Arbeitsmöglichkeiten im Verkauf für Quereinsteiger

Quereinstieg im Verkauf - Thorben Wengert / pixelio.de
Quereinstieg im Verkauf - Thorben Wengert / pixelio.de
Der Einzelhandel bietet Quereinsteigern häufig eine Chance.

Quereinsteiger sind in vielen Sparten des An- und Verkaufs willkommen. Manchmal werden sogar bevorzugt solche Bewerber eingestellt. Vor allem, wenn es sich nicht um erklärungsbedürftige Produkte handelt.

Jobs als Verkäufer im Einzelhandel

Die Anforderungen an die Berufserfahrung eines Bewerbers sind im Einzelhandel extrem unterschiedlich. Je erklärungsbedürftiger ein Produkt ist, desto schwieriger wird es für Quereinsteiger, wobei das Know-how nicht unbedingt in einer entsprechenden Ausbildung erworben werden muss. Ein begeisterter Angler wird in einem Anglergeschäft gern unter Vertrag genommen. Ein Elektronikkenner findet in Mediamärkten ebenfalls Verwendung. Am geringsten sind die Anforderungen in Bereichen, die mit ausschließlicher Kassentätigkeit zusammenhängen – etwa in Discountern von Lebensmitteln oder Drogerieprodukten. Am liebsten sehen die Discounter eine abgeschlossene Ausbildung als Beweis für Durchhaltevermögen. Hier kann eine Ausbildung im Einzelhandel sogar hinderlich sein, weil es die Mitarbeiter teuer macht und man sie nicht mehr so einfach in die niedrigste Tarifstufe eingruppieren kann. Gerne werden Quereinsteiger mit einem Kassenpass eingestellt, sodass der Status "Helfer" zwar noch besteht, die Kassentätigkeit aber nicht ganz fremd ist. Auch ein ein- bis zweiwöchiges Praktikum scheint im Verkauf gern gesehen.

Da in Discountern die Mitarbeiter meist alle Aufgaben übernehmen müssen, von Böden wischen über Kassieren bis Regale einräumen und ständiges Stehen verlangt wird, werden an die Bewerber hohe Fitnessanforderungen gestellt. Bewerber mit Bandscheibenvorfällen haben in der Regel keine Chance, die Anforderungen zu erfüllen. Diesen bleibt nur die Möglichkeit der Bewerbung in größeren Möbel- und Handwerkermärkten mit einer etwas abwechslungsreicheren Kassentätigkeit.

Auch Mobilitätsbereitschaft gehört zu den häufigen Anforderungen der Branche. Meist wird bei zentral verwalteten Unternehmen erwartet, dass man innerhalb der Stadt einsetzbar ist, da häufig von Filiale zu Filiale rotiert wird, wenn auch Versuche unternommen werden, auf den Wohnort Rücksicht zu nehmen. Auf Grund der hohen Fitnessanforderungen erliegt die Branche zuweilen auch einem Jugendwahn. Allerdings gilt auch hier: Das Alter der Bewerber muss zum Alter der Zielgruppe passen. Im gesamten Verkauf haben ältere Arbeitnehmer vor allem in Sparten mit erklärungsbedürftigen Produkten, Textilien und in Bäckereien gute Chancen. Da man mit Geld in Kontakt kommt, verlangen fast alle Arbeitgeber ein sauberes Führungszeugnis. Vor allem Schufa-Einträge und Kontopfändung reduzieren die Einstellungschancen im Verkauf gegen Null.

Arbeitsbedingungen im Verkauf

Die Probleme der Branche liegen in üblichen Schicht- und Wochenenddiensten sowie Teilzeit und befristeten Verträgen, die zuweilen überhand nehmen. Vollzeitverträge sind selten, weil für die Einsatzplanung und Krankheitsstände Teilzeitverträge im Schichtdienst besser geeignet sind. Spätestens bei der Inventur ist arbeiten nach 20 Uhr üblich. Geregelte Arbeitszeiten gibt es selten und kommen nur in absoluten Nischen vor, etwa in kleinen Läden, die kürzere Öffnungszeiten haben. Damit steht die Branche beispielsweise Alleinerziehenden nur selten offen gegenüber.

