Einschlägige Internetforen kritisieren ganz offen die Praxis der Ludwigshafener Gesellschaft für Arbeit (GfA). Hassparolen und Unverständnis bezüglich der hiesigen Sanktionspraxis der Einrichtung sind keine Seltenheit. Verständnis für die Probleme der Arbeitslosen hat beinahe jeder und viele schließen sich der Argumentation an, die vielerorts genannt wird. Doch es geht nicht um Arbeitslose gegen GfA – das Problem sitzt tiefer.
Von überstürzten Sanktionen und Fallmanagern
„Die hatten es mir zugesagt“, erklärte Diana S. (Name geändert). Sie wollte umziehen und bekam von ihrer Fallmanagerin vorher das mündliche Einverständnis. Nach dem Umzug wechselte nicht nur die Anschrift, sondern auch der Fallmanager. Seither bekommt sie keine Grundsicherung und die Wohnung wird ebenfalls nicht bezahlt. „Werden sie doch obdachlos“, soll der neue Fallmanager gesagt haben, als die junge Frau nachfragte. Und auch Fälle, bei denen einfach nur eine Verspätung zu einem GfA-Termin vorlag und es dadurch zu Kürzungen kam, sind zahlreich. Eine einheitliche Linie scheint es nicht zu geben, der die Fallmanager folgen. Und auch wann welcher „Kunde“ sanktioniert wird, scheint eher vom Fallmanager als von irgendwelchen Vorschriften abzuhängen.
Vergessen wird bei all den Beschwerden allerdings die Situation der Fallmanager. Sie haben teilweise 200 Arbeitslose zu betreuen. Sie kennen diese Menschen kaum und sollen Entscheidungen fällen, zu denen sie mehr Einblicke in die Welt ihrer „Kunden“ haben müssten.
Gleichzeitig stehen sie unter Druck, denn die Kommune trägt seit der Einführung von Hartz-IV einen Großteil der Kosten.
Und der Druck steigt weiter
Derzeit entstehen der Stadt Ludwigshafen weitere Probleme in Bezug auf die Hartz-IV-Finanzierung. Kürzlich hatte der Bund seine Beteiligung für die Wohnkostenzuschüsse gekürzt. Der Staat spart, Ludwigshafen muss übernehmen. Etliche tausend zusätzliche Euros wird die Kommune aufbringen müssen, um weiterhin allen Wohngeld zu zahlen. Und auch die demnächst steigenden Arbeitslosenzahlen werden die Probleme Ludwigshafens weiter verschärfen. Kürzungen sind allerdings fast nur bei den „Kunden“ möglich. Ein Teufelskreis, der dazu führt, dass die Problematik nicht verbessert, sondern verschärft wird.
Über Städtevergleiche und Sparmaßnahmen
Vor einigen Jahren haben mehrere Kommunen, darunter auch Ludwigshafen, an einem Benchmarking teilgenommen. Der Städtevergleich bezieht sich dabei auf die Kennzahl: Wer hat die niedrigsten Sozialausgaben – oder wer gibt am wenigsten Geld für Hartz-IV aus. Von den Besten Lernen ist das gesteckte Ziel. Doch wenn der beste Anträge einfach ablehnt und sanktioniert, dann werden es alle tun. Daraus entsteht ein Teufelskreis, der zukünftig immer größer wird. Neue Statistiken beweisen: Wer in den Hartz-IV-Bezug kommt, der hat gute Chancen langzeitarbeitslos zu werden. Die Kosten und somit der Druck auf Ludwigshafen wird also zunehmen – mit ungewissem Ausgang.
Deshalb werden beide Seiten auch in Zukunft Probleme haben. Die Arbeitslosen, wegen der gängigen Praxis und die Kommunen mit ihren vollkommen überforderten Fallmanagern.
