
- Au-pairs helfen im Haushalt - Rembert König
Mit Au-pairs verbinden die meisten Menschen junge Frauen, die für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen und dort in Familien auf Kinder aufpassen oder im Haushalt helfen. Doch es gibt nicht nur Mädchen, für die dieser Auslandsaufentenhalt, der neben Sprachkenntnissen auch jede Menge kultureller Erfahrung auf internationaler Ebene mit sich bringt, von großem Interesse ist. Schließlich zieht es auch junge Männer in Länder wie England, Spanien, Australien oder die USA und das Klischee, dass Mädchen generell besser mit Kindern umgehen können, stimmt auch nicht.
Au-pair-Agenturen sind auf weibliche Bewerber spezialisiert
Wer gerne als Au-pair im Ausland arbeiten möchte, wendet sich an eine der zahlreichen Au-pair-Agenturen oder einen Au-pair-Vermittler. Diese werden dann tätig, um Bewerbungen und Anfragen von Gastfamilien miteinander abzugleichen und vermitteln anschließend. Da männliche Bewerber immer noch sehr stark in der Minderzahl sind und auch bei den meisten Gastfamilien ein weibliches Au-pair gewünscht ist, geht nicht jede Vermittlungsagentur auf Bewerbungen von jungen Männern ein.
Hat ein Vertreter des starken Geschlechts dann eine Agentur gefunden, die sich um einen Platz für ihn in einer Gastfamilie kümmert, dauert es in der Regel länger, bis eine aufnahmewillige Familie im Ausland gefunden ist, als bei Bewerbungen von Frauen.
Männliche Au-pairs müssen mit Vorurteilen kämpfen, profitieren aber auch von Klischees
Bei den Gastfamilien herrscht mitunter noch Skepsis darüber, ob ein junger Mann auch wirklich so gut auf kleine Kinder aufpassen kann wie junge Mädchen. Zudem gelten Jungs nicht gerade als Putzweltmeister und das allgemeine Helfen im Haushalt fällt ihnen Vorurteilen gemäß auch nicht leicht. Da dies die Hauptkriterien für die meisten Gastfamilien sind, denken sie zunächst oft nicht daran, dass sie sich auch für ein männliches Au-pair entscheiden könnten.
Männer können nicht putzen – Frauen brauchen lange im Bad
Auf der anderen Seite haben ja auch die weiblichen Au-pairs so ihre Macken in den Augen vieler Menschen. Sie können Klischees folgend nicht richtig anpacken, sind handwerklich selten begabt, brauchen viel Zeit im Bad und sind mitunter nicht einfach zufriedenzustellen hinsichtlich ihrer Unterbringung. Damit ergeben sich dann wiederum Vorteile für männliche Bewerber.
Kleine Jungs wünschen sich oft einen „großen Bruder“
Dass Männer auch in Erziehungsberufen tolle Arbeit leisten, ist an sich hinlänglich bekannt. Beim Thema Au-pair hat sich diese Erkenntnis nur offenbar noch nicht wirklich weltweit durchgesetzt. Dabei sind es bei den Kindern, um die sich ein Au-pair kümmern muss, vor allem Jungs, die mit einem „großen Bruder“ mehr anfangen können als mit einer weiblichen Aufpasserin. Für männliche Bewerber stellt die Tätigkeit als Au-pair auch die Chance dar, für sich selbst herauszufinden, ob die Arbeit mit Kindern eine berufliche Perspektive ist. Männliche Erzieher werden nicht nur in Deutschland gesucht, somit wäre eine höhere Quote an männlichen Au-pairs durchaus auch für diesen Berufszweig wünschenswert.
Soziale Kompetenzen und Sprachkenntnisse erwerben
Neben dem Testen von beruflichen Neigungen und der Erweiterung des persönlichen Horizontes durch einen längeren Aufenthalt im Ausland in einer anderen Kultur ist die Zeit als Au-pair für viele Jugendliche ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden oder bei der Selbstfindung. Dazu werden soziale Kompetenzen und meist auch eine Menge an Sprachkenntnissen erworben. Und die Tätigkeit als Au-Pair lässt sich auch vor der späteren Karriere ausüben. Wer später erstmal im Berufsleben steht, hat nur selten die Zeit für diese tollen Erfahrungen. Eine Auszeit vom Job in Form eines Sabbatjahres ist dann oftmals die einzige verbleibende Möglichkeit.
Heimweh, Überforderung oder Ausnutzung führen zu Problemen
Neben all den Vorteilen sollte jedoch bedacht werden, dass eine Tätigkeit als Au-pair nicht immer ein Erfolg ist. Sprachprobleme, Heimweh, Überforderung, Überbelastung, Ausnutzung oder Probleme mit der Au-pair-Agentur können dafür sorgen, dass der Traum vom schönen Au-pair-Dasein nicht nur platzt, sondern zum Albtraum wird. Dabei kann nicht unbedingt dem Au-pair, der Gastfamilie oder der Vermittlungsagentur pauschal die Schuld gegeben werden. Einige Menschen eignen sich nicht als Au-pair, andere nicht als Gastgeber und auch bei den Au-pair-Vermittlungstellen oder -Agenturen gibt es schwarze Schafe.
