrieren sei einigen Jahrzehnten mit heimischen mitteleuropäischen Fischen. In der Nähe von Köln gibt es in warmem Abwasser von Kraftwerken ursprünglich südamerikanische Guppys (Poecilia reticulata). Die sind durch Aquarianer dort hingekommen. Ob absichtlich oder durch Unkenntnis lässt sich wohl nicht nachvollziehen. Ähnlich dürfte es mit südamerikanischen Pirañhas und Welsen passieren, die auf thailändischen Märkten als Aquarienfische angeboten werden.
Viele im Handel befindliche Aquarienfische sind kommerzielle Nachzuchten. Im amerikanischen Florida werden ursprünglich asiatische Fische ebenso für den aquaristischen Handel produziert, wie aus Südamerika stammende Fische in Thailand, Singapur und Malaysia produziert werden. In den nicht frostfreien Zonen der Erde ist die Gefahr, dass andere Fische eingeschleppt werden geringer als in den Tropen, da die entsprechenden Fische die niedrigen Temperaturen im Winter nicht überleben.
Fische durch Aquarienfischhandel verbreitet
Die Handelsorganisation Ornamental Fish International (OFI, eine internationale Organisation von Aquarienfischhändlern) hat erkannt, dass dieses Thema wichtig ist. Am 30. Mai 2009 veranstaltet die OFI eine Tagung zum Thema „Invasive Alien Species and the aquarium industry“ (Eindringende Fremdarten und der Aquarienfischhandel). Die eintägige Konferenz Tagung findet statt im Rahmen der weltgrößten Handelsmesse für Aquarienfische, der Aquarama, im Staatsstaat Singapur (Singapore). Die Anmeldung kann online in Internet erfolgen.
Aus dem Konferenzprogramm der OFI
Im Programm sind einige interessante Vorträge zu finden. Einleitend werden Begrifflichkeiten geklärt und die internationale Dimension des Themas beleuchtet werden. Gordon Copp vom britischen Ministerium für Umwelt, Nahrungsmittel und Agrarangelegenheiten wird den Handel mit Aquarienfischen als Vektor für Faunenveränderungen behandeln. Biologen werden die Situation in Australien, Singapur und die internationale Datenbasis vorstellen. Marshall Meyers vom PIJAC (Pet Industry Joint Advisory Council, soviel wie Vereinigter Rat des Tierhandels) wird einen Maßnahmenkatalog zum Thema vorstellen.
