Arbeitsmöglichkeiten im Büro für Quereinsteiger

Traumjob Büro? - Paul-Georg Meister / pixelio.de
Traumjob Büro? - Paul-Georg Meister / pixelio.de
Bürojobs sind bei vielen Arbeit Suchenden sehr beliebt. Leider ist ausgerechnet in diesem Bereich mit Enttäuschungen zu rechnen.

Jobs wie Bürohilfe, Büroassistent und Empfangskraft stehen zwar Quereinsteigern grundsätzlich offen, allerdings sind diese Bereich stark überlaufen und man muss schon viel Glück haben, um ohne entsprechende Ausbildung erfolgreich zu sein. Unqualifizierte Bürohilfen und vorbereitende Buchhaltungskräfte werden nur wenig nachgefragt und man sollte sich rechtzeitig anderweitig orientieren, wenn man merkt, dass alle Versuche ins Leere laufen.

Aus dem Nähkästchen der Arbeitgeber

Wenn man mit Arbeitgebern spricht, etwa auch mit solchen, die Bürokräfte an andere Arbeitgeber über Zeitarbeit oder zur Direkteinstellung vermitteln, erfährt man, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) im Bürobereich wohl noch am wenigsten beachtet wird. Ob nun ausgebildete oder nicht ausgebildete Kräfte – vor allem das Alter und das Geschlecht spielen eine sehr wichtige Rolle, wenn Bewerbungen gesichtet werden. Gute Kandidaten für das Front- oder Backoffice sind junge Frauen. Ab einem Alter von 38 Jahren sträuben sich die Arbeitgeber schon stark, den Bewerber in die engere Wahl zu ziehen und ab 40 sind die Chancen nur noch sehr gering; nur wenige Arbeitgeber bilden eine Ausnahme. Für Männer sieht der Markt in der Regel noch schlechter aus, sogar ausgebildete Bürokaufmänner haben Schwierigkeiten, wenn sie keine Spezialisierung, etwa in der Finanzbuchhaltung, vorweisen können. Dabei ist eine abgeschlossene und geprüfte Qualifizierung aus versicherungstechnischen Gründen bei Buchhaltern Pflicht. Ein weiteres Problem für viele Arbeit Suchenden besteht darin, dass häufig sehr gute Englischkenntnisse nachgefragt werden, gern in Verbindung mit Französischkenntnissen als Zusatzqualifikation. Andere Sprachen spielen jedoch nur selten eine Rolle.

Chance Zeitarbeit?

In der Zeitarbeit gibt es neben den großen Anbietern, die alle Bereiche abdecken (Randstad, persona service, Adecco und Manpower), auch auf den Büro- und Finanzbereich spezialisierte Unternehmen, die ausschließlich für das Sekretariat, die Sachbearbeitung, HR, Buchhaltung, Customer Care, kaufmännischer IT-Bereich und/oder Reise- und Hotelbranche vermitteln – manchmal auch zur direkten Übernahme beim Arbeitgeber.

Beispiele hierfür sind:

Prinzipiell sind auch bei Zeitarbeitsfirmen dieselben Profile von Bewerbern gefragt wie bei direkten Arbeitgebern. Allerdings haben sie in der Regel mehrere Arbeitgeberkontakte, sodass die Erfolgschancen steigen, sollte ein Arbeitgeber einen nicht typischen Wunsch äußern wie nach einer ältere Dame ohne Ausbildung. Die Bezahlung und Eingruppierung in Tarifstufen für Bürokräfte liegt im Zeitarbeitstarif tendenziell höher als für Helfer im produzierenden Gewerbe. Zur groben Orientierung sind folgende Bruttostundenlöhne üblich:

  • Datenerfasser: 7–8 Euro;
  • Empfang/Teamassistenz: 8,50 Euro;
  • Sachbearbeitung: 8,50–9 Euro;
  • Personalsachbearbeiter: 11–12 Euro (in der Regel nur mit Ausbildung);
  • Bilanzbuchhalter: 13 Euro (nur mit Ausbildung).

Des Weiteren ist auf dem Bürosektor die Übernahmequote zum direkten Arbeitgeber stets höher als im produzierenden Gewerbe. Meist nutzen die Arbeitgeber die Zeitarbeitsfirmen nur, um die Bewerber besser kennen zu lernen, und wenn die Chemie passt, wird die Übernahme von Anfang an mitgedacht.

Jobs im Call Center

Einen realistischen Weg für Quereinsteiger auf ähnlichen Gebieten sind Jobs in Call Centern. Diese suchen Hände ringend Mitarbeiter. Dabei unterscheidet man in der Branche zwei Arten: Inboundtelefonie (man wird angerufen) und Outboundtelefonie (man ruft jemanden an). Es gibt aber natürlich auch Jobs, die eine Mischung aus beiden darstellen.

