Arbeitskräftemangel in der Zukunftsbranche Windenergie?

PK HUSUM WindEnergy bei Vestas in Hamburg - Tom Koehler, Hamburg
PK HUSUM WindEnergy bei Vestas in Hamburg - Tom Koehler, Hamburg
Pressekonferenz der HUSUM WindEnergy zu Personalengpässen in stark boomender Branche. War of Talents auf dem Bewerbermarkt. WINDCAREER sucht Mitarbeiter.

Die Bundeskanzlerin reist energetisch durch die Republik, Investitionen in Milliardenhöhe stehen an, der Wechsel hin zu erneuerbaren Energien kommt unausweichlich – doch ohne ausreichende Fachkräfte ist dies nicht zu bewerkstelligen. Diesen Umstand beklagten am 1. September 2010 Vertreter der Windenergiebranche auf einer Pressekonferenz in Hamburg.

Weltgrößte Messe der Windenergie

In Vorbereitung der HUSUM WindEnergy (21.–25. September 2010), der führenden Messe für Windenergie weltweit, trafen sich Experten bei Vestas Central Europe. Vestas ist der weltgrößte Hersteller von Windkraftanlagen. Marie-Louise Bornemann, Vice President People & Culture bei Vestas, verwies in ihrer Einführung auf das Risiko, nicht genügend Ingenieure zu haben und in Zukunft zu bekommen. "Das Wachstum der letzten Jahre ist enorm. Wir begleiten den Prozess mit gezielter Akquise von Talenten, hoch motivierten und mobilen Absolventen", so Bornemann. "Die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich wird steigen. Dem müssen wir uns stellen."

Studie zur Personalentwicklung

Gemeinsam mit der HUSUM WindEnergy erstellte die TGMC Hamburg eine Studie zu Gehalt und Karriere in dieser Branche. Dr. Heinz R. Ueckermann (TGMC) wartete mit beeindruckenden Zahlen auf. "In 2010 haben wir 120 Tausend Arbeitskräfte in der Windbranche. Das prognostizierte Wachstum bis zum Jahr 2030 von 500 Milliarden Euro und ein Investitionsvolumen von jährlich 24 Milliarden Euro hat Folgen. Wir rechnen mit 1 Million Fachkräfte in 2030, die diesen Boom erwirtschaften werden." Doch schon heute ist der "War for Talent" nach dem gleichnamigen Buch von Ed Michaels Realität. "Wir suchen High Potentials – weltweit. Andere Branchen, wie die Automotive, auch!", so Ueckermann. Dabei ist die Branche Jobmotor und sehr attraktiv. Hohe Anforderungen, weltweiter Einsatz, Wachstum und Jobgarantie sind Faktoren, die den Fachkräften von Morgen nahe gebracht werden müssen.

Branche im Umbruch

Die dringende Bitte an die Politik, sich dem Umstand bewusst zu werden und entsprechende Mittel in die Ausbildung von Ingenieuren und anderen Fachkräften zu stecken, wurde deutlich. Es werden völlig neue Berufsfelder und Berufe entstehen. Die Branche ist im Umbruch, aber auch im enormen Wachstum begriffen. Die Konsolidierung hin zu riesigen Unternehmen mit milliardenschweren Auftragsvolumina bleibt zwiespältig. Erfahren Verbraucher und Kommunen die Macht der Versorger am eigenen Leib, bedarf es einer Kontrolle der Megaunternehmen. Andererseits: Können nur noch wirklich große Unternehmen die Aufgaben der Zukunft meistern? Oder ist die Dezentralisierung der richtige Weg. Ende September findet nicht nur die WindEnergy in Husum, sondern in Kassel auch der Kongress "Hundert Prozent Erneuerbare Energie Regionen" statt. Ein weiteres Feld ist das Repowering von Windkraftanlagen.

WINDCAREER sucht Talente

Der Geschäftsführer der Messe Husum, Hanno Fecke, ist mit der Entwicklung der letzten 20 Jahre sehr zufrieden. "Wir erwarten rund 1.000 Aussteller und 10.000 Repräsentanten der Branche!" Die weltweit führende Messe für Technik und Innovation der Windindustrie ist 2010 nicht nur in Ausstellerzahlen gewachsen. "Es gibt ein neues Kongresszentrum, die Ausstellungsflächen haben sich fast verdoppelt." Besonders erwähnte Fecke die WINDCAREER unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Anette Schavan, der Bundesbildungsministerin, am 25. September 2010. "Wir erwarten 4.000 Besucher, die von 300 Personalverantwortlichen und 40 Bildungsinstituten betreut werden. Diese Besucher interessieren sich für einen Arbeitsplatz oder wollen den Arbeitgeber wechseln." Die Jagd nach Talenten ist eröffnet. Es gibt nunmehr einen Bewerbermarkt, den die Unternehmen mit Angeboten überschütten.

Wissenschaftsjahr 2010 – die Zukunft der Energie

Ob die Bahn die Zukunftsbranche für Mobilität im neuen Jahrtausend ist, fragte sich Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin des DIW in Berlin und Themenbotschafterin des Wissenschaftsjahres 2010. Ihr Besuch war mit Spannung erwartet worden – verspätet erreichte sie die Pressekonferenz. Die Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance Berlin prognostizierte einen Boom der grünen Branche. "Es ist die Zukunft für junge Menschen. Die Ausbildung in Energieberufen, wie Konstruktionsmechanik oder Kunststofftechnik muss massiv verstärkt werden!" Das Wissenschaftsjahr 2010 läuft unter der Agenda "Die Zukunft der Energie". Gerade wirtschaftsintensive und dicht besiedelte Regionen sind mit dem Thema konfrontiert. Ausfälle oder Störungen haben sofort gravierende Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Die Entwicklung von zukunftsfähiger Technik und deren Betrieb sowie Wartung sind die Aufgaben der jungen Menschen von heute – für eine Zukunft mit erneuerbaren Energien morgen.

Tom Köhler, Hamburg, Tom Köhler, Hamburg

Tom Köhler - Tom Köhler, Journalist, Fotograf, Netzwerker, Inhaber der Agentur Abenfarben in Hamburg. www.abendfarben.de

rss