Arbeit macht krank - Arbeitslosigkeit aber auch!

Medikamente sollen helfen - ©Jetti Kuhlemann  / PIXELIO
Medikamente sollen helfen - ©Jetti Kuhlemann / PIXELIO
Stress bei der Arbeit macht krank, das ist bekannt. Eine neue Studie zeigt: Hartz4, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann auch krank machen.

Viele Menschen bekommen körperliche oder psychische Probleme durch Belastungen, denen Sie bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Ein typisches Beispiel ist ein Bauarbeiter oder Lagerarbeiter, der etwas zu schweres hebt und sich dabei am Rücken verletzt. Aber auch vor anderen Berufen macht das Syndrom nicht halt. So kann die falsche Sitzhaltung eines Büroangestellten zum selben Ergebnis führen.

Wie kann Arbeit krank machen?

Die häufigste Ursache für Erkrankungen durch das Arbeiten heißt aber: Stress. Es kann jeden Beschäftigten in jeder Position treffen und in Unternehmen jeder Branche und Größe auftreten. Der Stress kann zu schweren psychischen Störungen führen und sich wiederum in körperlichen Erkrankungen äußern. Und Ursachen für Stress am Arbeitsplatz gibt es viele: Schlechtes Arbeitsklima, unsicheres Arbeitsverhältnis, Termindruck, Leistungsdruck, Abmahnungen, Beförderungen, Versetzungen und Überstunden sind nur ein paar Beispiele dafür.

So ergab eine Studie der Europäischen Union, dass im Schnitt jeder Vierte Beschäftigte unter jobbedingtem Stress leidet. Vermutlich sind etwa 60% aller versäumten Arbeitstage auf Stress zurück zu führen. Vor allem die Reizüberflutung im heutigen Kommunikationszeitalter kann zudem belastend wirken. So ergab eine Studie des Instituts für Arbeit (IAT) 2006, dass Mitarbeiter in der Informationstechnologie bis zu viermal häufiger unter psychosomatischen Beschwerden leiden als der Durchschnitt. Eines der schlimmsten Probleme stellt das „Mobbing“ dar. „Mobbing“ bezeichnet den gezielten Einsatz von Psychoterror, um Betroffene aus dem Betrieb zu drängen. Am häufigsten tritt dieses Phänomen im Bereich Dienstleistungen und Gesundheit auf.

Immer mehr Angestellte greifen außerdem zu Tabletten, um trotz Krankheit leistungsfähig zu bleiben. Andere verwenden regelmäßig Medikamente oder Drogen, um die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Laut einer Studie der Krankenversicherung DAK aus dem Jahr 2009 gab jeder 20. Beschäftigte zu, schon einmal leistungssteigernde Medikamente eingenommen zu haben. Damit sind etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Etwa 800.000 Angestellte nehmen sogar regelmäßig „Fitmacher“ ein.

Warum macht auch Arbeitslosigkeit krank?

Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle wegen Arbeitslosigkeit sind bekannt. Eine neue Studie hat nun aber gezeigt, dass sich diese psychischen Probleme immer häufiger auch auf die Gesundheit auswirken: Arbeitslosigkeit macht krank! Diese Erkenntnis muss man nach der Lektüre der 23-seitigen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erst einmal verdauen. Durch die Erhebung umfangreicher Daten wurden in dieser Studie zunächst die psychischen Probleme Arbeitssuchender deutlich gemacht. Demnach liegt die Anzahl von verschriebenen Antidepressiva bei Arbeitslosen signifikant höher als bei Erwerbstätigen. Noch schockierender sind aber die Auswirkungen, die das auf die Gesundheit haben kann.

Die Krankenstandsquoten aller Deutschen im Erwerbsalter von 2005 belegen, dass im Schnitt Empfänger von „Hartz4“, zu 10,9% krank waren, aber nur 4,4% der Erwerbstätigen. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei den 55- bis 59-Jährigen. Hier sind Arbeitslose rund 2,2 Mal so häufig krank wie die Beschäftigten. Die Krankenstandsquote liegt hier bei 15,2%.

Hinzu kommt folgendes Problem: Je länger jemand arbeitslos ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Probleme. Diese Tatsache verringert wiederum die Chancen, einen neue Stelle zu finden. Schnell wird jedem klar: Es bildet sich ein Teufelskreis, aus dem es nur schwer wieder einen Ausweg gibt. Über 40% aller Hartz4-Empfänger schätzen ihren Gesundheitszustand als schlecht ein. Ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik vom Juni 2010 beseitigt letzte Zweifel. Sie besagt nämlich: Mehr als 530.000 der Arbeitslosen bekamen wegen gesundheitlicher Defizite Probleme bei der Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes.

Der DGB und andere bezeichnen diesen Zustand als nicht länger zumutbar. Eine umfangreichere medizinische Betreuung Arbeitsloser wird gefordert. Vor dem Hintergrund der ohnehin schwelenden Diskussion um eine „Zwei-Klassen-Medizin“ in Deutschland wirken diese Studien besonders schockierend. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik, die Kassen und die Öffentlichkeit sich diesen drängenden Themen widmen und endlich eine Lösung gefunden wird.

Einfache Lösungen sind Mangelware

Generell gilt, einfache Lösungen sind Mangelware, liegt das Problem doch tiefer, nämlich in den Strukturen des Arbeitsmarktes. Nur durch tief greifende Reformen des Arbeitsmarktes sowie einem Umdenken bei Angestellten, Chefs und Firmen kann sich langfristig etwas ändern. Der beginnende wirtschaftliche Aufschwung wird zweifellos dazu beitragen.

Der Einzelne kann wenig bewirken, zunächst einmal sind die Unternehmen gefragt, deren Untätigkeit wird in Deutschland von Experten kritisiert. Viele Unternehmen gehen nach wie vor davon aus, dass der Umgang mit Stress ein individuelles Problem ist. Wenn sie überhaupt Maßnahmen ergreifen, erschöpfen sich diese meist in Stress-Management-Seminaren. Mögliche Alternativen sind praktische Anti-Stress-Maßnahmen im Unternehmen. Ein schwedischer Pflegedienst bietet seinen Mitarbeitern zum Beispiel drei Stunden die Woche Fitnesskurse während der Arbeitszeit an. Eine Reflexion des eigenen Arbeitsethos kann zudem helfen, den Stress zu lindern. Letztlich liegt es auch im Interesse der Unternehmen, etwas zu tun, denn gesunde Mitarbeiter sind um ein Vielfaches leistungsfähiger als kranke und gestresste Angestellte.

Ähnlich verhält es sich mit den Arbeitssuchenden. Durch Selbstreflexion kann den Minderwertigkeitsgefühlen entgegen gewirkt werden. Eine „Entschleunigung“, also sich Zeit bei der Suche nach neuer Arbeit zu nehmen, kann ebenfalls helfen. Schließlich ist es an den Arbeitsämtern, Jobcentern und Krankenkassen, den Arbeitssuchenden mehr Unterstützung zu geben. Gezielte psychologische Angebote sollten angeboten werden, bestehende Angebote bedürfen der Ausweitung. Nur durch eine Bündelung der Kräfte die momentane Situation verbessert werden.

Steffen Rudolph, Steffen Rudolph

Steffen Rudolph - Viele verschiedene Dinge habe ich in meinem Leben gesehen und getan. Immer habe ich darüber geschrieben. Nun will ich hier ...

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