
- Ein seriöses Angebot? - klaas hartz / pixelio.de
Stellenanzeigen, die Arbeit auf einer Bohrinsel anbieten, entstammen in der überwiegenden Anzahl der Feder von Betrügerfirmen und sind unseriös. Hier muss den Interessierten dringend geraten werden, sich auf solche Stellenanzeigen nicht zu bewerben oder sich vorher über das Angebot gründlich zu informieren.
Unseriöse Stellenanzeigen für Arbeiten auf einer Bohrinsel
Eine typische unseriöse Stellenanzeige aus diesem Bereich, die in der Regel in Kleinschrift und im kleinen Umfang bei verschiedenen Zeitungen und kostenlosen Blättern veröffentlicht werden, kann folgendermaßen lauten: "Arbeiten auf einer Bohrinsel! Wir suchen für die Arbeit auf einer Bohrinsel in der Nordsee Mitarbeiter. Keine Vorbildung nötig. 20 Euro pro Stunde. Die Tätigkeit ist auf 6 Monate begrenzt. Infomappe anfordern unter Tel.: XXX."
Diese Anzeige erfüllt alle Merkmale der Unseriösität. Das wichtigste Merkmal ist das Fehlen des Firmennamens und sonstiger Selbstdarstellung des Unternehmens. Da seriöse Unternehmen auch Stellenanzeigen zu Werbezwecken nutzen, sind sie stark daran interessiert ihren Namen bekannt zu machen. Wenn sie auf diese Möglichkeit verzichten, haben sie in der Regel sehr gute Gründe dafür und dazu gehört auch auszuschließen belangt zu werden, wenn es zu Gesetzesbrüchen oder unlauteren Geschäften kommen sollte.
Des Weiteren fehlt hier die ausführliche Stellenbeschreibung. Was genau ist für den Bewerber auf der Bohrinsel zu tun? Soll er die Böden schrubben, kochen, schleifen, polieren oder schweißen? Es fehlt ebenso der Anforderungskatalog an den Bewerber. Was genau muss der Bewerber mitbringen, welche Voraussetzungen muss er erfüllen, um für die Stelle in Frage zu kommen. Welche Ausbildung muss er vorweisen, welche Kenntnisse oder Scheine sollte er mitbringen? Das einzige, was er anscheinend definitiv können sollte, ist die Fähigkeit zu telefonieren. Der Trick steckt hier in dem kleinen Satz: Infomappe anfordern. So wird mit den Anrufern Geld verdient. Denn wenn jemand die Probe auf Exempel machen sollte und wirklich anrufen würde, würde er in der Regel erfahren, dass die Anforderung der Infomappe zwischen 80 und 200 Euro kostet, die der Bewerber erst einmal selbst investieren muss. Zuweilen wird gesagt, dass dieser Betrag mit dem ersten Gehalt rückerstattet wird.
Dazu wird es aber voraussichtlich nicht kommen, denn die Infomappe enthält üblicherweise Adressen von Firmen, die Mitarbeiter auf Bohrinseln beschäftigen und/oder macht klar, dass sich die Beschäftigung auf einer Bohrinsel für den Bewerber gar nicht lohnt, weil etwa die Verpflegung auf eigene Kosten geht.
Wer wird auf Bohrinseln tatsächlich gesucht
Sollte sich der Bewerber bei den entsprechenden Firmen bewerben, ist die Einstellung lange nicht garantiert, denn auf Bohrinseln arbeitet in der Regel nur hochqualifiziertes Personal. Häufig wird ein abgeschlossenes Ingenieursstudium verlangt sowie gute Sprachkenntnisse in Englisch und/oder der Landessprache.
Vorsicht bei den Telefonnummern
Es ist außerdem wichtig auf die angegebene Telefonnummer zu achten. Hier seien zwei Beispiele genannt: 00 49 19/01 56 41 oder 00 49 9/00 1 23 45. Wenn man denkt, die Vorwahlnummer von Deutschland wäre nur angegeben, weil die Firma vielleicht im Ausland säße, trifft das nicht den Kern. In Wirklichkeit handelt es sich in beiden Fällen um kostenpflichtige Rufnummern: Wenn jemand in Deutschland nach Deutschland telefoniert, fallen die Ziffern 0049 weg und werden durch eine Null ersetzt – man wählt somit in Wirklichkeit 0190 15641 oder 0900 12345. Da auch noch der Schrägstrich falsch gesetzt wurde, sollen die Anrufer zusätzlich verwirrt und die Kostenpflichtigkeit verschleiert werden. Zwar ist vom Gesetzgeber verfügt worden, dass die Kosten pro Minute anzugeben sind, doch nicht jeder hält sich daran, wenn er genügend kriminelle Energie mitbringt. So dürfen sich die Anrufer nicht wundern, wenn das Gespräch ausgesprochen lange dauert oder man in einer Warteschleife hängt.