Die meisten Arbeit Suchenden bevorzugen den Inbound – daher sind diese Jobs etwas schwerer zu bekommen und vor allem auch schlechter bezahlt. Wer die Branche noch nicht kennt, irrt sich zuweilen auch in der Einschätzung der Arbeitsbelastung. Die Inboundtelefonie kann auch zu Akkordarbeit ausarten und die Telefonate, die man führt, müssen nicht unbedingt angenehmer Natur sein, etwa im Beschwerdemanagement. Im Outbound sind die Arbeitsbedingungen zuweilen angenehmer und dies bei höherer Bezahlung mit Fixstundenlöhnen zwischen 8 und 10 Euro, auf die dann noch Bonuszahlungen anfallen können. Dennoch hat Outbound in der Regel mit Verkauf von Produkten und Dienstleistungen zu tun, vom Premiumbereich im B-to-B bei Bestandskunden bis zu absolut unseriösen Geschäftsmodellen. Hier gilt es genau hinzuschauen und sich zu fragen, ob man das Produkt ruhigen Gewissens dem Kunden empfehlen kann.

Jobs, die eine Mischung aus Call Center und Sachbearbeitung darstellen, sind solche, bei denen die Mitarbeiter zwischen den Telefonaten den Sachstand bearbeiten, E-Mails beantworten, Verträge aufsetzen und Ähnliches. Dies ist bei Aufträgen für Energiedienstleister oder im Online-Banking der Fall. Auch hier werden durchaus Quereinsteiger eingestellt, die mit der speziellen Thematik vorher keinerlei Berührung hatten. Bevorzugt werden jedoch Bewerber, die Erfahrungen aus anderen Call Centern mitbringen.

Wer bei Hotlines von Airlines, ADAC-Pannendiensten, Taxizentralen und Bestellkatalogen arbeiten möchte, muss bedenken, dass einige der Firmen ihr Personal über Zeitarbeit oder externe Dienstleister rekrutieren. Somit ist es sinnvoll, sich beim Arbeitgeber vorher zu erkundigen, über welchen Weg er die Bewerber einstellt, um die Bewerbung auch an den richtigen Adressaten zu richten. Die Vorteile der Call-Center-Branche bestehen darin, dass sie allen Bewerbern offen steht, da viele Anbieter bereit sind, Schichten nach Wunsch zu vereinbaren.

Jobs in der Sicherheitsbranche am Empfang

In sicherheitsrelevanten Bereichen von Privatunternehmen gibt es eine Möglichkeit am Empfang in der Eingangszone zu arbeiten. Dafür müssen die Bewerber eine bestandene Sachkundeprüfung nach § 34 a Gewerbeordnung bei einer IHK vorweisen und sich nicht direkt bei den Unternehmen, sondern bei den Sicherheitsfirmen bewerben, über die in der Regel der Einsatz erfolgt. Haben Sie ein bestimmtes Unternehmen im Auge, sollten Sie sich beim Unternehmen erkundigen, mit welcher Sicherheitsfirma es zusammenarbeitet.

Jobs in der Datenverarbeitung, -pflege und -auswertung

Jobs in der Datenpflege werden häufig über Zeitarbeit vergeben. In diesem Bereich werden Aufträge abgearbeitet, die jedoch zeitlich begrenzt sind, sodass Übernahmechancen kleiner sind als im Frontofficebereich. Die Tätigkeit besteht darin, im Akkord Daten, etwa Adressen von Kunden, in Systeme einzupflegen. Um der Arbeit gerecht zu werden, werden hohe Anschlagzahlen erwartet. Arbeit Suchende, die nicht computeraffin sind, haben hier keine großen Chancen. Etwas einfacher, wenn auch nicht weniger monoton, sind Jobs in der Digitalisierung von Büchern, die ebenfalls häufig, wenn auch nicht ausschließlich, über Zeitarbeit vergeben werden.

Anspruchsvollere Arbeit bieten Medienagenturen, die Mitarbeiter für die Auswertung von verschiedenen Medien wie Zeitungen und Zeitschriften für den Pressespiegel der privaten Unternehmen einstellen. Ähnlich sind auch die Jobs in der Lager-Kommissionierung, bei Versandserviceagenturen, Lettershops, Kopiershops und im Online-Handel.

Jobs in der Beratung und im Kundenservice

Es gibt verschiedene Unternehmen, die Servicemitarbeiter für ihre Infoschalter einstellen. Dazu gehören größere Super-, Elektro- und Möbelmärkte. Jobs an der Peripherie zum Verkauf bieten auch Ticketverkaufstellen, Kinokassen und Ähnliches. Quereinsteigerfreundliche Unternehmen sind auch die Agentur für Arbeit, JobCenter und ARGEn, die für ihren Telefonservice oder Empfangsschalter Mitarbeiter suchen. Durchlässig für Quereinstiger sind außerdem die privaten Arbeitsvermittlungen, aber auch Zeitarbeitsfirmen, bei denen man in der Funktion eines Personaldisponenten zuweilen eine Chance bekommt.

Weitere Informationen:

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Sofie Weber-Remich - Bei suite101 schreibe ich für die Rubrik Beruf und Karriere, da ich hauptberuflich seit vielen Jahren als Arbeitsberaterin und ...

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