Verdienstmöglichkeiten im Verkauf

Gehälter sind im Discount-Verkauf kaum verhandelbar und variieren sehr stark. Je nach Arbeitgeber werden über 13 Euro (ALDI) bis 3 Euro bei manchen Bäckereibetrieben bezahlt. Das Durchschnittsgehalt für Quereinsteiger liegt jedoch im Bereich von 7 bis 9 Euro die Stunde brutto.

Bevorzugte Bewerbungswege und Bewerbungsunterlagen im Verkauf

Bei zentral verwalteten Unternehmen wie C&A, Biba, Drospa, Rossmann, DM, Hugo Boss, Apart oder Peek & Cloppenburg lohnt sich eine Bewerbung über die Zentrale. Hier gibt es große Personalabteilungen, die mehr Wert auf harte Fakten legen. Bei einem Franchise-Unternehmen sind einzelne Filialen selbständig, sodass der Bewerber seine Unterlagen in der entsprechenden Filiale direkt abgegeben sollte. Beispiele für Franchisesysteme sind EDEKA, Saturn, Cecil, Orsey oder Chelsea.

Aber auch bei Firmen, die über ihre Zentrale Einstellungen vornehmen, sollte man die Bewerbungsunterlagen in der nächstgelegenen Filiale abgeben, von wo sie an den zuständigen Bezirks- oder Regionalleiter weitergereicht werden, der die Filiale im Ein- bis Zwei-Wochen-Rhythmus aufsucht. Auf gepflegtes Äußeres wird im Verkauf großer Wert gelegt. Daher sollten die Bewerbungsunterlagen auf jeden Fall ein Foto enthalten, das diese Qualität unterstreicht. Im Lebensmitteleinzelhandel und besonders im Discountbereich sind konservative Bewerbungen gefragt. Kreatives ist aber bei Firmen mit stark ausgeprägter Corporate Identity wie Ikea willkommen.

Mögliche Sparten im Verkauf

  • Baumärkte und Gartencenter
  • Möbelmärkte
  • Drogerien
  • Elektro- und Computerfachhandel
  • Lebensmittel
  • Schreibwaren und Bürobedarf
  • Künstlerartikel
  • Buchläden
  • Tierbedarf
  • Erotikartikel
  • Schmuck und Uhren
  • Textilprodukte
  • Leder- und Taschenprodukte
  • Schuhe
  • Sportartikel

Verkäufer im Außendienst und Vertrieb

Verkäufer im Außendienst und Vertrieb werden je nach Produkt auch aus Quereinsteigern rekrutiert. Das Spektrum reicht vom Versicherungsmakler über Pharmareferenten bis zum Immobilienmakler. Es gibt auch die Möglichkeit, entsprechende Kurzschulungen zu absolvieren. Eine gültige Fahrerlaubnis ist in diesen Bereichen zumeist Pflicht. Generell lässt sich sagen, dass Vertriebsjobs für schwierige Produkte wie Versicherungen, Staubsauger, Tiefkühlware und Ähnliches am leichtesten zu bekommen sind. Hier sind die Verdienstmöglichkeiten aber auch sehr begrenzt. Der Trend geht überdies dahin, dass das Fixgehalt, wenn überhaupt vorhanden, immer kleiner ausfällt, die Provisionssummen aber höher werden.

Entwicklungsmöglichkeiten im Verkauf

Wenn man Führungsqualitäten vorweisen kann und auch fachlich zu überzeugen vermag, ist eine Beförderung in vielen Betrieben des Handels möglich. Schichtleiter, Teamleiter, Filialleiter wäre hier der übliche Beförderungsweg – höheres Management bleibt den Quereinsteigern ohne entsprechende Ausbildung in der Regel allerdings verwehrt. Mit entsprechender Berufserfahrung besteht allerdings die Möglichkeit, einen Berufsabschluss ohne reguläre Ausbildung bei der IHK zu erlangen. Es gibt auch Wege, nebenberuflich Verpasstes nachzuholen.

Weitere Informationen:

Wege zur Finanzierung von Ausbildungen und Studiengängen

Berufsabschluss – ohne eine reguläre Ausbildung?

Sofie Weber-Remich - Bei suite101 schreibe ich für die Rubrik Beruf und Karriere, da ich hauptberuflich seit vielen Jahren als Arbeitsberaterin und ...

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