Archäologe – Wirklich ein Traumberuf?

Wer Archäologie studiert, erntet in der Bevölkerung in der Regel Bewunderung und Anerkennung. Stimmt das Vorurteil von Abenteuer und Reisefieber?

Wer Archäologie studieren will, erntet in der Regel Beifall und Begeisterung. Filme wie "Lara Croft", "Die Mumie kehrt zurück" oder Fernsehserien wie "Schliemanns Erben" oder "Terra X" unterstützen diese Sichtweise.

Was versteht man unter dem Studienfach "Archäologie"?

Die "Archäologie" gibt es nicht. Es gibt viele archäologische Fächer, die man studieren kann. Neben dem Aushängeschild, der Ägyptologie, gibt es die Provinzialrömische Archäologie, die Klassische Archäologie, die Ur- und Frühgeschichte, die Keltologie (in Österreich ein eigenes Fach), Altamerikanistik, Assyriologie, Hethitologie (beide auch mit linguistischen Anteilen) und einige weitere archäologische Disziplinen.

Bedeutet Archäologie Abenteuer pur?

Archäologen würden diese Fragen klar mit Ja beantworten. Jeder Wissenschaftler, der für sein Fach lebt und arbeitet, empfindet es als Abenteuer. Ein Astronom würde sein Fach ebenso als Abenteuer bezeichnen, obwohl es neben Mathematik in erster Linie aus PC-Arbeit besteht, wie ein Pharmakologe auf der Suche nach neuen Arzneimitteln.

Archäologen arbeiten etwa zu 70 Prozent am Schreibtisch und in Bibliotheken und nur zu etwa 30 Prozent im Freien. Also kein Abenteuer? Keine wertvollen Funde? In erster Linie zählen die wissenschaftlichen Erkenntnisse, deshalb sind Funde auch nur in Verbindung mit Befunden für den Archäologen richtig spannend und wissenschaftlich wertvoll. Als Befunde werden etwa Pfostenlöcher bezeichnet, womit sich Häusergrundrisse rekonstruieren lassen. Sie geben somit Aufschluss über die Lebensweise der jeweiligen Zeit.

Wertvoll ist ein Fund also für den Archäologen nur, wenn er auch einen Beitrag zur Rekonstruktion der damaligen Welt der Menschen leistet. Ein bloßer Fund mag materiell wertvoll erscheinen, wenn aber der wissenschaftliche Fundzusammenhang fehlt, ist der Fund zumindest aus archäologischer Sicht nur bedingt wertvoll. Das Abenteuer Archäologie besteht also aus Fundzusammenhängen. Ein ausgegrabenes Areal, das nach und nach seine verborgenen "Schätze" freigibt, stellt zweifelsfrei für den Archäologen ein Abenteuer dar. Es entsteht so ein "reales" Bild der Vergangenheit.

Die Auswertung der Grabungsergebnisse nimmt die angesprochenen 70 Prozent der Zeit in Anspruch. Erst am Schreibtisch wird so das Bild der Vergangenheit rekonstruiert. Das Abenteuer verlagert sich somit von der Ausgrabung an den Schreibtisch. Dennoch wird jeder Archäologe von einem Abenteuer sprechen. Die Frage, ob Archäologie ein Abenteuer ist, lässt sich also zumindest aus Sicht der Archäologen klar mit Ja beantworten.

Welche Berufsaussichten haben Archäologen?

Wer nun Geschmack auf eines der archäologischen Fächer bekommen hat und sich fragt, ob es sich lohnt Archäologie zu studieren, dem sei Folgendes mit auf den Weg gegeben. In Zeiten eines Bachelor und unsicheren Fortgangs in Richtung Master (NC als Zugangsvoraussetzung) stellt das Archäologiestudium in der Tat ein berufliches Risiko dar, denn als Bachelorabsolvent dürfte man in der archäologischen Forschung, mit Ausnahme von Hilfstätigkeiten, wohl kaum Berufsaussichten haben, zumal fast immer die Promotion als Einstellungsvoraussetzung gilt. Die Berufsaussichten für Archäologen sind angesichts knapper Kassen im Kulturetat schlecht, wenn nicht sehr schlecht. Das wird in den Vorstellungen des Fachs an der Universität stets mit dem Hinweis der Professoren kommentiert: "Wenn Sie einen Job wollen, studieren sie BWL oder werden Ingenieur, wenn Sie sich mit Liebe und Hingabe der Archäologie zuwenden wollen, ungeachtet der Berufsaussichten, dann sind Sie herzlich willkommen!"

Wer Archäologie studiert um sicher Geld zu verdienen, ist mit dem Studium falsch bedient, wer Archäologie studiert, weil er es aus unbedingtem Interesse machen möchte, dem sei ein Archäologiestudium dringend empfohlen. Archäologie muss man leben und lieben, ein bloßer Job ist das Fach nicht! Wer Archäologe werden will, muss die Allgemeine Hochschulreife besitzen und eines der archäologisches Fächer an einer Universität studieren. Wer eher praktisch arbeiten möchte, kann auch an einer Fachhochschule ein Studium der Grabungstechnik aufnehmen (etwa in Berlin).

In den meisten archäologischen Wissenschaften werden Latein und Griechischkenntnisse verlangt (vor allem in der Klassischen Archäologie unabdingbar). An der Universität Kiel ist ein Archäologiestudium auch im Bereich der Naturwissenschaften möglich. Latein und Griechischkenntnisse werden dort für den naturwissenschaftlichen Studiengang nicht verlangt. Das Studium umfasst im Bachelorstudiengang sechs Semester. In den ersten Semestern werden die Grundlagen des Fachs erläutert, etwa die Geschichte der Disziplin, die Abgrenzungen zu anderen Fächern und die räumlichen und zeitlichen Arbeitsbereiche der archäologischen Teildisziplin. Näheres zu Umfang und den genauen Anforderungen lässt sich den Studienordnungen und Informationen der archäologischen Institute entnehmen.

Archäologiestudium – immer ein Gewinn?

In punkto Berufsaussichten stellt das Studium der Archäologie, gerade in Zeiten des Bachelor, ein wahres Abenteuer dar, Ausgang ungewiss! Aber Archäologen lieben das Abenteuer und wer gerade mit diesem Hintergrundwissen Archäologie studiert, der beweist, das Archäologie ein Abenteuer ist, das einzugehen sich lohnt. Nur wer Neues wagt, auch wenn er scheitern kann, ist zum Wissenschaftler und damit zum Archäologen geboren. Und wer in der Archäologie scheitert, kann zumindest auf andere Bereiche ausweichen (Erwachsenenbildung, freie Wirtschaft).

Stephan Frey, Stephan Frey

Stephan Frey - Stephan Frey Diplom-Prähistoriker ex. Krankenpfleger Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, ...

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